Noch ein Fragebogen

FRAGE an ULRICH PLEITGEN: Worüber können Sie nicht lachen?
ANTWORT von ULRICH PLEITGEN: Ich kann nicht über den Schaden lachen, den jemand erleidet; den Spruch "Schadenfreude ist die schönste Freude" mag ich überhaupt nicht.
 
FRAGE: Was haben Sie zuletzt gekauft?
ANTWORT: Zu enge Jeans.
 
FRAGE: Welches Buch würden Sie nie weggeben?
Antwort: "Madame Bovary" von Gustave Flaubert.
 
FRAGE: Wann fühlen Sie sich am lebendigsten?
ANTWORT: In der Nähe meiner Frau.
 
FRAGE: Wovon haben Sie zuletzt geträumt?
ANTWORT: Das sage ich nicht. Ich möchte nicht, dass Traumdeuter an mir rumrätseln.
 
FRAGE: Welche Musik berührt Sie am tiefsten?
ANTWORT: Es gibt nicht nur "eine" Musik, die mich tief berührt. Mein Musikinteresse reicht von Bach bis unendlich. Mit der Literatur ist es genauso. Für lesende Menschen gibt es nicht nur "das" Buch.
 
FRAGE: Was finden Sie schwerer: anfangen oder aufhören?
ANTWORT: Das ist eine Frage, die man nicht beantworten kann, denn:
Es gibt nichts Schöneres als mit Essen und Trinken anzufangen, wenn man Hunger und Durst hat, und es fällt einem schwer, mit einem Buch aufzuhören, von dem einem jede Seite gefallen hat.
 
FRAGE: Woran glauben Sie?
ANTWORT: Ich glaube daran, dass sich eines Tages eine bessere Form menschlichen und sozialen Zusammenlebens entwickeln wird.
 
FRAGE: Gibt es für Sie einen Ort des Friedens?
ANTWORT: Alte, große Bäume; Eichen und Buchen bei Windstille. Wenn sich gar nichts bewegt.
 
FRAGE: Was, meinen Sie, war Ihre letzte gute Tat?
ANTWORT: In einer kniffligen - für mich sehr unangenehmen - Situation die Wahrheit gesagt zu haben.

FRAGE: Freuen Sie sich auf Ihr Leben als Rentner?
ANTWORT: Ein Rentnerleben wird es für mich nicht geben, weil für mich mein Beruf Berufung ist. Ein Komponist wird nie aufhören können zu komponieren, ein Schriftsteller nie aufhören können zu schreiben, ein Kunstmaler wird das Malen nie lassen und ich nie die Schauspielerei - solange ich Rollen bekomme, gesund bleibe und man mich sehen will.
 
FRAGE: Warum sieht man immer die gleichen Gesichter auf dem Bildschirm?
ANTWORT: Weil sie sich als Könner erwiesen haben und die Zuschauer sie sehen wollen.
 
FRAGE: Sollte man nicht dem Nachwuchs eine Chance geben?
ANTWORT: Ach, Sie meinen, man sollte einen Fünfundzwanzigjährigen engagieren, den man dann auf Sechzig schminkt, damit er meine Rollen spielen kann. Ich nehme niemandem die Arbeit weg. In meinem Beruf werden alle Altersklassen immer wieder gebraucht.

FRAGE: Woran glauben Sie?
ANTWORT: Ich glaube daran, dass sich eines Tages eine bessere Form menschlichen und sozialen Zusammenlebens entwickeln wird, denn immerhin haben die Menschen es schon bis zur Demokratie gebracht.

 

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