Ein privates Gespräch mit Ulrich Pleitgen im Heidehäuschen

Herr Pleitgen, Sie sitzen hier sehr entspannt in Ihrem Heidehäuschen und harren der Dinge, die da kommen? Machen Sie eine „Auszeit“?

Ulrich Pleitgen: Keineswegs, denn für den Winter sind schon wieder Termine für Lesungen und Hörbücher in Arbeit. Wenn man in unserem Beruf eine „Auszeit“ hat, dann ergibt diese sich. Ich warte zum Beispiel gerade auf ein neues Drehbuch, das dann direkt gelesen werden muss. So gesehen beschränkt sich meine „Auszeit“ auf drei bis vier Tage, die die Post hierher benötigt!

Warum machen Sie nicht mal Urlaub?

Ulrich Pleitgen: Im Schauspielerberuf ist es „umgekehrt“. Man dreht an vielen interessanten Orten, aber „Urlaub“ hat man, wenn man zu Hause ist. Hier ist es viel schöner, als in den Hotelzimmern, in denen wir sonst immer leben.

Können Sie eigentlich noch dem „Nichtstun frönen“?

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Ulrich Pleitgen: Nein. Ich liebe meinen Beruf dafür viel zu sehr. Natürlich gibt es Phasen, in denen man etwas kürzer tritt. Das ist genau, wie bei einem Schriftsteller oder Maler, der auch mal eine schöpferische Pause einlegt, wenn ihm nichts mehr einfällt. Aber grundsätzlich ist die Schauspielerei geradezu ein „Trieb“. Das muss ich einfach machen, genau wie ein Maler malen muss und ein Schriftsteller schreiben will. Damit höre ich garantiert erst auf, wenn  ich tot bin!

Ihre Frau Ann-Monika kommt mit Ihrem Engagement gut klar? Versteht sie es, wenn sie manchmal etwas kurz kommt?

Ulrich Pleitgen: Sie ist selbst Schauspielerin. Auch wenn sie seit 1989 nicht mehr selbst auf der Bühne steht, hat sie das Verständnis und die Liebe zu diesem Beruf behalten. Wir haben uns mit diesem Beruf kennen und lieben gelernt und das ist bis heute so geblieben.

Warum spielt ihre Frau nicht mehr?

Ulrich Pleitgen: Zum einen, weil sie damals dem Lampenfieber nicht mehr gewachsen war. Zum anderen, weil in diesem Beruf doch sehr viele Menschen unterwegs sind, die ihre Eitelkeiten ausleben. Meine Frau ist eine sehr bodenständige und geradlinige Persönlichkeit und kann auf die Unzulänglichkeiten mancher Menschen in der Medienlandschaft gut verzichten. Dafür hält sie mir den Rücken frei. Sie ist mein „Büro“, kümmert sich um Verträge, Finanzkram, Internetseite und alles, was an Hintergrundarbeit nötig ist.

Ein gutes Team

Ulrich Pleitgen; Das klappt sehr gut bei uns. Ann-Monika begleitet mich fast immer und ich bin sehr froh, dass sie mich unterstützt. Wir lieben und ergänzen uns.

Auch privat? Wie ist die Arbeitsteilung im Heidehäuschen?

Ulrich Pleitgen: Eine bestimmte Rollenverteilung haben wir nicht. Jeder, der Zeit hat, macht alles. Natürlich bin ich eher für die körperliche Arbeit im Garten zuständig, spiele den Sensemann, bearbeite die Bäume und schiebe die Schubkarre, während meine Frau sich um Terrasse und Beet kümmert. Wenn wir in unserem Heidehäuschen sind, haben wir immer viel zu tun. Das ist gut für Körper und Geist.

Aber Ihre Stadtwohnung in Hamburg haben Sie noch?

Ulrich Pleitgen: Wir mögen auch das Stadtleben, den Trubel und die Hektik der Großstadt. Man ist in der Stadt „geistiger“. Damit meine ich, dass man sich dort für Tagesgeschehen, Zeitungen, Literatur, Fernsehen und Veranstaltungen interessiert. Kaum sind wir auf dem Land, fällt das von uns ab. Das Lebensgefühl vereinfacht sich, die Kompliziertheit erledigt sich. Da ist sehr wohltuend!

