Foto: Gary Rogers

 

Ausflüge in ...

                                                             

 

Ulrich Pleitgen: Ein "Kosmopolit" liebt seinen Stadtteil Uhlenhorst.

Bei Schnee, Wind , Sonne und Regen ist Ulrich Pleitgen mit seinem Textbuch als Alsterläufer unterwegs
Max Liebermann / 1902 NACH DEM REGEN

AUF DER AUSSENALSTER

 

Sein Gesicht gehört zu den bekanntesten auf dem Bildschirm, seine leicht rauchig - brummende Stimme sowieso. In seinem Beruf sieht Ulrich Pleitgen bei Dreharbeiten die schönsten Orte der Welt, trotzdem zieht es ihn immer wieder an die Alster zurück. Seit 1985, ein Engagement am Thalia-Theater führte ihn in die Hansestadt, wohnt er mit Frau Ann-Monika Bohnet in Uhlenhorst.

 
Alster-Magazin: Zum Jahreswechsel haben Sie während einer 17-tägigen Kreuzfahrt auf der MS-Deutschland gelesen. Was haben Sie vorgetragen?
 
Ulrich Pleitgen: In erster Linie "Mangelweihnachtsgeschichten" von Wolfgang Borchert, Thomas Mann, Erich Kästner und Hans-Christian Andersen.
 
AM: Ist das an einem solchen Ort nicht etwas ungewöhnlich?
 
UP: Den meisten Kreuzfahrtteilnehmern geht es finanziell sehr gut, deswegen können Sie sich ruhig mal mit Geschichten über Krieg, dem schwarzen Freitag und wirtschaftlicher Depression auseinandersetzen.
 
AM: Wie war die Reaktion der Gäste?
 
UP: Sehr gut, es mussten Stühle zugestellt werden.
 
AM: Welche Rolle spielt die Literatur in Ihrem Leben?
 
UP: Eine sehr große. Es gibt sicherlich viele Menschen, die sich in sie flüchten, ich möchte jedoch der Realität auf die Spur kommen. Außerdem bringe ich sie gerne unter Menschen, denn es macht mir viel Spass vorzulesen.Zuletzt habe ich drei Kurzgeschichten von Steven King auf CD gelesen. Ich schätze ihn wegen seines tollen englischen Humors sehr (BLUT UND RAUCH/ Ullstein).
 
AM: Welche Autoren bevorzugen Sie?
 
UP: Diejenigen, denen es gelingt, Personen perfekt zu beschreiben. Mit am besten können das John Updike und Vladimir Nabokov. Beide erzählen viel über das wirkliche Leben. Ebenso wie Shakespeare vor langer Zeit. Alles, was er über Macht, Gewalt, Geld und politische Intrigen schrieb, ist heute noch genauso.
 
AM: Sie lesen auch Hörspiele im Radio. Was ist das Besondere daran?
 
UP: Im Gegensatz zum Fernsehen kommt es nicht auf die Quoten an. Deswegen können komplizierte Charaktere in tiefgehenden Geschichten agieren. Das Radio ist ein Reservat für anspruchsvolle Literatur. Es macht aber nur einen ganz kleinen Teil meiner Arbeit aus, denn Schwerpunkt ist das Fernsehen.
 
AM: Von 1970 bis 1989 spielte sich Ihr Leben am Theater ab. Wieso wechselten Sie das Fach?
 

UP: Um eine neue Seite meines Berufes kennen zu lernen. Irgendwann hatte ich alle guten Theaterrollen durch und die Stücke wiederholten sich. Außerdem hatte sich die Zeit politisch geändert. Bei mir entwickelte sich ein Misstrauen gegen die großen Theatertöne und -gesten.
Ich hatte keine Lust mehr auf überhöhtes Spiel, sondern wollte einfach normal spielen.
 
AM: Man sagt, Sie lernen Ihre Texte an der Alster. Trifft das noch zu?
 
UP: Ja, denn ich bin ein "Draußenmensch". Entweder laufe ich beim Einstudieren der Rollen um die Alster oder befinde mich im Waldgarten unseres Hauses in der Heide. Drinnen komme ich mir nämlich wie ein an einen Stuhl gefesselter Schüler vor. Ich bin jedoch auch an der frischen Luft ein schlechter Lerner (lacht).
 
AM: Sie sind mit einer Rolle in "Nicht von schlechten Eltern" bekannt geworden. Was ist schwerer zu spielen, eine Figur in einer Serie oder in einem Spielfilm?
 
UP: Das kann ich nicht sagen. Es kommt darauf an, was verlangt wird. Einfach zu spielende Figuren gibt es nicht. Ich bin ein emotionaler Schauspieler, und das erfordert viel Kraft. Dem Zuschauer kann nur etwas vermittelt werden, wenn sich der Schauspieler stark in die Figur versetzt.
 
AM: Gibt es eine Lieblingsrolle?
 
UP: Nein. Ob friesischer Bauer oder Chefarzt, solange das Drehbuch stimmt, ist es okay.
 
AM: Was haben Sie zuletzt gedreht?
 
UP: Ende vergangenen Jahres war ich für zwei Monate in Australien und habe mit einer Gruppe von Schauspielern, der von mir sehr geschätzte Friedhelm Ptok war auch dabei, eine Reisegeschichte gespielt: Mehrere Leute, die sich nicht kennen, sind in einem Bus zusammengepfercht und bekommen so ihre Probleme zwischenmenschlicher Art.
 
AM: Wie war es "Down Under" ?
 
