Leidenschaftlicher Modelleisenbahnsammler, Frischluftfan und Buchliebhaber: Das ist Ulrich Pleitgen. Er ist verheiratet und lebt in Hamburg. Der Schauspieler lernt seine Texte bei täglichen Spaziergängen um die Außenalster.
WANN HABEN SIE DAS BILD ZUM ERSTEN MAL GESEHEN?
In einer Ausstellung vor vielen Jahren.
WAS MACHT DIESES GEMÄLDE FÜR SIE SO BESONDERS?
Die unglaubliche Wirklichkeit und Wahrheit. Das Gemälde hat eine ganz eigene Sinnlichkeit und Erotik. Es wirkt, als würde ein Voyeur die Frau beobachten, aber sie hat es noch nicht bemerkt. Das Gemälde regt meine Fantasie an, man kann Empfindungen übertragen. Die Frau sieht aus, als sei sie noch nicht richtig angekommen, als befinde sie sich in einer Situation von Angst und Einsamkeit. Das rührt etwas in mir an - und danach beurteile ich Kunst.
IST HOPPER GENERELL IHR LIEBLINGSMALER?
Ich schätze unter anderem auch Klee, Nolde und Modiglianis merkwürdige Stille, aber Hoppers Bilder beeindrucken mich am meisten.
HABEN SIE DAS BILD ZU HAUSE?
Ja, in einem Katalog und in einer Biografie.
Gemälde: Edward Hopper, "Hotel Room" (1931), Thyssen - Bornemisza Collection
Über den Maler: "Self-Portrait", Museum of Modern Art, New York
SEIN THEMA: DIE EINSAMKEIT DER MENSCHEN
Hopper gilt als bedeutendster amerikanischer Maler vor 1945 und gehört zu den wichtigsten Realisten des 20. Jahrhunderts. Aufgewachsen in einer kleinbürgerlichen Baptistenfamilie im US-Bundesstaat New York School of Art reiste und arbeitete er während der Jahre 1906 bis 1910 in Europa und war vor allem vom französischen Impressionismus (z.B. Claude Monet) beeindruckt. Einzelne, fast einfarbige Farbflächen und der gesteigerte Farbausdruck sind typisch für Hopper. Er war einer der ersten in den USA, der eine ursprüngliche amerikanische Malerei entwickelte. Seine Bilder werden häufig mit den Kurzgeschichten von Ernest Hemingway verglichen, die Hopper sehr liebte. Bevorzugte Motive sind Stadtszenen, leere Straßen, Häuserfronten, Interieurs, Boote, im früheren Werk auch Landschaften. Das Hauptthema Hoppers, der als großer Schweiger galt: Die Einsamkeit, Fremdheit und Verlorenheit der Menschen.
Quelle: FRAU IM SPIEGEL/ 2001