Edgar Allan Poe - Die schwarze Katze

"Ich bin nicht wahnsinnig", spricht der Erzähler, und jeder weiß, dass so nur der Wahnsinn flüstert. Es ist die Eigenart Edgar Allan Poes, dem Leser aufs Feierlichste das ganz Gewöhnliche der Empfindung und Handlung zu versichern und zugleich mit jedem Wort den Beweis des Gegenteils anzutreten. "Der Beginn", schreibt Mallarme´ , " hat bei ihm stets etwas unwiderstehlich, doch gewaltlos Ansaugendes wie ein Wirbel."
Also berichtet jener seltsame Gast, der sich im einsamen Hotel eingemietet hat, von einer schwarzen Katze, der er einst ein Auge ausgestoßen hatte und die ihn wie ein dunkles Gewissen so lange verfolgte, bis er sie lebendig einmauerte. Wenn es wie hier im Hörspiel so ausdauernd regnet, donnert und kracht, wenn die Katze quietscht und kreischt, dann räkelt man sich wohlig fröstelnd zur Stimme von Ulrich Pleitgen, der in der Rahmenhandlung eindringlich seinen Edgar Allan Poe gibt. Was will man mehr, als sich am Schauer zu wärmen? Bis dann plötzlich Heinz Rudolf Kunze singt, den Titelsong DER WEISSE RABE, und Poe wieder Geisterbahn fahren läßt.
Quelle: DIE ZEIT Konrad Heidkamp
 
DIE SCHWARZE KATZE - von Edgar Allan Poe
"Die schwarze Katze" ist der zweite Teil der Hörspielreihe nach Geschichten von Edgar Allan Poe. Und wie in allen anderen auch, schlüpft der bekannte Schauspieler Ulrich Pleitgen in die Rolle des Ich-Erzählers Poe. Nach der Entlassung aus der Nervenheilanstalt weiß Poe nicht, wo er hingehört. Er findet Unterschlupf in einem Hotel, in dem auch seine Albträume wiederkommen. Sein einziger Freund ist eine schwarze Katze, der er betrunken ein Auge aussticht. Doch damit nicht genug. Dies ist der Vorbote größeren Unglücks, das darin gipfelt, dass er seine Frau erschlägt und zusammen mit der Katze einmauert. Doch eines Tages ist die Katze wieder da.
Im Gegensatz zur ersten Folge "Die Grube und das Pendel" ist "Die schwarze Katze" deutlich schwächer. Dies liegt aber nicht an der akustischen Umsetzung, die wie immer gelungen ist, sondern an der Geschichte selber. Die Story ist etwas verwirrend, und man muss sehr genau aufpassen, um mitzubekommen, wann Poe träumt und wann er in der Realität ist. Auch die Übergänge der einzelnen Tracks machen es dem Hörer nicht immer leicht, der Geschichte zu folgen.
An die hervorragende Folge "Die Grube und das Pendel" kommt "Die schwarze Katze" nicht heran. Ein kurzweiliges Hörspiel für einen gruseligen Abend ist es aber auf jeden Fall.
Quelle: www.buchtips.net

ALTMEISTER DES SCHRECKENS
 
Ein Hörspiel, wie geschaffen für schlechtes Wetter: Die Kutsche fährt vor, der Regen prasselt, der Wind pfeift, der Donner kracht, und der Kutscher sagt dem Reisenden, er müsse die letzten Meter bis zum einsamen Hotel auf den Klippen zu Fuß gehen. Da schüttelt es den Hörer wohlig, vorausgesetzt, er sitzt im warmen Wohnzimmer, während es draußen wie aus Kübeln gießt.
"Die schwarze Katze" heißt das akustische Abenteuer, in dem sich ein Mensch ohne Gedächtnis in ein verlassenes Hotel zurückzieht, um seine Erinnerung wieder zu finden. Erdacht hat sich die grausliche Geschichte der düstere Edgar Allan Poe, der derzeit gerade wieder ziemlich in Mode ist.
In aufwändigen Neu-Produktionen findet der Meister der "Gothic Novel" offenbar auch heute wieder ein großes Publikum. So hat Lübbe Audio eine Poe-Reihe mit imposant inszenierten eigenen Hörspiel-Produktionen heraus gebracht, deren Qualität überrascht. Die Reihe des auf Bestseller abonnierten Verlags kann es durchaus mit einer weiteren Eigenproduktion aufnehmen, die der ambitionierte Münchner Hörverlag jetzt heraus gebracht hat.
Die anfangs erwähnte Szene stammt aus der Lübbe-Produktion. Sie ist deswegen besonders interessant, weil der Autor sich selbst in die Geschichte mit eingebracht hat. Der Mann ohne Gedächtnis, von einem lethargischen Wirt mit Grabesstimme (Thomas Danneberg) nach seinem Namen befragt, überlegt ein wenig und unterschreibt dann mit Edgar Allan Poe. Später wird er sich, von Ulrich Pleitgen mit grübelnder Eindringlichkeit dargestellt, in einem trostlosen Zimmer beim Anblick der Spinnen daran erinnern, wie seine Ehe zerbrach und er allmählich dem Suff anheim fiel - ein Laster, dem übrigens auch Poe gefrönt hat, vermutlich bis zum bitteren Ende.
Eine schwarze Katze, der der Erzähler ein Auge ausgestochen hat, lässt ihn in einen Strudel des Wahns versinken. Dieses Hörspiel unter der Regie von Simon Bertling und Christian Hagitte profitiert entschieden von der opulenten Musik des Filmorchesters Berlin, die für Cinemascope im Ohr sorgt. Heinz Rudolf Kunze hat übrigens den Titelsong zu den Hörspielen der Reihe geschrieben.
 
EDGAR ALLAN POE: Die schwarze Katze.
Hörspiel mit Ulrich Pleitgen. 1CD, Lübbe-Audio, 795 €.
Quelle: KÖLNISCHE RUNDSCHAU, KÖLN / Klaus Pesch

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