DIETER WELLERHOFF - Der Liebeswunsch

Verlagsgruppe Lübbe . Postfach 20 01 80 . 51 431 BERGISCH GLADBACH

Lieber Herr Pleitgen, 06.11.02

Mitte Oktober hat mich ein Brief von Dieter Wellershoff, dem Autor des "Liebeswunsches" , erreicht. Da er voller Lobes ist, möchte ich Ihnen diesen nicht vorenthalten - schließlich waren auch Sie maßgeblich an der Qualität dieses Hörbuches beteiligt. Ich finde, dass die Autoren viel zu selten auf ein Hörbuch reagieren. Aber wenn wir schon ein solches Lob bekommen, gebührt es auch allen Beteiligten. Also: viel Spass beim Lesen!

Mit den besten Grüßen
 
Kerstin Kaiser
Programmlektorin Lübbe Audio
 

 
ABSCHRIFT EINES BRIEFES VON DIETER WELLERSHOFF VOM 15. OKTOBER 2002
 
Liebe Frau Kaiser,
 
mit einer Verzögerung von ein paar Tagen bin ich jetzt dazu gekommen, die Hörbuchkassetten vom "Liebeswunsch" hintereinander zu hören. Ich war gespannt und nicht ohne alle Besorgnisse, denn der Text mußte ja teilweise rigoros gekürzt werden. Aber beim Zuhören fand ich, daß eine solche gekürzte Inszenierung ein anderes Zeitmaß hat als ein Roman, den man ja über Tage hinweg liest, während die adäquate Rezeption eines gesprochenen und dramatisch inszenierten Textes eigentlich das kontinuierliche und gebannte Zuhören ist - : idealerweise. Daß sehr klug gekürzt worden ist, wußte ich schon. Jetzt aber erlebte ich das Ergebnis als Konzentration. Das innere und das äußere Drama spitzt sich ständig zu und erzeugt einen starken Sog, was dem dargestellten Geschehen ja auch entspricht.
Das ist natürlich auch der Verdienst der fabelhaften Sprecher, die sich in Stimmung und Temperament charakteristisch voneinander unterscheiden und der Spannung der dramatischen Konstellation eindrucksvoll gerecht werden. Das ist insgesamt eine reife Leistung. Darf ich sagen, daß ich fand, daß es sich auch um subtile differenzierte, über sehr verschiedene Textpartien handelt? Hier und da hätte ich Kleinigkeiten betont, aber in der Regel fand ich, - es war eine einfühlsame und ästhetische Darbietung, der ich beglückt zuhörte. Die Sprecher gaben mir meinen eigenen Text mit der Sinnlichkeit und ausdruckshaften Lebendigkeit zurück, der, jenseits von bloßer Manier, aus dem Verstehen kommt.
Ich denke, das werden die Hörer der Kassette ähnlich empfinden. Die Qualität der Inszenierung und das Textverrständnis der Sprecher zeigt sich für mich auch darin, daß eine Sorge, die ich vorher hatte, gegenstandslos wurde: Ich hatte gefürchtet, daß der Wechsel von Erzählertext und ichhaften Monologen (Text aus dem Inneren der Personen) nicht leicht von ein und derselben Stimme zu meistern sei. Aber das ist jedes Mal bravourös gelungen. Sagen Sie bitte den Sprechern meinen Dank. Und Ihnen, Frau Kaiser, danke ich herzlich für die hervorragende Produktion.
 
Ihr Dieter Wellershoff

 

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