UP: Genial. Wir hatten genügend freie Tage, um das beeindruckende Land und die immer sehr freundlichen und hilfsbereiten Australier kennen zu lernen. Sie sind viel gelassener als wir Deutsche. Es hat vermutlich mit der Hitze und der Weite des Landes zu tun. Ich bin dankbar für einen derart privilegierten Beruf, der einem fremde Länder nahe bringt.
 
AM: Schalten Sie oft den Fernseher ein?
 
UP: Ich sehe häufig politische Sendungen. Die machen mich allerdings schnell müde, denn die Parteien praktizieren meist eher Wahl- statt Sachpolitik. Ich will die Demokratie, aber dadurch, dass alle vier Jahre gewählt wird, werden die Parteien dazu verführt, die Sachpolitik zu vernachlässigen.
 
AM: Haben Sie sich "Big Brother"-Folgen angeschaut?
 
UP: Insgesamt liefen ungefähr 15 Minuten der Show auf meinem Fernseher, um mitreden zu können. Die Menschen, die sich das reinziehen, sind zu bedauern. Wie trist muss eine Gesellschaft sein, die sich einfach vor die Glotze setzt, um so etwas Langweiliges von uninteressanten Menschen anzuschauen. Dabei existieren gute Bücher, Kanbarettisten oder Kinofilme.
 
AM: Wie sehen Ihre Pläne für die nähere Zukunft aus?

 
UP: Demnächst bin ich Gast in der Sendung "Zimmer frei". Außerdem stehen Dreharbeiten für "Jenny & Co" an und mehrere Hörbuchproduktionen. Und im Winter gebe ich natürlich wieder Lesungen.
Quelle: ALSTERMAGAZIN / kw / 2001

 

 

 

Ulrich Pleitgen: Fahrt mit Ann-Monika und Oldtimer durch Hamburg

Als "Apotheker Johannes Kleist" steht Ulrich ab Herbst 2008 in Eisenach wieder vor der Kamera. Während er die vierte Staffel dreht, wird die dritte von der ARD ausgestrahlt. Sie wird hoffentlich wieder viele Zuschauer vor das Fernsehgerät ziehen. Mit über sieben Millionen Zuschauern waren die beiden ersten Staffeln ein umwerfender Erfolg. Woran liegt das?

"Der Rückzug auf die Familie in unsicheren Zeiten ist das Geheimnis", meint Ulrich Pleitgen. "In der augenblicklichen Welt besinnen sich die Menschen darauf, dass Kraft und Stärke nur aus dem Miteinander entsteht. Und was läge näher, als sich an der eigenen Familie zu orientieren?"

Ist das nicht etwas zu seicht? Gerade ein Charakterdarsteller wie Ulrich Pleitgen, der bekennend nonkonformistisch ist, passt doch eigentlich nicht in diese "heile Welt" hinein. 

"Was ist denn an dieser Welt von Dr. Kleist heil?", fragt Ulrich Pleitgen zurück. "Das passiert alles, was in einer wirklichen Familie auch geschieht: Tod, Krankheit, Auseinandersetzung und man "patchworked" sich zu durchs Leben. Wo ist das "Kitsch"? Der einzige Unterschied beim Fernsehen ist nur, dass wir immer eine Lösung finden und es gut ausgeht. Das ist in der Realität nicht zwangsläufig so."

Doch nicht nur die wirklichkeitsgetreuen Drehbücher begeistern Ulrich Pleitgen. "Johannes Kleist" ist auch eine Rolle, die diametral zu "Die Männer von K3", wo er den Kommissar spielt, steht. Ulrich Pleitgen mag sich nicht auf einen "Typ" festlegen lassen.

"Als "Johannes Kleist" bin ich temperamentvoll, ein Mann mit Humor, sehr lebensfroh und halte die Familie an Vaters statt zusammen", erklärt er die Figur. "Als Kommissar bei K3 bin ich kühl, introvertiert, intelligent und distanziert. Diesem Mann würde niemand auf die Schulter klopfen! Genau diese Gegensätzlichkeiten der Rollen haben mich gereizt."

Und wer ist der Privatmann Ulrich Pleitgen? Eher der Coole oder eher der Warmherzige?

"Ulrich hat beide Charakterzüge", beschreibt Ann Pleitgen ihren Mann. "Manchmal ist er witzig und albern, manchmal ist er ernsthaft. Noch nach über dreißig Jahren verblüfft er mich immer wieder!"

Es ist bekannt, dass Ulrich Pleitgen kein Blatt vor den Mund nimmt. Er hat absolut keine Angst sich die Finger zu verbrennen und sagt seine Meinung zu Politikern und Wirtschaftsbossen.

"Eine  Schande, wie ein seit Jahrhunderten erkämpftes Sozialsystem demontiert wird", kritisiert er. "Die internationalen Konzerne machen was sie wollen und die Politik hat nicht mehr genug Macht, um zu bremsen . Die Leute meckern nicht, sie sind zutiefst sauer auf die Wirtschaftsbosse, die sich die Taschen füllen!"

Ulrich Pleitgen ist authentisch. Auch deshalb wirkt er in seinen Rollen immer glaubwürdig, denn Glaubwürdigkeit ist seine wesentlichste Charaktereigenschaft. Er ist kein "Star", er befindet sich "in der Mitte des bürgerlichen Volkes", wie er sagt. Sein Freundeskreis setzt sich aus ähnlich denkenden Medienschaffenden und aus ganz normalen Menschen zusammen.

"In der Fernsehwelt arbeitet und lebt man intensiv zusammen und dann sieht man sich plötzlich jahrelang nicht mehr", berichtet er. "Da ist es notwendig, dass man auch ein paar Freundschaften hat, die "vor der Tür" sind. Zum Beispiel mein Weinhändler Renaldo an der Ecke und mein Autoschrauber Hossein in Bramfeld."

