Peter Esterhazy - Eine Frau

Fast unerschöpflich ist die Fantasie des Peter Esterhazy, scharfsichtig seine Beobachtungsgabe, grenzenlos seine Lust am Fabulieren, an ausgefeilten Formulierungen, an variantenreichem Wortwitz. Und der Schauspieler Ulrich Pleitgen, der diese Geschichten vorliest, macht daraus kleine Kabinettstückchen. Lustvoll interpretiert er die 97 Episoden, lässt die Personen bildhaft werden, gibt ihnen unverwechselbare Identitäten, kostet die Worte, die Sprachmelodie des Autors aus. Und so wird dieses Hörbuch durch das Aufeinandertreffen eines intelligenten Autors und eines genialen Interpreten zum akustischen Hochgenuss.
Quelle: RADIO AKTIV/ Barbara Steinbauer

EINE FRAU (Peter Esterhazy)
 
In 97 kurzen Kapiteln erzählt Peter Esterhazy von rund 97 Frauen (minus 1 Mann, minus 1 Mutter). Und so kann man nicht unbedingt von einer Enzyklopädie der ungarischen Frau sprechen, eher von einem Kaleidoskop erotischer Begegnungen. Aber es finden sich auch ernstere Töne, wenn man genau hinhört.
Peter Esterhazy wurde 195o in Budapest geboren, wo er heute nach einem Studium der Mathematik als Schriftsteller mit seiner Familie lebt. Im Herbst 2oo1 erschien sein Roman "Harmonia Caelestis", der ein Bestseller wurde. Seine Bücher wurden in 15 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Der Autor erhielt u. a. 2oo1 den Sandor Marai-Literaturpreis und 2oo4 den FRIEDENSPREIS DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS.
 
DER SPRECHER:
 
Ulrich Pleitgen ist ein Profi. Er vermag fast jeder Figur, die er spricht, eine individuelle Nuance zu verleihen. Doch diesmal ist diese Fähigkeit nicht gefragt. Die Monologhaftigkeit seines Textes erscheint zunächst wie ein Handicap, doch ihm zuzuhören wird keineswegs langweilig. Vielmehr ist ihm die Lust, über eine neue Frau zu berichten, anzuhören. Und das ist bei über 90 Frauen schon ein kleines Wunder.
In Pleitgens Vortrag klingen Leidenschaft und Sinnlichkeit an, aber auch Wut und Ärger, wenn den Erzähler die gerade aktuelle Frau auf die Palme bringt. Dann wieder kann der Sprecher auch nachdenklich klingen, er spricht langsam, was die alte Schauspielerin an Weisheiten zum Besten gibt. Und er wird bewegend, wenn er den Brief des Freundes liest, der aus Frankfurt schreibt. Und er wird heiter-bescheiden, wenn er das letzte Kapitel geschafft hat.
"Eine Frau" ist ein heiteres Kaleidoskop der ungarischen Frauen, betrachtet durch die Augen eines sich wie Zeus unermüdlich durch die Betten kämpfenden Mannes, der ohne Frau nicht sein kann. Doch dies ist kein Buch, das aufgeilen soll, es ist nichts für akustische Voyeure, so genannte Ecouteure. Vielmehr bekommt stets auch der Mann sein Fett weg, die Waage ist ausgeglichen.
Auch politische und soziale Hintergründe scheinen durch, wenn man seine Antennen fein genug einstellt. Die Übersetzerin Zsuzsanna Gahse vermeidet vulgäre Ausdrücke und wählt stets neutrale Bezeichnungen, ohne dabei in medizinischen Jargon zu verfallen, der schon wieder schamhaft wirken würde. Der Sprecher trägt mit Gusto und Verve vor, so dass uns die Texte keineswegs wie leblose Nachrufe vorkommen, sondern geschehe das berichtete Ereignis gerade eben erst.
Das Hörbuch eignet sich somit für erwachsene Zuhörer ohne moralische Scheuklappen, die auch für feinere literarische Zwischentöne ein Ohr haben. Und wer genau hinhört, wird entdecken, dass das Buch voller heiterer Ironie über die ewige COMEDIE HUMAINE ist. Quelle: Buchwurm.info (Ausschnitt aus der Hörbuchrezension von Michael Matzer).

LIEBE
Es ist, was es ist, sagt die Liebe bei Erich Fried. Bei Peter Esterhazy, dem Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, sagt sie das im Grunde auch - allerdings um etliche Nuancen reicher und oft begleitet von erotischem Flirren. "Eine Frau" heißt das Buch, in dem Esterhazy in 97 kurzen Kapiteln von 97 Frauen erzählt. Jetzt sind seine assoziationsreichen Beobachtungen auf CD erschienen.
Es liest der Schauspieler Ulrich Pleitgen, und seine angenehm herbe Stimme paßt hervorragend zu diesen Texten, die das oft schwierige Verhältnis der Geschlechter in originellen Momentaufnahmen spiegeln. Dabei haben die Produzenten auf jegliche Schnörkel verzichtet; es gibt keine musikalischen Intermezzi, keine sonstige akustische Kulisse, alles ist Stimme. Wieder einmal zeigt sich, dass die kurze Form, wie sie uns in den 97 Kapiteln begegnet, den idealen Stoff liefert für das Medium Hörbuch. "Harmonia Caelestis", Peter Esterhazys Opus magnum, hatte sich da gewiss als ungleich sperriger erwiesen.
Nun also die Frauen, die 97. Jedes Kapitel beginnt mit dem Satz: "Es gibt eine Frau." Die eine liebt, die andere hasst,die dritte tut beides. Wir hören Geschichten vom Rotwerden, vom Schnarchen und anderen "Brüchigkeiten der Schöpfung". Mal fliegen die Bestecke, mal regiert der reine Sex, mal lieben sich zwei ganz einfach. Alles ganz normal also. Aber unterhaltsam reflektiert und formuliert. Und letztlich eine Liebeserklärung an die Unergründlichkeit der Liebe.
Quelle: LITERARISCHE WELT Birgit Warnhold

ESTERHAZY, EINE FRAU
Sie liebt ihn und sie hasst ihn. Sie nennt ihn nicht Schatz, sondern Schatten. Trotzdem liebt er sie. Weil sie mit bloßen Händen Schattenfiguren an die Wand zaubern kann. Und weil sein Herzschlag bei ihrem Anblick aus dem Takt gerät. Peter Esterhazy, erst kürzlich mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet, hat mit EINE FRAU (Hörbuch Hamburg) eine gefühlvolle Liebeserklärung eines Unbekannten an 97 verschiedene Facetten seiner Angebeteten geschaffen. Ulrich Pleitgens Stimme läßt den Hörer 27o wundervolle Minuten lang an dieser Liebe teilhaben.
Quelle: JOURNAL FÜR DIE FRAU

Zum Hörbuch auf Amazon klicken: