Gustave Flauberts „Madame Bovary“, aus der Augsburger Allgemeinen vom 16. Dezember 2006:
Ach Emma! Der Untergang der Emma Bovary, die sich, gefangen in der Ehe mit einem Landarzt, erst in Träume, später in Affären flüchtet, beschäftigte einst die französische Zensur.
Man befürchtete eine Verletzung der öffentlichen Moral. Gewarnt werden muss auch heute: Bei wem die Hörbuchversion – elf CDs gelesen von Ulrich Pleitgen – auf dem Gabentisch liegt, wird seine Familie in den Weihnachtstagen eventuell stark vernachlässigen. Denn Gustave Flaubert zieht mit seinem vielschichtigen Meisterwerk und seiner unglücklichen Emma auch die Hörer sofort in seinen Bann. Kein bisschen antiquiert – auch dank der Neuübersetzung von Caroline Vollmann. stw info Gustave Flaubert: Madame Bovary. Hörbuch Hamburg, , 49,90 Euro
Quelle: Augsburger Allgemeine vom 16. Dezember 2006 www.hoerbuch-hamburg.de
"Madame Bovary" – sind wir! Neue Zürcher Zeitung
Es traf dieser Roman – als er vor gut 150 Jahren herauskam – wie ein Peitschenschlag die diskreten Gesellschaftsverträge der Bourgeoisie und kippte selige Empfindsamkeiten jäh in die real existierende Gefühlsökonomie: Gustave Flauberts «Madame Bovary» schnitt anhand des Porträts einer überspannten Landarztgattin mitten durch die sprachliche und sentimentalische Provinz des Menschen. Die – damals innovativ aus der Innenperspektive der jungen Liebhaberin erzählten – Kontaktschlüsse aus konkretem Kalkül und Klischee-Kitsch-Phantasie riefen die Sittenschützer auf den Plan und den Autor vor den Richter. Wer aber wären wir – so stellt die meisterliche Einspielung von Caroline Vollmanns Neuübertragung zur Debatte –, dass wir uns in Zeiten von City-Soaps und Hollywood-Himmeln über die Phrasen mystischer Ver- und erotischer Entzückungen des 19. Jahrhunderts erheben dürften? – Ein Blick in die Tageszeitung macht einen sicher, dass Flauberts Respektlosigkeit vor Kirche, Konvention und «fortschrittlichem» Köhlerglauben recht behalten hat. Als Vorleser muss man bei dieser – die Redeweisen aller Kreise peinlich verzeichnenden – Prosapartitur buchstäblich «gut aufgestellt» sein, auf dass die verschiedenen Stimmen und Schrillheiten hörbar gelingen: In einer selten exakten Studioaufnahme bespielt der Schauspieler Ulrich Pleitgen stupend energisch das Spektrum zwischen übersüssem Gefühl und ironischer Perfidie.
Gustave Flaubert: Madame Flaubert, deutsch von Caroline Vollmann, Lesung: Ulrich Pleitgen. 11 CD (817 Min.), Hörbuch Hamburg 2006.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, 3. Januar 2007, Ressort Feuilleton http://buecher.nzz.ch/books/nzzbooks/0/list/$ERIHW$T.html
Die Bovary lässt bitten
"Madame Bovary" ist einzigartig. Auch Ulrich Pleitgen ist dem Charme der Schönen erlegen. Er liest den tragischen Flaubert-Roman auf elf CDs. Und es ist eine Wonne, ihm zu lauschen. In diesem Sinne: Die Bovary lässt bitten.
Flaubert - Madame Bovary. Gelesen von Ulrich Pleitgen, 11 CDs. 13,5 Stunden. 49,90 Euro. Hörbuch Hamburg
Quelle: Fuldaer Zeitung 16.12.2006
"Madame Bovary" von Gustave Flaubert - ein Klassiker
Ulrich Pleitgen liest vor und alles andere bleibt liegen. (Hörbuch Hamburg, 11 Kassetten, 49,90 Euro)
Quelle: Zeitung Vital November 2006
Gustave Flaubert, MADAME BOVARY
Hörbuch - verblödende Monotonie, verkniffene Wollust: sensationell gelesen von Ulrich Pleitgen (11 CD; Hörbuch Hamburg)
Ist es nicht Quark, als Teenie Theodor Fontanes "Effie Briest" in der Schule lesen zu müssen? Ein weites Gähnen! Ist es nicht derselbe Quatsch, Schüler auf Thomas Manns "Buddenbrooks" loszulassen? Da könnte man ebenso gut Teenies auf Gustave Flauberts "Madame Bovary" eichen wollen. Bums, aus ist´s mit der Literatur!
