Sind so kleine Hände, winzige Finger dran.

Darf man nie drauf schlagen, sie zerbrechen dann.

Sind so kleine Füße mit so kleinen Zeh'n,

darf man nie drauf treten, könn' sie sonst nicht geh'n.

Sind so kleine Ohren, scharf, und ihr erlaubt:

Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub.

Sind so kleine Münder, sprechen alles aus.

Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus.

Sind so kleine Augen, die noch alles seh'n.

Darf man nie verbinden, könn' sie nichts versteh'n.

Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei.

Darf man niemals quälen, geh'n kaputt dabei.

Ist so'n kleines Rückgrad, sieht man fast noch nicht.

Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht.

Gerade klare Menschen wär'n ein schönes Ziel,

Leute ohne Rückgrad hab', wir schon zuviel.

Bettina Wegner

Edgar Reinold
Ulrich
Pleitgen
Ulrich Pleitgen, der zweite Junge von links.
Ann-Monika Pleitgen (9 Jahre) auf dem Gustorfer Schulhof.

In der Erinnerung - was schlummert da nicht alles an Duft und Geschmack, an Lauten und Bildern aus einer verschwundenen Kindheit. Ganz unversehens kann all das wieder erwachen und fast so sein wie einst ... nein, jetzt habe ich geschwindelt, ganz und gar nicht wie einst! Aber noch habe ich nicht alles vergessen, noch kann ich sehen und den Duft spüren und mich der Seligkeit des Heckenrosenbusches auf der Rinderkoppel erinnern, der mir zum erstenmal gezeigt hat, was Schönheit ist. Noch kann ich an Sommerabenden den Wiesenknarrer im Roggen hören und in den Frühlingsnächten das Rufen der Käuzchen auf dem Eulenbaum, noch spüre ich, wie es ist, aus Schnee und beißender Kälte in einen warmen Kuhstall zu kommen, ich weiß, wie sich eine Kälberzunge auf der Hand anfühlt, wie Kaninchen riechen, wie es im Wagenschuppen duftet und wie es sich anhört, wenn die Milch in den Eimer zischt, und noch kann ich die winzigen Krallen frisch ausgeschlüpfter Küken auf der Hand spüren. Der Erinnerung wert ist dies alles wohl nicht. Das Besondere daran ist die Intensität, mit der man es erlebte, als man noch jung war.
(Aus: DAS ENTSCHWUNDENE LAND von Astrid Lindgren)


Wanja in Zarskoje Zelo Foto: Ann-Monika Pleitgen

Sag mir wo die Blumen sind.
Wo sind sie geblieben.
Sag mir wo die Blumen sind.
Was ist geschehn?
 
Sag mir wo die Blumen sind.
Mädchen pflückten sie geschwind.
Wann wird man je verstehn?
Wann wird man je verstehn?
 
Sag mir wo die Mädchen sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Mädchen sind.
Was ist geschehn?
 
Sag mir wo die Mädchen sind.
Männer nahmen sie geschwind
Wann wird man je verstehn.
Wann wird man je verstehn?
 
Sag mir wo die Männer sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Männer sind.
Was ist geschehn?
 
Sag mir wo die Männer sind.
Zogen fort, der Krieg beginnt.
Wann wird man je verstehn.
Wann wird man je verstehn?
 
Sag wo die Soldaten sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag wo die Soldaten sind.
Was ist geschehn?
 
Sag wo die Soldaten sind.
Über Gräbern weht der Wind.
Wann wird man je verstehn.
Wann wird man je verstehn?
 
Sag mir wo die Gräber sind.
Wo sind sie geblieben?
Sag mir wo die Gräber sind.
Was ist geschehn?
 
Sag mir wo die Gräber sind.
Blumen blühn im Sommerwind.
Wann wird man je verstehn.
Wann wird man je verstehn?
 
Sag mir wo die Blumen sind.
Wo sind sie geblieben.
Sag mir wo die Blumen sind.
Was ist geschehn?
 
Sag mir wo die Blumen sind.
Mädchen pflückten sie geschwind.
Wann wird man je verstehn.
Wann wird man je verstehn?
 
(Gesang: Marlene Dietrich - erstmalig 1962)
 
(Pete Seeger / deutscher Text Max Colpet
 Ende 1950)

Jan Folker Bohnet / Februar 2005. Foto: Ann-Monika Pleitgen.

Von weither, vom Abend und vom Morgen,
Noch hinterm winddurchtosten Himmel her,
Blies mich der Stoff, aus dem das Leben ist,
Hierher; da bin ich nun.

E.M.Forster

Brief an meinen Sohn

1Ich möchte endlich einen Jungen haben,so klug und stark, wie Kinder heute sind.Nur etwas fehlt mir noch zu diesem Knaben.Mir fehlt nur noch die Mutter zu dem Kind. Nicht ...

 

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