Zwei, die noch die Geisterbahn zum Knutschen toll und ein Gerippe zum Gruseln schön finden. Plötzlich bricht das Mädchen zusammen. Der Vater, verwitwet, weiß bald, daß seine Tochter todkrank ist. Und die 16jährige Nana spürt, was ihr keiner zu sagen wagt, Harald Göckeritz erzählt das ohne Schnörkel; es könnte jedem widerfahren: Menschen im Bewußtsein des Abschieds voneinander und vom Leben. Doch wer hat dann die Stärke, die diesen Film so stark macht? Regisseur Miguel Alexandre schafft es einfühlsam mit Bernadette Heerwagen, gerade 17, und mit Ulrich Pleitgen, den man eher als Raubein kennt. Ein Film, der knallig beginnt und doch so leise endet, daß man meint, Tränen tropfen zu hören.
Quelle: Karlheinz Mose
"Nana", Film über ein Mädchen, das die Angst vor dem Sterben besiegt. ARD, Mi., 12.2., 20.15 Uhr
DEN TOD VOR AUGEN
Der Südwestfunk setzt im Herbst seine Reihe "Debüt im Dritten" mit dem Drama "Nana" fort
Sie ist 15, genießt das Leben völlig unbeschwert, ist verliebt. Doch dann schlägt das Schicksal zu: Nana (Bernadette Heerwagen) bricht während eines Jahrmarktbesuches zusammen, im Krankenhaus wird eine seltene Immunkrankheit diagnostiziert. Nana wird bald sterben. Wie im Rausch versucht sie nun, ein ganzes Leben zu leben.
Mit dem Fernsehfilm "Nana" setzte der Südwestfunk im Herbst 1997 seine weithin gerühmte Reihe "Debüt im Dritten" fort. Seit 1987 präsentierte der Sender immer im Herbst ein halbes Dutzend Filme vornehmlich deutscher Nachwuchsregisseure, von denen inzwischen viele - wie Sönke Wortmann ("Der bewegte Mann") - zur Crème der deutschen Kinoszene zählen.
Für "Nana" verpflichtete der Südwestfunk den jungen deutsch-portugiesischen Regisseur Miguel Alexandre, dessen erster Film "About War" 1992 auf verschiedenen Festivals prämiert und 1993 sogar für einen Oscar als bester ausländischer Studentenfilm nominiert wurde.
Die männliche Hauptrolle, den Vater von "Nana", spielt Ulrich Pleitgen.
DAS LEBEN IST EIN EWIGER FLUSS
Bewegendes Drama um ein todkrankes Mädchen
Fernsehfilm: NANA
ARD, 2o.15 Uhr
Ein junges Mädchen wir plötzlich damit konfrontiert, dass es sterben wird.Nana, 16 Jahre alt, hat die seltene asiatische Immunkrankheit Takayasu, die Lähmungen hervorruft und fast immer tödlich verläuft. Wie wird sie damit fertig? Wie geht sie mit dem Gedanken an den Tod um? Mit seinem Film >Nana< in der Reihe >Wilde Herzen< greift Miguel Alexandre ein Tabu-Thema auf: "In unserer Gesellschaft wird das Thema Tod meistens verdrängt. Ich wollte zeigen, dass man sich beim Gedanken an das Ende nicht nur verloren und verlassen fühlen muss, sondern dass er auch etwas Tröstendes haben kann, dass es so etwas wie ein Aufgehobensein im Universum gibt."
Die Geschichte ist tieftraurig, doch sollte es kein düsterer Film werden. Nana bricht bei einem Jahrmarktsbesuch zusammen. Die schreckliche Diagnose des Arztes: Die Überlebens-Chancen für das Mädchen sind gering. Eine Operation soll helfen, bringt aber keine Besserung. Nana, frisch verliebt in den Jungen Robbi, nimmt mit ihm Reißaus ans Meer. Eine kurze Flucht aus der Realität, die kläglich endet. Der nüchtern denkende Vater (Ulrich Pleitgen) will die Grenzen der Medizin nicht akzeptieren; das kanadische Aupair-Mädchen Jeany (Anne von Linstow) hingegen hat durch seine indianischen Vorfahren einen anderen Zugang zum Tod und hilft Nana, über das irdische Ende hinauszudenken.
Die Indianer-Symbolik setzte Autor Harald Göckeritz bewußt dem rationalen Denken der westlichen Welt entgegen: "Andere Völker gehen viel natürlicher mit dem Tod um." Und der 28 Jahre junge Regisseur, der mit seinem Film >Der Pakt - Wenn Kinder töten< diverse Preise eingeheimst hat, setzt den ewigen Lauf eines Flusses, der sich ins Meer ergießt, symbolhaft an den Schluß des Films. "Zur Zeit der Dreharbeiten", erklärt er, "habe ich mich besonders intensiv mit dem Tod befaßt. Damals war meine Mutter sehr krank." Das war vor fast zwei Jahren.