Daher, liebe - möglicherweise verheiratete, getrennte oder längst geschiedene - Leser, nehmt bitte jetzt erst die "Madame Bovary" zur Hand. Nur wer weiß, wie verblödend die Monotonie eines Beziehungsalltags sein kann, wie sich verkniffene Wollust und ein Untergang anfühlen, der erkennt die Meisterschaft dieser saftigen Studie über eine Landarzt-Gattin im 19. Jahrhundert. Dann das passiert. Jeden Tag. Auch heute. Oder?
In über 13 Stunden trägt Ulrich Pleitgen die neue, zupackende Übersetzung von Caroline Vollmann vor. Mehr als 15o Jahre nach Fertigstellung des originalen Textes von 1856. Und klar, die "Madame Bovary" gibt es schon in diversen Ausgaben: Ein rund vierstündiges, bestens besetztes Hörspiel hat der Hörverlag in petto; im April erschien im Argon Verlag auch eine vollständige Lesung der großartigen Sophie Rois; die Lesung im Radioropa Hörbuch allerdings schockiert durch Abgeschlafftheit.
Die vorliegende Hörversion von Ulrich Pleitgen ist für mich ein Fünf-Sterne-Erlebnis! Pleitgen klingt, als würde er uns die Geschichte eben entwickeln und erzählen. Unmittelbarer kann ich mir "die Bovary" nicht vorstellen.
Quelle: www.schallplattenmann.de
Mai 2007
Amazon:
Flaubert, MADAME BOVARY - SCHICKSAL, DUNKELROT
Ulrich Pleitgen und Sophie Rois konkurrieren um Madame Bovary
Einen hübschen Wettbewerb von Goldkehlen bieten uns zwei Hörbuch-Ausgaben der "Madame Bovary" von Gustave Flaubert dar: Vor einem Jahr war Ulrich Pleitgens vollständige Lesung des Romans im Verlag Hörbuch-Hamburg erschienen. Nun kam der Argon-Verlag nach - mit der Stimme von Sophie Rois. Beiden Vorträgen liegt die neue Übersetzung von Caroline Vollmann zugrunde.
Pleitgen liest 13 Stunden und 37 Minuten. Rois benötigt vier Minuten mehr. Beide Lesungen finden auf elf CDs Platz. Der Argon-Verlag fügt der Ausgabe eine MP3-Version hinzu und steckt alles zusammen in eine bedeutsamere Schachtel.
Aber auch die kleinere Schachtel vom Hamburger Verlag ist dunkelrot. Das Argon-Booklet enthält eine halbe Inhaltsangabe sowie einen Aufsatz "Werk und Wirkung" mit literaturlexikalischem Zitat, wie ihn der Roman-Apotheker Homais kaum besser hätte aufschreiben können. Im Beiheft der Hamburger Ausgabe sind zwei Briefe abgedruckt: der herrliche, glutvolle einer Leserin an Flaubert, sowie dessen freundliche Antwort.
Wer liest "besser"? Wie "gut" kann man diesen handlungsprallen Roman vortragen? Wie klingt das Schicksal? Pleitgen und Rois nehmen sich in den Dialogen nicht zurück, sie spielen. Und sie tun es gut. Für die Aufnahme von Sophie Rois ist die Technik etwas stärker eingesetzt worden; es gibt einige vernünftig platzierte Überblendungen, als ein Politiker eine Rede quakt, während Madame Bovary den ersten Schritt in jene Liebesleidenschaft wagt, unter deren Wucht
am Ende alle Familienmitglieder zerbrochen sein werden. Beide Sprecher treffen die so deutlich gemalten Charaktere all der Opportunisten und Karrieristen hinreichend scharf.
Quelle: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG / 04. Juli 2007
EIN SITTENBILD AUS DER FRANZÖSISCHEN PROVINZ
Ulrich Pleitgen stand 20 Jahre lang auf Deutschlands renommiertesten Bühnen; erst seit Ende der 1980er Jahre ist er vor allem in Film und Fernsehen zu sehen. Für den Verlag >Hörbuch Hamburg< ist Pleitgen zu einem klassischen Stoff zurückgekehrt: Ungekürzt liest er >Madame Bovary< (1857), den berühmtesten Roman von Gustave Flaubert (1821 - 1880) in der Neuübersetzung von Caroline Vollmann.
>Madame Bovary< gilt als Meilenstein des Realismus, nicht nur wegen der äußerst unspektakulären Geschichte - eine Landarztgattin fühlt sich zu Höherem berufen, verschuldet sich für Luxusgüter, betrügt ihren Mann und begeht schließlich Selbstmord - , sondern auch wegen der neuartigen Erzählweise durch den Einsatz erlebter Rede und detailfreudige bis
-versessene Beschreibungen. Diese ließen schon so manchen Leser verzweifeln, doch mit ruhiger Stimme und der nötigen Geduld führt Pleitgen den Hörer 817 Minuten lang durch Flauberts dichten und anspruchsvollen Text.
Quelle:HARENBERG Kalender 2008 / Literatur / B. F. / 19.11. 2008