HAUS AM SEE - 1992

Im Frühjahr.2oo7 wiederholte der NDR "Haus am See". In dieser 13teiligen Serie aus den 199oer Jahren spielt Ulrich Pleitgen den Leiter eines Seniorenheimes. Wir können ein Wiedersehen mit vielen bekannten Schauspielern feiern. Hildegard Knef ist dabei, Hans Korte, Anneliese Römer, Alexander Kerst, Gunter Berger, Ernst Stankowski, Ursula Monn, Ingrid van Bergen, Eleonore Weisgerber, Karl Michael Vogler, Alice Treff, Joachim Bliese, Rosemarie Fendel, Roland Nitschke und andere.

ULRICH PLEITGEN ZU SEINER ROLLE ALS HEIMLEITER DIEFENBACH IN DEM DREIZEHNTEILER "DAS HAUS AM SEE"
 
Eine temperamentvolle Figur, ein vielfältiger Charakter. Zärtlich, zornig, verwirrt, männlich, verliebt, komisch, verzweifelt und erfreut über seine naseweise Tochter. Im Umgang mit den alten Menschen nicht gottväterlich und herablassend, sondern involviert und direkt. Er geht achtungsvoll mit ihnen um. Er weiß, dass sie in einem langen Leben viel erlebt haben. Trotzdem ist er oft ungerecht und sprunghaft, manchmal jähzornig. Dann entschuldigt er sich bei Mitarbeitern und Alten.
Er ist also sehr impulsiv und auf Mithilfe der Menschenkenner seines Umfeldes - Sekretärin, Tochter, Geliebte! - angewiesen. Weil er stets das Gute will und oft falsch ansetzt.
Manchmal verhält er sich ganz egoistisch und will sein eigenes Leben leben, ohne dauernd gestört zu sein. Und dann wendet er sich reuevoll wieder seinen Alten zu.
 
Die Drehbücher sind klasse. Jede Folge ist eine abgeschlossene Geschichte. Diese Geschichten haben eine heitere Grundstimmung. Trotzdem wird nichts rosa verklärt. Es gibt Verzweiflung, Selbstmord, Liebesgeschichten unter den alten Leuten, es gibt Tratsch und Klatsch und üble Nachrede und anrührende Geschichten zwischen Einsamen, die nur schwer Kontakt finden.
Die auftretenden Figuren sind manchmal sentimental - wie es ihnen als menschliche Wesen auch zukommt.
Ich finde es in Ordnung, dass Diefenbach eine sympathische Figur ist. Warum soll nun jeder, der alte Leute betreut, ein sadistisches Ekel sein. Dieser hier ist es nicht. Er ist ein Hoffnungsträger für alte Leute. Vielleicht kann man auch so alte Menschen anregen, eine würdigere und bessere Behandlung einzufordern.
Ich halte so eine Serie, in der Altenprobleme in die Mitte gerückt werden, auch deshalb für wichtig, weil die Probleme des Altwerdens naturgemäß in einer jugendsüchtigen Gesellschaft an den Rand gedrückt werden. Alte Menschen haben keine Lobby, und viele trauen sich nicht, den Mund aufzumachen oder sind bereits zu schwach, für ihre Belange zu kämpfen.
Weil sie bereits ein Leben voller Kampf hinter sich haben.
Pressetermin DAMMSMÜHLE / 5. Juli 1992