Ulrich Pleitgen ist ein Hamburger, mag den Hafen und das raue Klima und die Geradlinigkeit der Menschen im Norden, doch er ist sehr tolerant: Da werden Zugereiste wie Renaldo und Hossein kurzerhand eingemeindet!

"Ein Hanseat kann doch keine italienischen Autos schrauben", schmunzelt Ulrich Pleitgen. "Man muss für einen Alfa-Spider einen wirklich guten Kumpel am Start haben, der sich mit der Psyche dieser sensiblen italienischen Maschine auskennt! Da muss ein Südländer ran, es gehört Fingerspitzengefühl dazu!"

Der Alfa Spider, der gerade beim "Spider Service Hamburg" neue Sitze bekommen hat, gehört schon seit dem 2. Juni 1980 zur Pleitgen-Family! Ann.Pleitgen kann sich genau an diesen Tag erinnern, es war ihr Geburtstag!
 
"Wir spazierten durchs Ruhrgebiet und klapperten die Autohändler ab", berichtet sie. "Der Spider war der erste Wagen, den wir gesehen hatten und wir dachten: "Unvernünftig! Ein italienischer Sportwagen!" und dann haben wir den ganzen Tag weiter gesucht, und ihn abends doch gekauft! Bar bezahlt und noch nicht mal Prozente rausgehandelt. Vom geschäftlichen Standpunkt aus gesehen, waren wir damals etwas einfältig!"

"Aber gelohnt hat es sich trotzdem und bis heute haben wir dieses Auto nicht bereut", fügt Ulrich Pleitgen hinzu. "Was haben wir in diesem Spider alles erlebt! Eine echte Liebesgeschichte! Wir sind fast zu jeder Jahreszeit offen gefahren, waren in Rom, Zwergschnauzer Struppi und Sohn Ilja haben sich auf der kleinen Rückbank zusammen gekuschelt; dieses Auto ist voller Erinnerungen!"

Inzwischen ist Ilja über 3o und Doktor der Physik. Er wird wohl kaum noch auf die schmale Rückbank des Zweisitzers passen. Und Struppi hat das Zeitliche gesegnet. Der Spider lässt die alten Zeiten lebendig bleiben.

"Das ist doch das Entscheidende", sagt Ulrich Pleitgen, "sich seiner Geschichte bewusst zu sein! Candelight-Dinner, Hochzeitstage, Blumen mitbringen: Ann und ich führen keine "Eckdatenbeziehung"! Wir sind seit dem 1. April 1975 zusammen und sind glücklich - aber deswegen werden wir kein Fest am 1.April eines Jahres veranstalten!"

"Kürzlich haben wir uns gestritten", sagt Ann Pleitgen. "Trotzig sind wir auseinander und abends kam Uli mit einer Tafel Schokolade zurück. Da stand dann drauf "Für Verliebte"! Das zählt mehr als "Pflichtblumen zum Hochzeitstag"."

"Und eine zweite Tafel gab's dann gleich hinterher", grinst Ulrich Pleitgen, "da stand dann drauf "Für Brave"!".

Bei  Pleitgens verzichtet man gerne auf alles "Übliche". Das Ehepaar ist ein eingespieltes Team, es führt eine "Ehe auf Reisen", sie begleitet ihren Mann gerne mit zu Dreharbeiten und er geht Einkaufen und macht den Abwasch.

"Und manchmal mache ich es auch nicht", zuckt Ulrich Pleitgen mit den Schultern und lässt keine Zweifel an seiner Männlichkeit aufkommen. "Wenn ich was nicht machen will, tue ich es nicht!"

Und genau da findet man wieder, die Charakterzüge, die man bei Ulrich Pleitgen auch in seinen Fernsehrollen so liebt: Ein warmes Herz, das der geliebten Frau keinen Wunsch abschlagen kann, sensibel wie ein italienischer Sportwagen bei Nässe und ein Kerl wie ein Baum, der in seinem Heidehäuschen im Wald die Kettensäge schwingt!

Christian Pantel (Fotostrecke hier)

Hamburger Spaziergänge

Ulrich und Ann-Monika am Hafen und auf dem Rathausplatz.

 

Ulrich und Ann - Monika Pleitgen im Dezember 2006 auf dem Bremer Freimarkt

Fotos: Christian Pantel

Im März 2007 reisten sie gemeinsam nach Eisenach, wo bis Mitte August die 3. Staffel "Familie Dr. Kleist" gedreht wurde, die ab 04. November 2008 jeden Dienstag um 20 Uhr 15 von der ARD ausgestrahlt wurde.

Eisenach liegt im Thüringer Wald zu Füßen der berühmten Wartburg, die Ulrich und seine Frau schon oft besuchten. An drehfreien Tagen bummeln sie gern durch Eisenachs Altstadt mit dem spätgotischen Rathaus und dem barocken Stadtschloss. In diesem lebte als junges Mädchen Charlotte von Stein, die große Liebe von Wolfgang von Goethe. Der war einst als Gast in Eisenach und übernachtete im gleichen Haus wie Napoleon.  - Im Sommer blühen im Garten vom berühmten Bachhaus die Blumen so üppig wie Jahr für Jahr im Weimarer Goethe-Haus.
Ulrich und Ann-Monika besuchen die geschichtsträchtigen, traumhaft schönen Nachbarstädte Weimar, Gotha und Erfurt so oft, dass sie sie fast schon so gut kennen wie ihre geliebte Heimatstadt Hamburg.
Es dauert nicht lange - nur ein bißchen Geduld - , und wir finden hier schöne Fotos von den Ausflügen der beiden.
Hier ein paar Bilder aus dem Tourismus-Büro für diejenigen, die die schöne alte Stadt Eisenach noch nicht kennen.


