Wie in jeder Stadt hat sich Ulrich Pleitgen auch in Eisenach eine Laufstrecke zum Text lernen gesucht. In FAMILIE DR. KLEIST spielt Ulrich Pleitgen den Apotheker Johannes Kleist. Für die TA-Leser zeigte der temperamentvolle Schauspieler einige seiner Lieblingsplätze.
von Katja SCHMIDBERGER / Eisenach.
Er ist gern draußen. An frischer Luft lernt Ulrich Pleitgen am liebsten seine Rollen im Gehen.Und wie in jeder Stadt, in der er dreht, hat der Schauspieler sich eine Laufstrecke zum Drehbuchlernen gesucht. Schon bei den Dreharbeiten der ersten Staffel hat der gebürtige Hannoveraner den Eisenacher Alten Friedhof für sich entdeckt. Was in seinem Wohnort Hamburg als Strecke die Außenalster ist, wurde in der Wartburgstadt das Areal hinter dem Luther-Gymnasium. Bei Dorothea Grimm, die Ehefrau Wilhelms Grimms, vielen Mitgliedern der Bach-Familien und weiteren berühmten Persönlichkeiten Eisenachs gefällt es Pleitgen. "Aber ich bin auch oft beim Landeskirchenamt unterwegs", erzählt er bei einem Rundgang durch Eisenach.
Der Schauspieler, der auf seinen Reisen von seiner Frau begleitet wird,fühlt sich sehr wohl in dieser Stadt. Von Anfang an. Mit Begeisterung hat man ihn schon während der Dreharbeiten vor zwei Jahren in Interviews von Eisenach und Thüringen reden hören. Inzwischen hat sich Pleitgen auch Weimar, Erfurt, Gotha angesehen. Die Aussicht vom Schloss Friedenstein sei einfach unglaublich, erzählt er. Dass die Eisenacher ihn mögen, zeigte schon sein erstes Wiedersehen vor zwei Wochen. "Wir haben eine dreiviertel Stunde vom Bahnhof bis zum Thüringer Hof gebraucht", erzählt der Schauspieler - nicht ohne Stolz in der Stimme.
Pleitgen, der zwei Jahrzehnte lang überaus erfolgreich an großen deutschsprachigen Bühnen wie dem Thalia-Theater in Hamburg zuhause war, sagte vor 16 Jahren dem Theater ade und widmet sich seitdem vornehmlich der Film- und Fernseharbeit. Für die meisten Eisenacher ist er ein bekanntes Gesicht und das nicht nur seit Kleist. Immer wieder wird er angesprochen, gibt Autogramme, grüßt freundlich. Er findet an den Eisenachern toll, dass sie sich nicht nur für ihn als Prominenten interessieren, sondern vor allem seinen Beruf und seine Rollen schätzen. Ob Kriminalkommissar, Kapitän oder Apotheker - Figuren mit Ecken und Kanten mag Ulrich Pleitgen. Egal, ob er in der Serie "Nicht von schlechten Eltern" einen Familienvater oder in "Kap der guten Hoffnung" den Erzschurken verkörpert, eines ist ihm wichtig: "Ich will mich auf kein Rollenklischee festlegen." Das ist auch bei Johannes, dem liebenswerten Onkel von Dr. Christian Kleist (Francis Fulton-Smith) der Fall. Obwohl er wie in seiner früheren Serie erneut einen Familienvater spielt,lassen sich die Rollen nicht vergleichen. Ihm gefällt Johannes.
Ulrich Pleitgen mag die alten Häuser in Eisenach. Und so freut er sich auch, dass nun die Einkaufszone in der Karlstraße endlich fertig gepflastert ist. "Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie es vor zwei Jahren hier aussah. Jetzt ist es einfach toll."
Ein kleines Geheimnis verrät er schon einmal. Es wird in einer der nächsten Folgen endlich eine Liebesnacht mit Freundin Inge (Uta Schorn) geben. Und das sympathische Serienpaar wird in der zweiten Staffel auch öfter zu sehen sein. So wird Ulrich Pleitgen wieder viele Runden auf dem Alten Friedhof drehen können. "Eine Lesung in der EULE werde ich auch machen", kündigt er an.
Und wieder bittet eine Frau spontan auf dem Marktplatz um ein Autogramm. Er grinst mit seinem jugendlichen Charme und erfüllt prompt den Wunsch. Und hat damit schon wieder ein Eisenacher Herz erobert.
EISENACHER ALLGEMEINE / 2005
FACTS & NEWS
Vier Fragen an Ulrich Pleitgen
Ulrich Pleitgen spielt von Beginn an in der Serie "Familie Dr. Kleist" den Apotheker Johannes Kleist, in erster Linie aber ist er den Zuschauern als der sympathische und beliebte Onkel Johannes bekannt. Wir freuen uns, dass Herr Pleitgen, inzwischen langjähriger Gast im Steigenberger Hotel Thüringer Hof, bereit war, uns ein kurzes Interview zu geben.
Mit welchen Erwartungen sind Sie 2003 an den Drehort Eisenach gekommen?
Mit großer Neugier: Wie sind die Menschen in Eisenach, die so ganz anders aufgewachsen sind als ich? Was weiß ich von Eisenach? Bach, Luther, Wartburg und Autos. Was erwartet mich noch? Ich werde sechs Monate dort sein.
Viele Menschen in Eisenach kennen Sie, haben Sie eine besonders nette oder amüsante Anekdote, an die Sie sich erinnern?
Eine junge Frau mit einem Sechsjährigen an der Hand kommt auf mich zu und der Kleine sagt, nachdem er tief eingeatmet hat: >Du bist mein größter Fan.<
Wie empfinden Sie das Flair unserer Stadt? Würden Sie etwas verändern wollen? Oder haben Sie einen Lieblingsplatz?
Der reizvollste Weg ist der Panoramaweg, die Allee und der Rundblick. Der schönste Ausblick ist der aus meinem Hotelzimmer im Thüringer Hof auf den Karlsplatz.Meine Lieblingsbank steht am Eingang zum Alten Friedhof neben der Predigerkirche. Aber am stärksten berührt mich die Freundlichkeit der Eisenacher. Nach all dem habe ich manchmal Sehnsucht, wenn ich wieder in Hamburg bin.
Mögen Sie die Thüringer Küche, gibt es ein bevorzugtes Gericht, das Sie auf jeden Fall weiterempfehlen würden?
Die Thüringer Bratwurst ist nicht einzuholen. Sie macht süchtig. Der Duft steigt einem in die Nase und man kommt an dem Verkaufswagen nicht vorbei. Keiner kommt durch die Karlsstraße ohne die Wurst. Es ist, als müsse man Zoll zahlen. Und manchmal geht man zurück und holt sich noch eine.
Und die Thüringer Klöße ... Aber darüber ein anderes Mal.
Quelle: HOFKURIER/Steigenberger Hotel Thüringer Hof in Eisenach/2008