ECHTE JOURNALISTEN UND FALSCHE AUFKLEBER Insel Usedom wird zum Schauplatz für einen Fernseh - Thriller
ZINNOWITZ. Wenn´ s den Pferden langweilig wird, stecken sie ihre Mäuler durch den Koppelzaun und knabbern am Regiestuhl der Regisseurin Ilse Hofmann. Sollen sie ruhig, solange sie nur nicht schnauben. Das würde die Aufnahme stören. Die Kamera läuft nämlich - und der Ton natürlich auch - für den Polit - Thriller >Im Innern des Bernsteins<, dessen Handlung das Team von Pro Sieben zu Dreharbeiten auf die Insel Usedom führte.
Mitgebracht haben die Filmleute neben all ihrer Technik auch einen Bus voller Kleindarsteller. Gedreht wird eine Pressekonferenz, bei der ein Staatssekretär (Ulrich Pleitgen) den <entscheidenden Schlag gegen die >Atommafia< bekannt gibt. Die Komparsen figurieren als Reporter - im feinen Tuch, mit schmalen Kostümen und breiten Krawatten. In einer Drehpause steuert einer von ihnen scheu auf die den Dreh beobachtenden Journalisten zu, weil er wissen will: "Seid ihr echte Presse? Wie waren wir denn?"
"Echt" sind immerhin auch zwei der Statisten: Christiane Streckfuß und Stefan Kohn berichten für das Fernsehmagazin <hautnah> und die Pro Sieben - Nachrichten über die Dreharbeiten, produzieren außerdem Trailer für den künftigen Film. Prompt werden sie in die Szene integriert, um ihre Kamera mit dem aufgeklebten Senderlogo ordentlich ins Bild zu rücken. Den falschen Aufkleber hingegen trägt eines der "mitspielenden" Polizeiautos: Gerade noch rechtzeitig fällt einem Assistenten auf, dass auf dessen Türen >Requisitenfahrzeug< steht. Flugs werden "Polizei" - Streifen drübergepappt und auch gleich einheimische Kennzeichen montiert.
Während die Filmtechnik für die nächste Einstellung eingerichtet wird, lässt "Staatssekretär" Pleitgen (nach Sympathieträger - Parts in diversen Fernsehspielen nun in einer zwielichtigen Rolle) schnell noch mal nachpudern. Mit Klemmen und Wickeln im Haar wartet Hauptdarstellerin Antje Schmidt auf ihre Szene, nimmt aber Reißaus, als ein Fotograf sich ihr nähert. Bitte erst abdrücken, wenn das Outfit stimmt! Solche Sorgen haben die Pferde nicht ...
Quelle: OSTSEE - ZEITUNG Susanne Schulz 08.09.95
AUF USEDOM INS NETZ DER ATOM - MAFIA GERATEN
Pro Sieben dreht bei Zinnowitz Politthriller
USEDOM. Einen "entscheidenden Schlag gegen die Atommafia" konnte Ulrich Pleitgen gestern auf Usedom vermelden.Der Schauspieler hat nicht etwa den Beruf gewechselt, sondern lediglich eine neue Rolle übernommen: In dem Politthriller <Im Innern des Bernsteins> , den der private TV - Sender Pro Sieben dieser tage auf der Ostseeinsel dreht.
Ein Grundstück nahe Lütow (bei Zinnowitz) wurde gestern zum Schauplatz eines erfolgreichen Einsatzes der Gesetzeshüter. Im Mittelpunkt der Handlung aber steht die Computerexpertin Christine (Antje Schmidt), deren Gedächtnis alle Erinnerungen an ihr früheres Leben blockiert. Zufällig erfährt sie, dass Usedom ihre Heimat ist, begibt sich dort mit Hilfe eines Polizisten (Rufus Beck, zuletzt in >Der bewegte Mann<) auf Spurensuche und gerät ins Netz der Atommafia.