Bachhaus
Bachhaus mit Bachdenkmal / 1968
Die Wartburg im Südosten
Elisabethkemenate im Palas
Festsaal des Palas
Lutherstube
Sängersaal im Palas
Stadtschloss
Lutherhaus
Rathaus
Auf dem Marktplatz vor dem alten Rathaus.
Rathaus in den 1960er Jahren.
St.-Georgen Kirche
Es gibt viel Schönes
zu entdecken.
Nikolaikirche und Nikolaitor

Die Wartburg

 

Die Originalfotos zum Wartburgbesuch

Eisenach - Sommer 2007

Der Ausflug vom kleinen Jan Bohnet im Sommer 2007 durch die Wolken von Eisenach.

Meine Lieblingsplätze

Wie in jeder Stadt hat sich Ulrich Pleitgen auch in Eisenach eine Laufstrecke zum Text lernen gesucht. In FAMILIE DR. KLEIST spielt Ulrich Pleitgen den Apotheker Johannes Kleist. Für die TA-Leser zeigte der temperamentvolle Schauspieler einige seiner Lieblingsplätze.

von Katja SCHMIDBERGER / Eisenach.
 
Er ist gern draußen. An frischer Luft lernt Ulrich Pleitgen am liebsten seine Rollen im Gehen.Und wie in jeder Stadt, in der er dreht, hat der Schauspieler sich eine Laufstrecke zum Drehbuchlernen gesucht. Schon bei den Dreharbeiten der ersten Staffel hat der gebürtige Hannoveraner den Eisenacher Alten Friedhof für sich entdeckt. Was in seinem Wohnort Hamburg als Strecke die Außenalster ist, wurde in der Wartburgstadt das Areal hinter dem Luther-Gymnasium. Bei Dorothea Grimm, die Ehefrau Wilhelms Grimms, vielen Mitgliedern der Bach-Familien und weiteren berühmten Persönlichkeiten Eisenachs gefällt es Pleitgen. "Aber ich bin auch oft beim Landeskirchenamt unterwegs", erzählt er bei einem Rundgang durch Eisenach.
 Der Schauspieler, der auf seinen Reisen von seiner Frau begleitet wird,fühlt sich sehr wohl in dieser Stadt. Von Anfang an. Mit Begeisterung hat man ihn schon während der Dreharbeiten vor zwei Jahren in Interviews von Eisenach und Thüringen reden hören. Inzwischen hat sich Pleitgen auch Weimar, Erfurt, Gotha angesehen. Die Aussicht vom Schloss Friedenstein sei einfach unglaublich, erzählt er. Dass die Eisenacher ihn mögen, zeigte schon sein erstes Wiedersehen vor zwei Wochen. "Wir haben eine dreiviertel Stunde vom Bahnhof bis zum Thüringer Hof gebraucht", erzählt der Schauspieler - nicht ohne Stolz in der Stimme.
Pleitgen, der zwei Jahrzehnte lang überaus erfolgreich an großen deutschsprachigen Bühnen wie dem Thalia-Theater in Hamburg zuhause war, sagte vor 16 Jahren dem Theater ade und widmet sich seitdem vornehmlich der Film- und Fernseharbeit. Für die meisten Eisenacher ist er ein bekanntes Gesicht und das nicht nur seit Kleist. Immer wieder wird er angesprochen, gibt Autogramme, grüßt freundlich. Er findet an den Eisenachern toll, dass sie sich nicht nur für ihn als Prominenten interessieren, sondern vor allem seinen Beruf und seine Rollen schätzen. Ob Kriminalkommissar, Kapitän oder Apotheker - Figuren mit Ecken und Kanten mag Ulrich Pleitgen. Egal, ob er in der Serie "Nicht von schlechten Eltern" einen Familienvater oder in "Kap der guten Hoffnung" den Erzschurken verkörpert, eines ist ihm wichtig: "Ich will mich auf kein Rollenklischee festlegen." Das ist auch bei Johannes, dem liebenswerten Onkel von Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) der Fall. Obwohl er wie in seiner früheren Serie erneut einen Familienvater spielt,lassen sich die Rollen nicht vergleichen. Ihm gefällt Johannes. 
Ulrich Pleitgen mag die alten Häuser in Eisenach. Und so freut er sich auch, dass nun die Einkaufszone in der Karlstraße endlich fertig gepflastert ist. "Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie es vor zwei Jahren hier aussah. Jetzt ist es einfach toll."
Ein kleines Geheimnis verrät er schon einmal. Es wird in einer der nächsten Folgen endlich eine Liebesnacht mit Freundin Inge (Uta Schorn) geben. Und das sympathische Serienpaar wird in der zweiten Staffel auch öfter zu sehen sein. So wird Ulrich Pleitgen wieder viele Runden auf dem Alten Friedhof drehen können. "Eine Lesung in der EULE werde ich auch machen", kündigt er an.
Und wieder bittet eine Frau spontan auf dem Marktplatz um ein Autogramm. Er grinst mit seinem jugendlichen Charme und erfüllt prompt den Wunsch. Und hat damit schon wieder ein Eisenacher Herz erobert.

