"Die falsche Fährte" ist inzwischen Hörbuch Nummer Acht in der von Ulrich Pleitgen gelesenen Krimireihe um den Kommissar Kurt Wallander. Die Krimis des schwedischen Autors Henning Mankell genießen Kultstatus und auch "Die falsche Fährte" enttäuscht nicht. Die Hörbuchfassung ist stellenweise vielleicht etwas zu lässig gelesen, doch gelingt es Ulrich Pleitgen über die beachtliche Länge von knapp sieben Stunden die Hörerspannung zu halten und zum Ende dramatisch zu steigern. Vorgeführt wird wieder ein in seiner Kauzigkeit und mit all seinen menschlichen Unzulänglichkeiten geradezu sympathischer Kommissar. Wieder erwartet den Hörer in dem von Mankell präzise zwischen dem 21.Juni und dem 16. September 1994 verorteten Roman auch scharfe Gesellschaftskritik. Also ein echter Mankell und doch ist etwas grundlegend anders.
Wallander muss entsetzt mit ansehen, wie sich ein junges Mädchen selbst verbrennt. Wenig später hat er es mit einem Serienmörder zu tun, der wie in einem Ritual seine Opfer skalpiert. Von der ersten Szene an ahnt und bald schon weiß der Hörer, wer der Mörder ist. Dieses gegen die übliche Praxis Schreiben birgt Gefahren, aber Mankell meistert sie souverän. Bis zuletzt lässt er alle mitfiebern, wann Wallander und seine Ermittler endlich die unfassbare Wahrheit erkennen. Bis dahin müssen zwei junge Mädchen und fünf Männer sterben. Mankell bietet keine einfache Lösung. So fällt es dem Hörer am Ende auch schwer, die Opfer nur zu bedauern und den Täter nur zu verurteilen. Er weiß zu viel über gesellschaftliche Hintergründe, die mit polizeilichen Mitteln nicht zu ändern sind. Statt Mitleid bleibt Zorn und der schwache Trost, dass die Mordserie ein Ende fand.
Hörbuch, Henning Mankell: Die falsche Fährte - Die Lesung von Ulrich Pleitgen, gekürzte Lesung, 6 CD (424 min). Hörbuch Hamburg 2009. ISBN 978-3-89903-668-8. Euro:24,95 Euro.
Quelle: Bernhardt Rengert Brandenburger Wochenblatt
Legacy Musikmagazin
Dieser Roman wurde schon mehrfach als Hörspiel wie auch als Hörbuch umgesetzt, doch gerade die Stimme von Ulrich Pleitgen macht aus der vorliegenden Version ein kleines Meisterwerk. Wie in den "Edgar Allan Poe" - Hörspielen gelingt es dem Sprecher durch sein Schauspielerfahrung, nicht wie ein typischer Sprecher zu klingen, sondern er durchlebt den Text bzw. die Handlung, als wäre er direkt beteiligt. Im vorliegenden Fall wird Kommissar Kurt Wallander unfreiwillig Zeuge der Selbstverbrennung eines jungen Mädchens. Doch damit nicht genug. Eine ganze Reihe von Morden geschieht, die mit fürchterlicher Grausamkeit verübt werden. Die Polizei macht sich daran, Verbindungen zwischen den Ermordeten zu suchen, doch niemand kommt auf die Idee, Zusammenhänge an ganz anderer Stelle zu suchen... Der eingestreute Perspektivenwechsel, der Abschnitte aus der Sicht des Mörders erzählt, steigert die Spannung ins Unermessliche, denn so wird der Hörer zum Mitwisser des mörderischen Plans und entfährt immer mehr Details, die der Polizei verborgen bleiben. Dies wird noch gesteigert, als er das Puzzlespiel der Polizei verfolgt und sieht, wie sie der Lösung immer näher kommen. Parallel dazu erfährt man wieder Neues aus Wallanders Privatleben, was die Figur zum sympathischen Durchschnittsmenschen macht, der Probleme hat, die man gut nachvollziehen kann. Der Tüftler hat diesmal allerdings auch den falschen Riecher und begibt sich damit in tödliche Gefahr. Dieses Hörbuch wird man bis zum Ende gefesselt verfolgen. Eine der besten Wallander-Geschichten überhaupt. In Kombination mit einem überragenden Sprecher ein wahrer Genuß.
Quelle: (ZAP) Legacy Musikmagazin