ULRICH PLEITGEN: "COOLE TYPEN SIND LÄCHERLICH!" - Resignierende Sprüche gefallen dem Fernsehstar gar nicht

Seit Beginn der neunziger Jahre gehört sein Charakterkopf zu den vertrauten Bildschirm-Gesichtern. Klassisches Profil, durch eine Cäsarenfrisur- das schüttere Blondhaar in die Stirn gekämmt- noch unterstrichen. Blaue Augen. Die große Gestalt auch im 51. Lebensjahr noch jugendlich schlank: Ulrich Pleitgen ist ein Mann, dessen Charisma sich kaum ein Zuschauer entziehen kann.

In dem Fernsehspiel "Das Ende eines normalen Tages" stellt der Vielgepriesene, der unisono zu den "besten Schauspielern der Republik" gezählt wird, wie Iffland-Ring-Träger Bruno Ganz über Pleitgen urteilt, einen Polizeibeamten dar. An dessen Geburtstag verknüpfen sich private Schicksale in seinem Umfeld auf tragische Weise.
Daß er jeder Rolle gerecht wird, hat Ulrich Pleitgen seit Beginn seiner Karriere bewiesen-egal ob als Lover oder Widerling, Richter oder Gangster, dem Fernsehpublikum ist er jedoch durch zwei Serien besonders vertraut.

In "See" war er der einfühlsame Verwalter, im Vorabendprogramm mit "Nicht von schlechten Eltern, der ebenso gelassene Vater. Zwei Parts, die eigentlich nicht das geringste mit dem privaten Pleitgen zu tun haben.
Denn, daß Coolness und Gelassenheit für ihn geradezu Schimpfwörter sind, ist schon legendär: "Coole Typen sind lächerlich und substanzlos!" betont der Mann, der lieber Emotionen rauslässt und auch zu seinem donnernden Jähzorn steht. Bei den Horden von aufgesetzten Berufsjugendlichen ist er ein " Privat-Jugendlicher" geblieben - im besten Sinne.

Sensibilität und Engagement sind ihm, der sich vehement für die Friedensbewegung eingesetzt hat, wichtig geblieben. Mit wachem Auge verfolgt er das Zeitgeschehen, resignierende Sprüche wie "früher war alles besser" sind ihm zuwider.
Quelle: Oberhessische Presse 1996