EISENACHER ALLGEMEINE / 2005

FACTS & NEWS 

Vier Fragen an Ulrich Pleitgen
 
Ulrich Pleitgen spielt von Beginn an in der Serie "Familie Dr. Kleist" den Apotheker Johannes Kleist, in erster Linie aber ist er den Zuschauern als der sympathische und beliebte Onkel Johannes bekannt. Wir freuen uns, dass Herr Pleitgen, inzwischen langjähriger Gast im Steigenberger Hotel Thüringer Hof, bereit war, uns ein kurzes Interview zu geben.
 
Mit welchen Erwartungen sind Sie 2003 an den Drehort Eisenach gekommen?
 
Mit großer Neugier: Wie sind die Menschen  in Eisenach, die so ganz anders aufgewachsen sind als ich? Was weiß ich von Eisenach? Bach, Luther, Wartburg und Autos. Was erwartet mich noch? Ich werde sechs Monate dort sein.
 
Viele Menschen in Eisenach kennen Sie, haben Sie eine besonders nette oder amüsante Anekdote, an die Sie sich erinnern?
 
Eine junge Frau mit einem Sechsjährigen an der Hand kommt auf mich zu und der Kleine sagt, nachdem er tief eingeatmet hat: >Du bist mein größter Fan.<
 
Wie empfinden Sie das Flair unserer Stadt? Würden Sie etwas verändern wollen? Oder haben Sie einen Lieblingsplatz?
 
Der reizvollste Weg ist der Panoramaweg, die Allee und der Rundblick. Der schönste Ausblick ist der aus meinem Hotelzimmer im Thüringer Hof auf den Karlsplatz.Meine Lieblingsbank steht am Eingang zum Alten Friedhof neben der Predigerkirche. Aber am stärksten berührt mich die Freundlichkeit der Eisenacher. Nach all dem habe ich manchmal Sehnsucht, wenn ich wieder in Hamburg bin.
 
Mögen Sie die Thüringer Küche, gibt es ein bevorzugtes Gericht, das Sie auf jeden Fall weiterempfehlen würden?
 
Die Thüringer Bratwurst ist nicht einzuholen. Sie macht süchtig. Der Duft steigt einem in die Nase und man kommt an dem Verkaufswagen nicht vorbei. Keiner kommt durch die Karlsstraße ohne die Wurst. Es ist, als müsse man Zoll zahlen. Und manchmal geht man zurück und holt sich noch eine.
Und die Thüringer Klöße ... Aber darüber ein anderes Mal.
Quelle: HOFKURIER/Steigenberger Hotel Thüringer Hof in Eisenach/2008

Eisenacher Panoramaweg

Spaziergang von Ulrich und Ann-Monika Pleitgen im April 2007 zum Eisenacher Panoramaweg.

Eisenachs Villenviertel Südstadt

Ann-Monika und Ulrich Pleitgen besuchten die Eisenacher Südstadt.

VILLEN-WATCHING

Das denkmalgeschützte Villenviertel im Süden Eisenachs ist eines der großen zusammenhängenden Villengebiete in Deutschland, welches zwischen 1862 und dem Ersten Weltkrieg entstand. Zu dieser Zeit war Eisenach ein Anziehungspunkt für wohlhabende Geheimräte, Fabrikbesitzer und Militärs sowie Pensionäre und Bürgerliche der Region, wegen der landschaftlich schönen Lage am Thüringer Wald, der historischen Wartburg und dem Kurbetrieb der Eisenacher Wandelhalle. Es entstanden mehr als 100 meist herrschaftliche Villen, in unterschiedlichen architektonischen Stilrichtungen. Das Eisenacher Südviertel umfasst die Kolonien der Predigerhöhe, Marienhöhe, Karthäuserhöhe, Mariental sowie Bereiche am Rhododendron-Garten und der Waldschänke und die Gegend unterhalb der Wartburg.
 
Das Villenviertel ist in seiner Geschlossenheit und seinem ursprünglichen Charakterbau bis zum heutigen Tag fast vollständig erhalten geblieben. Die Mehrheit der Villen sind von großer architektonischer Bedeutung, gebaut in einer Vielzahl von Stilen - vom Spätklassizismus bis zum Bauhaus, doch dominieren Jugendstil und Historismus im Bild des Südviertels.Viele der Villen weisen eine außergewöhnliche Formenvielfalt von architektonischen Details auf.
Angepasst an die natürlichen Gegebenheiten, wie Hanglagen und Bodenbeschaffenheit, umgeben von Landschaftsgärten und Parks mit kostbarem alten Baumbestand, besitzen die baulichen Anlagen einschließlich ihrer Stützmauern, Treppenanlagen und Einfriedungen bis heute ein besonderes Flair. Bei zahlreichen im Landhausstil errichteten Villen ist der englische Einfluss unverkennbar.
 
Unter den bekanntesten Villen der Stadt befindet sich das Reuter-Wagner-Museum, ehemaliger Wohnsitz Fritz Reuters, eine Neorenaissancevilla, erbaut zwischen 1866 und 1868 von Ludwig Bohnstedt, welche auf Wunsch Reuters das Abbild einer echten römischen Villa darstellen sollte. Die Rhododendronvilla ließ Karl Wichmann 1900 im Jugendstil erbauen, das Besondere ist der Waldgarten im englischen Stil, in dem man zur Blütezeit eine Vielfalt von Rhododendren und Azaleen besichtigen kann. Auch erwähnenswert ist die Villa Kesselring, die 1898 im Jugendstil vom Eisenacher Maurer Gustav Stein erbaut wurde. Viele der Villen stehen seit 1991 unter Denkmalschutz, wie z. B. die Villen der Fritz-Koch-Str. Nr. 3 und Nr. 10, einige der Kapellenstraße und auch die spätklassizistische Villa der Kurstr. 3.
Quelle: Hofkurier vom Steigenberger Hotel Thüringer Hof/2008

Ein Ausflug durch das Eisenach von 1935 mit PUCKI und ihrer Autorin Magda Trott

... Auf Puckis Knien lag der Reiseführer durch Thüringen. Entzückt blickte sie in die herrliche Landschaft, die sich ihren Blicken bot. Der Zug raste unermüdlich weiter durch Thüringen. Da war das schöne grüngebettete Erfurt, dann kam Gotha, von sanften Hügeln umschlossen, und nun ging es weiter, der Wartburgstadt Eisenach entgegen. Nicht mehr lange, dann war sie an Ort und Stelle.

