"EINE LESUNG IST EIN INTENSIVES ERLEBNIS, DAS ICH MIT ANDEREN TEILE." Thomas Mann schwere Kost? Nicht, wenn Ulrich Pleitgen vorliest.

SEIN GESICHT IST AUS DEM FERNSEHEN, SEINE STIMME AUS HÖRBÜCHERN BEKANNT: ULRICH PLEITGEN LIEST FRÜHE NOVELLEN VON THOMAS MANN

ch - St.Pauli. "Thomas Mann in Lübeck zu lesen, das ist doch wie EULEN NACH ATHEN zu tragen", dachte Ulrich Pleitgen, als er auf seiner Tour Station in Manns Heimatstadt machte. Doch er eroberte die Lübecker im Sturm.
Nun kommt Pleitgen mit drei frühen Novellen des Dichters nach Hamburg, der letzten Station seiner diesjährigen Lesereise. Am Montag werden auch Hamburger Zuhörer Manns sterbenstrauriger Geschichte vom "kleinen Herrn Friedemann" und hintergründige Komik und Ironie in "Das Eisenbahnunglück" und "Das Wunderkind" erleben können.
Das Stichwort heißt "erleben". Denn Pleitgen versteht sich auch dann als Schauspieler, wenn er "nur" vorliest. "Ich stelle mich nicht bescheiden hinter den Schriftsteller. Ich zeige Beteiligung, ich zeige ähnliche Empfindungen wie die Figuren. Ich gebe ihnen Stimmen."
Pleitgen, den meisten aus dem Fernsehen bekannt, spricht seit Jahren mit großem Erfolg Hörbücher und liebt Lesungen: " ... denn dort teile ich mit anderen Menschen ein intensives Erlebnis."
Gerade Thomas Manns frühe Novellen böten Stoff genug dafür, meint der Schauspieler, der von sich behauptet, "ein geradezu kriminalistisches Interesse an Menschen" zu haben.
Ulrich Pleitgen will mit seiner Lesung aber auch die Angst vor einem "schwierigen" Schriftsteller nehmen: "Wie Thomas Mann im "Kleinen Herrn Friedemann" die Gefühlswelt eines 5o- oder 60-Jährigen schildert - dabei war er selbst damals erst 21 - , das ist einfach unglaublich! Ganz langsam und ordentlich schildert er ein menschliches Drama; das ist der vollständige Kontrast zum Video-Clip-Stil von heute!"
Zugegeben, Heiteres von Tucholsky oder Ringelnatz sei leichter unter die Leute zu bringen - "Das kommt immer an!" Aber Ulrich Pleitgen zieht es zum Melancholischen.
Auch an "seinem" Kriminalhauptkommissar Matthias Sander aus  "K3- Kripo Hamburg" (ARD)
liebt Pleitgen "die milde Trauer über den Zustand der Welt". Und was Literatur angeht, meint er: "Gerade traurige Geschichten haben doch etwas sehr Tröstliches!"
Kein Wunder also, dass Pleitgen schon weiß, wer ihn mit Stoff für seine Märchen-Lesereise im kommenden Winter versorgen wird: der große Melancholiker unter den Märchendichtern, der Vater des "Mädchens mit den Schwefelhölzern", Hans Christian Andersen.
Quellen: Altonaer Wochenblatt,
           Elbvororte Wochenblatt,
           Luruper Wochenblatt,
           Eidelstedter Wochenblatt (Interview aus dem Jahre 2006)
 

 

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