IN DRESDEN AUF DEN SPUREN DES JUNGEN RICHARD WAGNER

In der sorgfältig recherchierten und packend erzählten Biografie "Minna Wagner" von Sibylle Zehle, wird unter anderem das Leben von Richard Wagner und seiner ersten Ehefrau Minna in Dresden beschrieben.
Im Jahr 2004, als Ulrik und ich für zwei Monate in Dresden - Friedrichstadt wohnten, entdeckten wir bei einem Spaziergang das Marcolinische Palais mit seinem romantischen Garten. Das traditionsreiche Haus mit seinen vielen Schlössern und Villen, in denen August der Starke seinen gesamten adligen Hofstaat untergebracht hatte, ist seit 155 Jahren ein Krankenhaus. Es ist das älteste Krankenhaus Europas.



Die spätbarocke Häuserreihe hinter dem alten, in altfranzösischem Stil angelegte Garten wurde bei unserem Ausflug 2004 gerade aufwändig restauriert.
Plötzlich entdeckten wir über einer der alten Eingangstüren ein Schild:
Hier wohnte Richard Wagner 1847 - 1849.







Neben dem rechten Fenster ist auf einer Gedenktafel zu lesen:
Richard Wagner
1813 - 1883
Komponist und Königlicher Kapellmeister am Dresdner Hoftheater, schuf hier unter anderem die Lohengrin - Partitur.







...... aus der Biografie "Minna Wagner" von Sibylle Zehle: Seite 229
Minna hingegen beschäftigte wieder ein Umzug. Weg vom eleganten Ufer der Elbe, in die abgelegene Friedrichstadt, um die Ausgaben einzuschränken und dem Gerede aus dem Weg zu gehen. Es war der fünfte Umzug in fünf Jahren ! Was verlangte er nur von ihr? Wie lange, glaubte er, hatte sie für dieses Leben noch genug Nerven? Das Marcolinische Palais kostete nur 100 statt 200 Taler im Jahr - ihre Wohnung im zweiten Stock des Ostflügels war jedoch überraschend stilvoll und geräumig. Und offensichtlich funktionierte Minna auch dieses Mal wieder. Bald hatten wir, da Minna sehr zweckmäßig die neue Einrichtung besorgte, uns ohne empfindliche Kosten in der ziemlich ausgedehnten Reihe freundlicher Zimmer ganz behaglich angesiedelt.
Das Palais steckte voller Geschichte. Napoleon I. hatte dort im Sommer 1813 sein Hauptquartier aufgeschlagen, in diesen Räumen fand jene Unterredung zwischen Napoleon und Metternich statt, die den Anschluß Österreichs an das russisch-preußische Bündnis entschied. Erhalten hatte sich aus diesen Tagen unter anderem ein großer, in altfranzösischem Stil angelegter Garten mit einer kolossalen Neptun-Gruppe, in einem leider stets trocknen Bassin, wie Wagner bedauerte.
Friedrich Pecht berichtet von einem Besuch bei dem Bildhauer Ernst Hähnel, der im Erdgeschoß des Marcolinischen Palais in drei großen Sälen ein Atelier besaß. Vor den Fenstern derselben dehnte sich ein prächtig zopfiger Garten aus, so daß ich selten eine so ideal schöne Künstlerwerkstatt gesehen habe. Hähnel hatte eben den berühmten Baccantenzug für das Hoftheater vollendet und arbeitete jetzt am Denkmal Karls IV. für Prag.
Wagners Arbeitszimmer lag nach Süden. Außer Peps durfte ihn niemand stören, er komponierte "Lohengrin". Am Nachmittag, wenn es heiß wurde, zog er sich in den schattigen Teil des Gartens zurück und las Aischylos. Freunde entdeckten ihn abends mitunter im Wipfel eines Baumes oder auf dem Nacken des Neptuns, und er sprach von der wunderbaren Schönheit des griechischen Lebens. Wagner schrieb, er habe in diesem Sommer wie fast sonst nie die Befähigung zu gutgelauntem Umgang mit Freunden und Bekannten gewonnen. Die kamen regelmäßig in den Marcolinischen Garten zu intensiven Gesprächen und zum einfachen Abendbrot, das, so dürfen wir vermuten, Minna jeweils zubereitet hatte. Die gemütlich-familiäre Sphäre - mitunter schätzte er sie wohl doch.

Städtisches Klinikum


Ulrich Pleitgen vor dem Haus, in dem Minna und Richard Wagner lebten. Foto: Ann-Monika Pleitgen / 2004.
Die schwere Haustür mit Klinken und Beschlägen stammt noch aus der Zeit August des Starken. Foto: Ann-Monika Pleitgen / 2004.
Nur ein paar Schritte weiter stießen wir auf das Palais, in dem Napoleon I. im Sommer 1813 sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte.

Napoleon - Gedenktafel.


Erhalten hatte sich aus dieser Zeit u.a. ein großer, in altfranzösischem Stil angelegter Garten mit einer kolossalen Neptun - Gruppe "in einem leider stets trockenen Bassin", wie Wagner bedauerte (Quelle: Sibylle Zehle). Im Jahr 2004 hockte die Neptungruppe übrigens immer noch in dem völlig trockenen Bassin.
Wagners Arbeitszimmer lag nach Süden. Außer Hund Peps durfte ihn niemand stören, er komponierte "Lohengrin". Am Nachmittag, wenn es heiß wurde, zog er sich in den schattigen Teil des Gartens zurück und las Aischylos. Freunde entdeckten ihn abends mitunter im Wipfel eines Baumes oder auf dem Nacken des Neptun.

Ulrich im "prächtig zopfigen Garten". Foto Ann-Monika Pleitgen / 2004.
 

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