Wieder schaute Pucki in den Reiseführer. Was würde sie im kommenden Jahr nicht alles zu sehen bekommen! In dem Buch waren unzählige Ausflüge genannt, die man von Eisenach aus unternehmen konnte: Durch das Marien- und Annatal, nach Ruhla, nach dem Hirschstein, zur Hohen Sonne, zum Königstein und nach vielen anderen Bergen. Ganz Thüringen würde sie sehen! In ihrem Reisehandbuch stand, dass Autofahrten nach den verschiedensten Orten gemacht wurden. Da Wallners ein eigenes Auto hatten, würde sie mit der Familie allsonntäglich einen der schönen Orte besuchen, an denen Thüringen so reich war

Ob man sie mit dem Wagen abholte? Frau Wallner schrieb im letzten Brief genau, wie sie zu gehen hätte, um vom Bahnhof nach der Wohnung zu gelangen. Das deutete darauf, dass sie vielleicht nicht abgeholt würde. - Oder doch? Wallners besaßen ein Auto, und die neue Hausgenossin mußte man doch freundlich empfangen.

Da hielt der Zug in Eisenach! - Nun war es erreicht! Der neue Lebensabschnitt begann, die erste Stelle wurde angetreten, das erste Geld verdient. Was war das für ein herrliches Gefühl! Ein Monat war schnell vorbei, und sie konnte den ersten Zwanzigmarkschein im Himmelskästchen bergen. Der Grundstock für die Italienreise würde in Kürze gelegt sein. Pucki blickte sich auf dem Bahnsteig suchend um.

Langsam verliefen sich die Angekommenen. Doch niemand trat an sie heran und fragte nach ihrem Namen.

Sie hob endlich den kleinen Handkoffer auf und ging durch die Sperre.

In der Halle blieb sie abermals wartend stehen. Ein Mann trat an sie heran und fragte, ob er ihren kleinen Koffer tragen solle, doch Pucki packte das Gepäckstück um so fester. Die Mutter hatte ihr eingeschärft: Achte gut auf deine Sachen!

Der Koffer war nicht schwer, das große Gepäck war als Frachtgut gesandt worden. Trotzdem gab Pucki den Koffer auf dem Bahnhof ab und machte sich auf den Weg. Es war wirklich niemand gekommen, um sie abzuholen. Sie nahm den Brief von Frau Wallner aus dem Handtäschchen und las halblaut:

 

 

"Vom Bahnhof...

 

 

 

über eine lange Geschäftsstraße

 

 

 

 

 

 

 

 

 

dann

durch...

das...

Nikolaitor.

 

 

 

An der...

Nikolaikirche

 

 

 

 

vorbei auf den Karlsplatz.

 

 

 

 

 

 

Dann...

durch die...

Karlstraße,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

auf den Marktplatz mit dem Rathaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

und dem alten Brunnen in der Mitte des Marktplatzes,

 

 

 

dessen Säule Wasser speiende Drachen zieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am Schloss vorbei

 

 

 

 

 

 

weiter zur Oberen Predigergasse.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über den Predigerplatz,

 

 

 

 

dann links hinein."

 

 

Der Weg vom Bahnhof zur Familie Wallner war ziemlich weit.

 

 

 

Pucki schenkte den Sehenswürdigkeiten der Stadt kaum einen Blick.

Dabei wußte Pucki aus dem Führer,

 

 

 

 

dass das Lutherdenkmal,

die Nikolaikirche

und das Schloss eine eingehende Würdigung verdienten. Später würde sie alles genauer besehen. -  - Wenn sie nur schon bei Wallners wäre und die erste Stunde hinter sich hätte! Immer zögernder wurden ihre Schritte,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

doch endlich hatte sie das Haus erreicht.

 

 

 

 

 

Pucki ging am geöffneten Tor vorbei zur Jugendstilvilla, deren Seitennansicht den Hof überragte.

 

 

 

 

Pucki betrat das Haus. Noch war niemand zu sehen. Zögernd schaute Pucki von rechts nach links. Ihr war das Weinen nahe.

 

 

 

Warum kam niemand und begrüßte sie mit einem freundlichen Wort, mit einem Lächeln, wie es Tante Grete immer tat, wenn sie von den Ferien zurück nach Rotenburg kam?

 

 

 

 

 

Fotos: Ann-Monika Pleitgen/2009

  

 

Aufstieg zur Wartburg
Wartburg / Ansichtskarte
Fritz Reuter - Villa
Luftaufnahme von der Wartburg
Innenansicht Wartburg
Burghof der Wartburg. Foto: 1905

( ... ) Ausschnitt aus dem späteren Kapitel: IM BANNE DER WARTBURG

Beim Mittagessen war Pucki so aufgeregt, dass sie kaum die Speisen herunterbringen konnte. Was würde der heutige Tag Schönes bringen? "Ich kenne den Weg zur Burg", sagte Christa, "ich führe euch." Pucki war mit allem einverstanden. Nur recht schnell fort, hinauf zu der herrlichen Burg! Sie begrüßte es hocherfreut, daß die drei Kinder voranschritten und mit sich genug zu tun hatten. So konnte sie ihren eigenen Gedanken nachhängen und von Zeit zu Zeit einen Blick in den Wartburgführer werfen.

