Hörbücher sind wieder in, "seitdem sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aus Konkurrenzgefühl den privaten angeschlossen haben und Dudelmusik produzieren." So erklärt die Verlegerin Margrit Osterwold den Trend und greift nach einem Zigarillo. "Die offizielle Aussage ist, dass der Hörer nur drei Minuten lang aufnahmefähig ist", sagt die 57jährige. Der Unterton spricht Bände.
Wir sind zu Gast in einer schmucken Villa in Hamburg-Ottensen. Gerade hat Frau Osterwold mit ihren drei Mitarbeiterinnen den Tagesplan besprochen. Heute ist viel zu tun, gleich ins Studio, Aufnahme. Und da so eine Aufnahme manchmal bis tief in die Nacht dauern kann, schnappt Frau Osterwold sich einige Tüten Obst, und ab gehts.
Im Studio wartet bereits Ulrich Pleitgen. Der Schauspieler hat sein Manuskript mit kleinen Zeichen versehen: Sprecherhinweise. Bevor die Aufnahme startet, verständigen sich Osterwold und Pleitgen noch kurz über die Aussprache der englischen Namen. Heute ist der amerikanische Autor Stewart O´Nan mit seiner Neuerscheinung "Das Glück der Anderen" dran. Amerikanische Gegenwartsliteratur, die - wie zeitgenössische Literatur allgemein - Margrit Osterwolds Programme prägt.
Quelle: HAMBURGER MORGENPOST (Ausschnitt) / 2002