TSCHOKNUTJE - 1990

Der österreichische Eisenbahningenieur Franz Anton Ritter von Gerstner (gespielt von Ulrich Pleitgen) will sich den Traum seines Lebens erfüllen und irgendwo die erste Eisenbahn bauen. Nirgends lässt man ihn.
Da gibt er in Wien alles auf und unternimmt eine abenteuerliche Reise nach St. Petersburg, um dort dem Zaren seine Eisenbahn aufzuschwatzen. Die adeligen Postkutschenunternehmer Russlands versuchen mit allen mörderischen Mitteln den Bau zu verhindern. Der Ingenieur aber gewinnt russische Freunde, die ihm über unzählige Rückschläge und tiefe Depressionen hinweghelfen. Und schließlich wird die Eisenbahn gebaut.
 
Der Bau der Eisenbahn ist nur Folie für das, worum es im Film eigentlich geht: Um die Zukunftshoffnungen des neuen Russland, gerichtet auf den Westen und besonders auf Deutschland.

Tschoknutje / Verrückte Kerle
Kinofilm, MOS-Film Moskau / DOMINO - Film Hamburg / 1990
Drehbuch: W.Kunin
Aus dem Russischen von A.Batrak

DAS WERDEN WIR NOCH SEHEN
 
In den vergangenen Jahren hatte ich die Möglichkeit, bei der Eisenbahn zu arbeiten.In Erinnerung sind mir die halbherzige militärische Disziplin und die russische Schlamperei geblieben. Ich erinnere mich auch noch an die vierstelligen Kilometerzahlen der Strecke von Baihal bis zum Amur,die wir gebaut haben und doch nicht fertig gebaut haben. Ich weiß auch noch die Jahreszahl 1837, das Jahr, in dem die Eisenbahnstrecke von Petersburg nach Zarskoje Zelo (Zarendorf) in Betrieb genommen wurde. Ich weiß nicht mehr genau, wer die Strecke gebaut hat, im Film sind es Kornett Rodik Grudin, Geheimagent Tichon, der außergewöhnlich starke Mann Phöderof mit dem Spitznamen Pirandello, das für den Eisenbahnbau von Gott gesandte Mädchen Maria und der deutsche Eisenbahningenieur Otto von Gerstner, mit dem die ganze Geschichte angefangen hat.
Ich denke, die oben genannten Personen sind das Ergebnis der PHANTASTISCHEN ZWEI, der Drehbuchautoren WLADIMIR KUNIn und KIM RYSHOW, die das Drehbuch unter dem Namen VERRÜCKTE KERLE geschrieben haben. Warum verrückt? Weil nur die Verrückten den Widerstand der Kutschentransporte überwinden konnten, nur die Verrückten konnten beharrlich gegen unsere übermächtigen schlechten Gewohnheiten wie Faulheit, Diebstahl, Sauferei angehen, die uns ein Leben lang verfolgt und zerstört haben. Und letztendlich konnten nur Verrückte die Produktion dieses Films wagen - in einer Zeit, wo eine solche Produktion so schwierig ist, wo alles dafür Nötige eigentlich unmöglich ist. 
Für diesen Film brauchte es den Einsatz der gesamten Crew. Alles, wie z. B. die Originaleisenbahn, den Dorfzug, die  Boote, Kutschen und Dekorationen, die Kostüme aus der Biedermeierzeit, also das gesamte Zubehör des 19. Jahrhunderts , mußte das Filmteam in Eigeninitiative erstellen. Und dann die Schauspieler, ohne die der gesamte Erfolg undenkbar ist, ihre Stuntmen, ohne die sie die enorm schwierigen Stunts nie geschafft hätten, die Pferde, die ebenso ohne Stuntmen nie so hätten arbeiten können, nicht zu vergessen das Heu als Nahrung für diese Tiere, die Transportmittel für sie, das Benzin für die übrigen Transporte von Stadt zu Stadt.
Dafür kennt jetzt die Regisseurin ALLA SURIKOWA Begriffe wie: Baumstamm, abgeschnittenes und unabgeschnittenes Holz.
"Baust du ein Gartenhaus?", fragen die Freunde schmunzelnd. 
"Nein, ich werde einen Film machen.", antwortet ALLA SURIKOWA. SURIKOWA, die Filme wie MENSCH VON BULWAR, KAPUTZINO, ZWEI PFEILE drehte, ist gerade wieder mit den Aufnahmen für eine besonders aufwändige und komplizierte Filmkomödie beschäftigt. Besonders kompliziert war eben auch die Arbeit an den VERRÜCKTEN KERLEN. Das haben die Menschen aus St. Petersburg täglich zu sehen bekommen. Wir - mit dem Korrespondenten Nikolei Grusuhom - waren nur eine Woche lang bei den Dreharbeiten dabei und haben als Besucher sehr viel gesehen. Hunderte von zaristischen Soldaten haben Eisenbahnschienen gebaut, Pferdekutschen gingen in Flammen auf. SERGEJ SAIZEW nahm als PIRANDELLO brennende Kutschen auf seine starken Schultern und warf sie in der Nähe der Petraparlasburg  in die Neva, ging zweimal selber ins kalte Wasser mit seinem Schauspielerkollegen NIKOLAJ KARATSCHIZOV - und nie verloren sie den Mut und den Humor.
Auch die junge und talentierten Schauspieler OLGA KABO (als MARIA) und der berühmte Deutsche ULRICH PLEITGEN (als OTTO VON GERSTNER) stürzten sich in den Fluss Neva.
Wir waren Zeugen des Sturms auf das Eisentor vom Winterpalast, eine hommage an die berühmte Szene in dem Film OKTOBER von Regisseur SERGEJ EISENSTEIN in den 1930er Jahren. Diesmal klettern die oben genannten Schauspieler mit ALFONSINA, der ebenfalls eine Hauptrolle spielenden Ziege FROSA, am Tor vom Winterpalast hoch.
Die verrückten Aufnahmen dauerten in St. Petersburg (Leningrad), im Landkreis, in den MOSfilm-Studios und in Österreich ( Wien) drei Monate.
Außer erfundener spielen hier auch reale Personen mit, die jedem Schüler bekannt sind: ZAR NIKOLAI (gespielt von M. BAJARSTRI), außerdem der Chef der Gendarmerie GRAF BERGENDORF (JARHOV), der Erfinder der Dampflok STEPHENSON (SCHIRWIND) und - wie schon gesagt - OTTO VON GERSTNER (ULRICH PLEITGEN).
Die Eisenbahn hat man damals gegen den Willen der Könige des Gütertransports mit Pferd und Wagen gebaut.
Hätte man den Kampf verloren, wären wir heute noch mit Kutschen unterwegs und nicht mit der Eisenbahn und S-Bahn, hätten gar nicht gewußt, was Metro bedeutet, hätten nicht Radio gehört und wären keine Zuschauer. Ohne das alles wäre es langweilig auf der Welt. Und es wäre über die Eisenbahn kein Film gedreht worden. 
Quelle: A.K. 1990
Drehbericht aus dem russischen Filmmagazin
Frei übersetzt von:

Youtubelink: www.youtube.com/watch