Jetzt ging es steil bergan. Pucki fragte einige Spaziergänger nach der Villa...

in der Fritz Reuter einst lebte und die man ihr bereitwillig zeigte. Bald gelangte man in den Wald , kam zur Wartburgchaussee, dann ging es auf schmalem Fußweg zur Burg hinan. Pucki blieb stehen.

Der herrliche Bau überwältigte sie! Die Kinder riefen nach ihr, sie mußte weiter, doch ihre Augen ließen die ehrwürdige Burg nicht los. Dort die Zugbrücke, der Torturm, das Ritterhaus und dann das große Schloß! Pucki war glücklich und froh! Wieviel hatte sie über das alte Bauwerk gehört und gelernt! Nun wurde ihr das große Glück zuteil, die Wartburg zu sehen. "Wart Burg, du sollst mir eine Burg werden!" So hatte Ludwig der Bärtige einst gesprochen und die Burg bauen lassen. Auf dem Wartburgfelsen wurde das wundervolle Bauwerk gegen Mitte des 11. Jahrhunderts errichtet. (...) Zuerst betraten sie die herrliche Kapelle mit der alten Kanzel und den kostbaren Malereien der Fenster. Weiter ging es durch die Elisabethen-Galerie

zum großen Sängersaal. Hier hatte einst Tannhäuser gestanden, hier war der Sängerwettstreit ausgefochten worden. Das große Bild an der Wand rief alles einst Gelernte in Puckis Gedächtnis zurück. An der Nordwand war die Sängerlaube, in der die Minnesänger gesessen haben sollten. Pucki vergaß, dass neben ihr sechs ungeduldige Kinderfüße trippelten. Sie hätte die Weiterschreitenden zurückhalten mögen. Nur nicht eilen! In diesem Sängersaal gab es doch so viel zu sehen. Aber sie mußte den anderen folgen, hin zum Landgrafensaal mit seinen herrlichen Wandgemälden: "Landgraf, werde hart!" Und hier, an der Südwand die große Inschrift: "Wart Berg, du sollst mir eine Burg werden!" Über die Wendeltreppe ging es in den Festsaal. Pucki wußte aus der Geschichtsstunde, dass dieser Raum in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit unerhörtem Aufwand an Kunst und Pracht neu hergerichtet worden war. Noch nie hatte sie etwas so künstlerisch Vollendetes gesehen. Die Schnitzereien, die Balustraden, die Kamine, vor allem die Gemälde wirkten geradezu überwältigend. Wieder ging man weiter. Da war die Rüstkammer, die Lutherstube, der Raum, in dem Martin Luther zehn Monate weilen mußte. Und nun betrat sie die kleine Elisabethkemenate, ein Prunkgemach, ganz mit Glasmosaik ausgelegt. Alles, was Pucki hier sah, entzückte sie. Man mußte sie anrufen, weil sie versonnen stehen blieb. Bald hierhin, bald dorthin schweiften ihre Blicke. Stundenlang hätte sie verweilen mögen. Plötzlich sah sie sich allein. Sie erwachte wie aus einem tiefen Traum. Nun rasch hinaus! Die Kinder waren wohl mit den anderen Besuchern weitergegangen. Die Gruppe der Besucher stand unten im Burghof.

Ausflüge in Hamburg

STERN/MAGAZIN Fotos: Thomas&Thomas

Weimar - Goethe über Weimar: Eine spazierliche Stadt.

Seit 2003 besuchen Ulrich und Ann-Monika die reizvolle Kulturstadt Weimar. Die beiden sind immer wieder fasziniert. Viele Kleinigkeiten halten ihr großes Glück lebendig.

 

Ulrich und Ann-Monika Pleitgen in Worpswede und Fischerhude

Seit den 1980er Jahren besuchen Ulrich und Ann-Monika Pleitgen immer wieder Worpswede und Fischerhude, die kunstsinnigen Orte im Teufelsmoor.

"Barkenhoff, so hatte ich das Haus genannt, nach dem kleinen Birkenwald, den ich unten auf dem Grundstück gepflanzt hatte", schrieb Heinrich Vogeler ( 12. 12. 1872 - 14. 6. 1942 ) über seinen Sitz in Worpswede. 1895 hatte der Jugendstil-Maler, -Grafiker, -Illustrator und -Entwerfer in der von ihm geliebten norddeutschen Moorlandschaft von einer Erbschaft ein renovierungsbedürftiges Fachwerkhaus gekauft und es danach über Jahre um- und ausgebaut. Die Worpsweder Malerkolonie und deren Freunde, zu denen unter anderen Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Fritz Mackensen, Rainer Maria Rilke und Clara Westhoff gehörten, gingen hier ein und aus, wurden fotografiert und gemalt. 1898 erhielt das Haus mit der Anbringung der beiden biedermeierlichen Giebel sein noch heute existierendes prägnantes Gesicht. Ein Atelier und eine Druckwerkstatt entstanden, der Garten wurde neu gestaltet. Nach dem Ersten Weltkrieg schloss Vogeler sich der revolutionären bolschewistischen Bewegung an. Er wandelte sein Haus zunächst in eine kommunistische Kommune, dann in ein Heim für Arbeiterkinder um. 1931 siedelte der Künstler in die Sowjetunion über. Vogeler starb in Kasachstan.