Noch länger zurück geht seine erste Begegnung mit der Hauptdarstellerin: Die inzwischen 19 Jahre alte Bernadette Heerwagen lernte er vor drei Jahren in den Münchner Bavaria-Studios kennen, wo er vorübergehend jobbte und sie an einem Schüler-Workshop teilnahm. Das Gesicht ging ihm nie mehr aus dem Kopf. Und als er die Darstellerin der >Nana< suchte, holte er sich die Münchner Gymnasiastin, die - trotz Dreharbeiten - im vorigen Jahr Abitur machte. Noch heute geht ihr Nanas Schicksal nahe: Selbst bei der zwölften Filmvorführung schluchzte sie noch immer. Und bevor sie die Todes-Szene drehen konnte, mußte sie sich erst einmal mit ihrem Regisseur richtig ausheulen.
Quelle: HAMBURGER ABENDBLATT / 1995
Miguel Alexandre ist Deutschlands vielversprechendster Jung-Regisseur - Bereits ein Studentenfilm von ihm wurde für den Oscar nominiert.
HINTER DER KARRIERE STECKT HARTE ARBEIT
ARD zeigt "NANA": Die Geschichte eines todkranken jungen Mädchens
HAMBURG. er ist Jahrgang 1968, gebürtiger Portugiese. Abitur in Lübeck. Absolvent der Filmhochschule München: Miguel Alexandre ist Deutschlands vielversprechendster Jung-Regisseur.
Alexandre klingt lebendig, warmherzig und unprätentiös. Man glaubt ihm, wenn er sagt, dass er Angst bei der Arbeit nicht kenne. "Angst besteht darin, meine Arbeit zu zeigen. Wie das Publikum darauf reagiert, ist dann außerhalb deines Einflußbereichs, und man fühlt sich wie nackt, ist ziemlich angreifbar ..."
Wenn heute abend "Nana" (ARD, 20.15 Uhr), Alexandres Abschlußarbeit als angehender Regisseur, ausgestrahlt wird, hat er seine erste Angstprobe hinter sich. Ist längst kein Debütant mehr. Mit "Der Pakt - wenn Kinder töten", seinem ersten Film als "ausgebildeter Regisseur", einer SAT.1 - Produktion, nahm er Kritiker und Publikum auf Anhieb für sich ein: Goldener Löwe (Oktober 1996) für hervorragende Regie-Nachwuchsleitung; Telestar, Förderpreis Regie (November 1996). Und im selben Monat: der 3sat-Zuschauer-Preis. Erstmals im Rahmen der Baden-Badener "Tage des Fernsehspiels" vergeben.
Seit letztem Herbst hat Alexandre einen Exklusiv-Vertrag als Autor und Regisseur bei Studio Hamburg. Im Sommer beginnen die Dreharbeiten zum ersten Kinofilm, einer deutsch-chinesischen Liebesgeschichte.
Alles paletti also? Die schnelle Traumkarriere eines Begnadeten? Der in seinen beiden Newcomer-Filmen existentielle Extremsituationen von Protagonisten im Schüleralter aufgreift. Den Mut beweist, die Hauptrollen mit Nonames zu besetzen. Der die Poesie und Zartheit in Darstellung und Film-Erzählung wiederentdeckt. Mit Allegorie und Symbolik Unterbewußtes beim Zuschauer weckt. Der bewegende Schicksale präsentiert, archaische Gefühle, ebenso subtil wie eindringlich.
"NANA", die Geschichte eines jungen Mädchens, das sterbenskrank wird, als es gerade an der Schwelle zum Erwachsenenwerden steht und sich verliebt, wurde gerade erst als Kino-Kopie bei der Berlinale angenommen, Bereiche Nachwuchs-Schaffen.
Doch hinter der Karriere steckt "viel harte Arbeit, viel Besessenheit und ein Quentchen Glück", sagt Alexandre. "Ich saß ziemlich verzweifelt in Lübeck herum, und ich hatte mit der Filmhochschule überhaupt nichts zu tun. So mußte ich mich als der bewerben, der ich bin, mit meiner Filmbesessenheit ...!"
Er war einer von zehn Glücklichen unter 300 Bewerbern, die sofort angenommen wurden.
Sein Übungsfilm "About war" bringt ihm 1993 die entscheidenden Kontakte. Aber nicht sofort. "Als ich damit dann beim Studentenfestival den ersten Preis gewann, dachte ich, jetzt wird das Telefon klingeln und dann ... Das war natürlich nicht so." Ein paar Monate später wurde der Film jedoch für den Oscar nominiert, als bester ausländischer Studentenfilm. Und da klingelte das Telefon, und der Geschäftsführer von Studio Hamburg hatte zufällig den Film gesehen. Auch die Südwestfunk-Leute. "Das braucht man halt: jemanden, der dir die erste Chance gibt!" Und Geld und einen Sendeplatz.
So wurde aus "NANA" nicht nur die Examensarbeit, sondern Alexandres Debütfilm mit garantiertem Sendetermin.
Quelle: RHEIN-ZEITUNG / Roswitha Schäfer-Neubauer / 12. 02. 1997