GÜNTER EICH - PAPPELN

Fotos von der Gustorf-Grevenbroicher Erft: Wolfgang Koepchen/1952

Spaziergängerin mit Schirm zwischen Pappeln / Bleistiftzeichung von Walter Ortlieb

Walter Ortlieb in den 1920er Jahren

Das Bodenseeplätzchen in Öhningen / Fotos: Ann-Monika Koepchen

H. Krombholz/1958 ( Grevenbroicher Zeichenlehrer von Ann-Monika Koepchen).

Winterliche Pappeln im Bend von Grevenbroich. Foto: Clemens Schelhaas/1980

Pressefoto HÖR ZU/Text Werner Filmer und Ernst Michael Winges zu ihrem TV-Film ENTLANG DER ERFT: "Die Erft entspringt in der Nordeifel und mündet bei Neuss in den Rhein. Meist werden Bilder von Kraftwerken und Braunkohle mit der Erftregion verbunden - doch kaum eine andere deutsche Flusslandschaft bietet solch einen Burgenreichtum." (1999)

Pappeln, belaubte Phallen
am Weg Napoleons.
Gloire im Blätterschatten,
im Winde das Umsonst.
Die Pappelstraßen ziehen
geheim nach Helena;
den Rausch wie einst zu fühlen,
blieb ihre Zeugung da.
 
Verweht das Blätterschauern,
der Ruhm des Vogellieds, -
was war, will nimmer dauern
und immerdar geschiehts.
(Günter Eich)




WER KÖNNTE LEBEN OHNE DEN TROST DER BÄUME
(Günter Eich)



 

Ein Baum ist eine
unerschöpfliche Quelle
wunderbarer Erkenntnisse.
(Yehudi Menuhin - 1916-1999)
 


Wäre das Klima eine Bank, wäre es längst gerettet worden.
(Mojib Latif)



Welkes Blatt
Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel, als die Flucht.
 
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
 
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Laß es still geschehen.
Laß vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
(Hermann Hesse)




Alles still ... Die Pappeln überm schlafenden Gewässer
Gespenstergleich sie stehn, vom Mondlicht übergossen ...
Jenseits des Flusses hört man Lieder,
Und kleine Lichter sieht man funkeln .

(Anton Tschechow)

 

 

 

Die Bäume
Nachts hat man manchmal schlimme Träume,
             doch vegißt man sie alle.
Am Tag schenkt man dem hellen Vogelschalle
Aufmerksamkeit, und dann sind ja die Bäume
vorhanden, um uns zu erquicken,
ermuntert auf sie hinzublicken. 

(Robert Walser)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ausschnitt aus: DIE SCHWEDISCHEN GUMMISTIEFEL von Henning Mankell

"Oben auf dem Berg, nicht weit von Großvaters Bank, war eine Eiche umgestürzt. Das Wurzelwerk ragte wie ein zertretener Riesenpilz auf. Nachdem ich einen Rundgang um die Insel herum gemacht hatte, wußte ich, dass nur diese Eiche vom Sturm herausgerissen worden war. Alle anderen Bäume hatten ihn überstanden. Draußen auf den Inseln war die Erde vielleicht nicht tief.
Aber die Wurzeln der Bäume sind zäh wie Klauen.
   Ich sägte eine Holzscheibe von dem Eichenstamm ab. Mit meinem Fuchsschwanz dauerte das mehrere Stunden. Ich war schweißgebadet, als ich fertig war, nahm ein kurzes Bad im Wasser am Steg und trocknete mich im Wohnwagen ab. Dann setzte ich mich mit einer Lupe ins Bootshaus und zählte die Jahresringe. Zu meinem Erstaunen war die Eiche älter als vermutet. Nachdem ich nachgerechnet hatte, kam ich zu dem Ergebnis, dass der erste Jahresring von 1847 stammte. Im Jahr darauf, als die Eiche noch eine zarte Pflanze war, kam es zu den Revolutionen von 1848. Ich durchstreifte die Jahresringe, als befände ich mich am Rand der Ewigkeit. Schließlich legte ich den Finger auf die Jahrhundertwende zwischen 1899 und 1900.
 1914 begann ein Krieg, 1939 ein anderer. Mein eigenes Geburtsdatum ist 1944, ehe der Krieg zu Ende war. Und jetzt fiel der Baum in einem Dezembersturm 2014, hundertvierundsechzig Jahre später."