Wenn ein 15jähriger türkischer Junge 62 Straftaten begeht, bis er endlich in Untersuchungshaft genommen wird, dann kochen bei mir die Emotionen, auch wenn mir das persönlich höchst unangenehm ist. "Werft ihn aus dem Land", denke ich dann. Und die Eltern, bislang völlig unbescholten, gleich mit? Dann versuche ich mich zur Ordnung zu rufen. Der Junge muß vor Gericht - für eine Ausweisung der Eltern fehlt jede Rechtsgrundlage. Sie arbeiten in Deutschland, bezahlen ihre Steuern und haben den Schutz der Demokratie, die auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit nicht durch leichtfertige Pauschalurteile gefährdet sein darf. Ein Farbiger vom Hamburger Kiez gilt leicht als Drogendealer. Ich kenne genug ausländische Freunde, die im Falle dieses Jungen für eine harte Strafe sind. Aber keine schnelle, heimliche Ausweisung, sondern ein ordentliches Gerichtsverfahren ist der Weg. Alles andere verstößt gegen die guten Sitten gegenüber den Ausländern, die mit uns in Freundschaft leben. Die "schlag ihn tot"-Mentalität schmieren sich die Rechtsradikalen im Wahlkampf aufs Brot und heizen damit die Emotionen an.Ich will das nicht.
Quelle: Das Neue / Wilfried Göbel