Es wird hier und da die Ansicht vertreten, Stephen Kings Bücher seien langweilig. Er walze den Horror aus in dünner Sprache, heißt es. Es mag gute Argumente für diese Meinung geben - was das geschriebene Buch anlangt. Literatur ist an der Wurzel aber gesprochenes Wort, lebendige Erzählung, Anlass für Geselligkeit. Die Kunst des Erzählens ist eine andere als die, für einen konzentriert lesenden Menschen zu schreiben.
Mit Stephen King und Ulrich Pleitgen treffen zwei Meister der mündlichen Erzählung zusammen. Pleitgen hatte mit der Lesung von Kings "L.T.s Theorie der Kuscheltiere" keine ganz leichte Aufgabe zu erfüllen. Ein Erzähler gibt vor allem eine Geschichte eines zweiten wieder, welcher in der Kantine redet und wiederum eine dritte Person zitiert, seine Ehefrau. Fast ist es ein Hörspiel, und Ulrich Pleitgen gibt alle Rollen überzeugend: den verrauchten und komischen Bericht eines augenrollenden Trinkers über das Ende seiner Ehe und die Abneigung gegen einen Terrier, die gereizte und gegen eine Katze hasserfüllte Ehefrau und die verbrechenslüsternen Erwägungen des Erzählers über den Axtmörder.
Das ist eine Aufgabe für einen Schauspieler, und Pleitgen spielt maßgearbeitet - jeden Vokal am Platz, jeder verzögerte Konsonant sitzt, die Akteure gewinnen Leben, das Augenrollen sieht der Hörer vor sich. Die eine Stunde vergeht im Handumdrehen. Das kann man auch mehrmals anhören.
Quelle: SÜDDEUTSCHE ZEITUNG Martin Z. Schröder