Dann beschäftigen Sie sich mit der Natur?

Ulrich Pleitgen: Da gibt es skurrile Käfer, neugierige Wildschweine und morgens schlafen noch die Rehe vor unserer Tür oder fressen uns die Rosen ab. Nur der Hase war jetzt etwas irritiert, weil wir von einem Freund den Hund in Pflege hatten.

Wird das nicht langweilig?

Ulrich Pleitgen: Wir können ja jederzeit zurück in die Stadt und Menschen treffen. Nebenbei habe ich mir sehr viel Literatur über Natur zugelegt und es ist schon ein kleines Abenteuer, das Leben vor der Haustür zu beobachten! Außerdem verstehen wir uns auch zu zweit sehr gut. Wir sind seit 1975 zusammen und reden immerzu! Wenn ich etwas Interessantes im Radio höre, dann rufe ich hinter Ann-Monika her. Wenn sie ein Tucholsky-Zitat entdeckt, dann liest sie es mir vor. Wir teilen uns gegenseitig andauernd mit. Unter Langeweile würde ich etwas anderes verstehen! Uns interessieren Menschen, wir wollen wissen, was mit anderen Menschen los ist und haben beide denselben Blick dafür. Über Menschen kann man sehr viel reden und nachdenken, wobei allerdings Klatsch und Tratsch für uns kein Thema sind.

Wer hat eigentlich Ihr niedliches Heidehäuschen eingerichtet? Ist das auch ein gemeinsames Projekt gewesen?

Ulrich Pleitgen: Das ist nun eine sehr lustige Geschichte, die ausschließlich meine Frau zu verantworten hat! Wir hatten immer vor, uns irgendwann auf dem Land ein Häuschen zu kaufen, aber damals noch nicht das Richtige gefunden. Ann-Monika hat sich ein „heimliches Lager“ bei unserem Tischler Willy angelegt und dort Stück für Stück die Einrichtung für das Haus, das wir noch gar nicht hatten, deponiert. Sie hat Möbel und Dekoration in allen möglichen Läden zusammengekauft. Ich habe nie die Sachen gesehen und mein einziger Kommentar war damals: „Nur keine Biedermeier-Möbel mehr, die haben wir in der Wohnung!“. Irgendwann haben wir dann das Heidehäuschen durch die Freundin einer Freundin angeboten bekommen, es angeschaut und sofort gekauft.

Und Sie hatten die Möbel zuvor wirklich nicht gesehen?

Ulrich Pleitgen: Nicht ein Stück! Es war alles vorhanden und passte perfekt. Sogar die Küchenzeile! Auf den Millimeter genau!  Da macht das Kochen Spaß! Ich musste nur noch meine Edelstahltöpfe einräumen und konnte sofort mein Lieblingsgericht Spaghetti Aglio Olio zaubern. Ich kann mich noch gut an den ersten Tag im Heidehaus erinnern. Es war alles fertig, sah unheimlich gemütlich aus und ich guckte auf unseren Wald vor der Tür und dachte: „Das sind alles unsere Bäume!“.

Sie lieben Bäume?

Ulrich Pleitgen: Bäume sind sehr wichtig für mich. Ich mag Großes und Beständiges. Neben Bäumen sind Elefanten und Lokomotiven ein großes Hobby von mir.

Und Sie lieben alte Sachen! Zum Beispiel ihr altes Alfa Cabrio!

Ulrich Pleitgen: Nicht unbedingt „alte“ Sachen, Ich mag Dinge die gut gearbeitet sind und gutes Handwerk wird bekanntlich alt. Es geht um Qualität! Gut verarbeitete Schuhe, gut geschneiderte Anzüge … die können ruhig abgetragen sein, sie sehen immer noch edel aus. Auf Statussymbole und oberflächlicher Luxus kann ich gut verzichten. Das ist nicht mein Programm, weder im Privatleben noch in meinem Beruf!

Vielen Dank für dieses Interview!

(CP September 2007)


 

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