Die 29jährige Darstellerin (bekannt aus <Beim nächsten Mann wird alles anders<) kann sich durchaus vorstellen, dass sich eine so spektakuläre Geschichte tatsächlich ereignen könnte. Auch Regisseurin Ilse Hofmann betont zwar den fiktiven Charakter des Drehbuches, verweist jedoch auf Details, die aus den Nachrichten bekannt sind.<BR>Die erfahrene Fernsehregisseurin, die bereits in aller Welt gearbeitet hat, zeigt sich zufrieden mit den auf Usedom vorgefundenen Arbeitsbedingungen. Die Landschaft und die Atmosphäre der Insel zu genießen, hatten die Akteure allerdings bis auf einen Strandspaziergang kaum Gelegenheit. Dennoch schwärmt Pleitgen von der Gegend: "Und die Ostsee ist hier genauso schön wie bei uns im Westen. Da zeigt sich doch, dass wir zusammengehören", meint der Schauspieler augenzwinkernd. Was ihn nicht davon abhält, seinen Kollegen in der Pause vom letzten Dreh in Afrika zu erzählen ...
Die Dreharbeiten werden in Berlin fortgesetzt.
Quelle: NORDKURIER Susanne Schulz 08.09.95
IN DEN FÄNGEN
EINER PLUTONIUM - MAFIA
Der Stoff stellte sich plötzlich als so brisant heraus, dass Pro 7 es vorzog, seine Eigenproduktion "Im Innern des Bernsteins" nach dem gleichnamigen Roman von Ines Veith erst mal auf Eis zu legen.
Bereits 1995 unter der Regie von Ilse Hofmann gedreht, konnte der Sender sich jetzt erst dazu entschließen, den Polit- Thriller mit dem heiklen Thema auszustrahlen.
Die fiktive Geschichte um illegalen Plutoniumhandel, Korruption und Machtmißbrauch war doch allzu nah an die Realität herangekommen.
In der Verfilmung des Veith - Romans geht es um die Computer - Fachfrau Silvia Berger (Antje Schmidt), die seit einigen Jahren ihr Gedächtnis verloren hat. Mit allen Mitteln versucht die junge Frau, ihre wahre Identität herauszufinden und macht sich auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Aus beruflichen Gründen kommt sie in die "Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität" (ZERV), wo sie zufällig herausfindet, dass sie aus Usedom in der ehemaligen DDR stammt.
Auf der Ostsee - Insel erfährt Silvia, dass sie in Wahrheit Christine Klemenz heißt und ihre Familie dort ein Anwesen besaß. In dem sitzt jetzt das deutsch - sowjetische Unternehmen "Bernco", das mit Bernstein handelt. Wieder in Berlin, entdeckt Christine zu ihrem Entsetzen, dass ihre Wohnung durchsucht worden ist.
Gemeinsam mit dem ZERV - Mitarbeiter Thomas Kast (Rufus Beck) will die junge Frau der Sache auf den Grund gehen und muss dabei feststellen, dass sie ins Visier des Innenministeriums geraten ist. Nach und nach bringen die beiden Licht ins Dunkel: Die Firma "Bernco" handelt in Wahrheit mit Plutonium, und Staatssekretär Fuchs - dargestellt von Ulrich Pleitgen - scheint ebenfalls seine Finger im Spiel zu haben. Seit sieben Jahren arbeitet der langjährige Theaterstar übrigens ausschließlich vor der Kamera: "Hier muss ich nicht wie auf der Bühne auch für die hintere Parkettreihe spielen, sondern kann mehr mit den Augen erzählen."
Der Grund, weshalb Pro 7 "Muffensausen" bekam: Die Story erinnert an die "Plutonium - Affäre" aus den Jahren 1994/95.
In Deutschlands schwerwiegendstem Geheimdienstskandal hatte der Bundesnachrichtendienst den Schmuggel von über 350 Gramm waffenfähigem Plutonium von Moskau nach München inszeniert.
Wie sich herausstellte, waren hochrangige Politiker darin verwickelt. Erschreckend: Sowohl im Film als auch in der Realität wird deutlich, wie groß Macht und Möglichkeiten von Politikern und Geheimdiensten sind.
Quelle: ? / Anja v. Fraunberg