 
 
 
 
 

Ulrich und Ann-Monika Pleitgen in Potsdam

Ulrich und Ann-Monika Pleitgen in Potsdam und im Park von Sanssouci.

In Dresden auf den Spuren des jungen Richard Wagner (Kopie 1)

In der sorgfältig recherchierten und packend erzählten Biografie "Minna Wagner" von Sibylle Zehle, wird unter anderem das Leben von Richard Wagner und seiner ersten Ehefrau Minna in Dresden beschrieben.
Im Jahr 2004, als Ulrik und ich für zwei Monate in Dresden - Friedrichstadt wohnten, entdeckten wir bei einem Spaziergang das Marcolinische Palais mit seinem romantischen Garten. Das traditionsreiche Haus mit seinen vielen Schlössern und Villen, in denen August der Starke seinen gesamten adligen Hofstaat untergebracht hatte, ist seit 155 Jahren ein Krankenhaus. Es ist das älteste Krankenhaus Europas.

Die spätbarocke Häuserreihe hinter dem alten, in altfranzösischem Stil angelegte Garten wurde bei unserem Ausflug 2004 gerade aufwändig restauriert. Plötzlich entdeckten wir über einer der alten Eingangstüren ein Schild:
Hier wohnte Richard Wagner 1847 - 1849.

 

 


Neben dem rechten Fenster ist auf einer Gedenktafel zu lesen:
Richard Wagner
1813 - 1883
Komponist und Königlicher Kapellmeister am Dresdner Hoftheater, schuf hier unter anderem die Lohengrin - Partitur.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Urich Pleitgen vor dem Haus, in dem Minna und Richard Wagner lebten.
Foto: Ann-Monika Pleitgen/ 2004

 

 

 

 

Die schwere Haustür mit Klinken und Beschlägen stammt noch aus der Zeit AUGUST DES STARKEN
Foto: Ann-Monika Pleitgen/ 2004

 

 

 

 

 

Nur ein paar Schritte weiter stießen wir auf das Palais, in dem Napoleon I. im Sommer 1813 sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Napoleon-Gedenktafel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

... aus der Biografie "Minna Wagner" von Sibylle Zehle (S. 229):

Minna hingegen beschäftigte wieder ein Umzug. Weg vom eleganten Ufer der Elbe, in die abgelegene Friedrichstadt, um die Ausgaben einzuschränken und dem Gerede aus dem Weg zu gehen. Es war der fünfte Umzug in fünf Jahren ! Was verlangte er nur von ihr? Wie lange, glaubte er, hatte sie für dieses Leben noch genug Nerven? Das Marcolinische Palais kostete nur 100 statt 200 Taler im Jahr - ihre Wohnung im zweiten Stock des Ostflügels war jedoch überraschend stilvoll und geräumig. Und offensichtlich funktionierte Minna auch dieses Mal wieder. Bald hatten wir, da Minna sehr zweckmäßig die neue Einrichtung besorgte, uns ohne empfindliche Kosten in der ziemlich ausgedehnten Reihe freundlicher Zimmer ganz behaglich angesiedelt.
Das Palais steckte voller Geschichte. Napoleon I. hatte dort im Sommer 1813 sein Hauptquartier aufgeschlagen, in diesen Räumen fand jene Unterredung zwischen Napoleon und Metternich statt, die den Anschluß Österreichs an das russisch-preußische Bündnis entschied. Erhalten hatte sich aus diesen Tagen unter anderem ein großer, in altfranzösischem Stil angelegter Garten mit einer kolossalen Neptun-Gruppe, in einem leider stets trocknen Bassin, wie Wagner bedauerte.
Friedrich Pecht berichtet von einem Besuch bei dem Bildhauer Ernst Hähnel, der im Erdgeschoß des Marcolinischen Palais in drei großen Sälen ein Atelier besaß. Vor den Fenstern derselben dehnte sich ein prächtig zopfiger Garten aus, so daß ich selten eine so ideal schöne Künstlerwerkstatt gesehen habe. Hähnel hatte eben den berühmten Baccantenzug für das Hoftheater vollendet und arbeitete jetzt am Denkmal Karls IV. für Prag.
Wagners Arbeitszimmer lag nach Süden. Außer Peps durfte ihn niemand stören, er komponierte "Lohengrin". Am Nachmittag, wenn es heiß wurde, zog er sich in den schattigen Teil des Gartens zurück und las Aischylos. Freunde entdeckten ihn abends mitunter im Wipfel eines Baumes oder auf dem Nacken des Neptuns, und er sprach von der wunderbaren Schönheit des griechischen Lebens. Wagner schrieb, er habe in diesem Sommer wie fast sonst nie die Befähigung zu gutgelauntem Umgang mit Freunden und Bekannten gewonnen. Die kamen regelmäßig in den Marcolinischen Garten zu intensiven Gesprächen und zum einfachen Abendbrot, das, so dürfen wir vermuten, Minna jeweils zubereitet hatte. Die gemütlich-familiäre Sphäre - mitunter schätzte er sie wohl doch.

 

Wagners Arbeitszimmer lag nach Süden. Außer Hund Peps durfte ihn niemand stören, er komponierte "Lohengrin". Am Nachmittag, wenn es heß wurde, zog er sich in den schattigen Teil des Gartens zurück und las Aischylos. Freunde entdeckten ihn abends mitunter im Wipfel eines Baumes oder auf dem Nacken von Neptun.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich im "prächtigen zopfigen Garten" .
Foto: Ann-Monika Pleitgen/ 2004.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 21. 11. 2012  überraschte uns die Autorin Sibylle Zehle mit einer charmanten Mail, welche wir hier veröffentlich dürfen.