"ICH HABE KEINE TRAUMROLLE" - Der Schauspieler Ulrich Pleitgen über Theater, Film, Ausflüge ins Regiefach

Bis 1989 haben Sie am Hamburger Thalia-Theater gespielt, jetzt stehen Sie nur noch vor der Fernsehkamera. Wie kommt´s?

Ich habe das Vergnügen des "nahen Spiels" entdeckt, das Vergnügen an der Identifikation mit der Figur. Dieses Nahe - die Kamera sieht einen direkt an, und die Augen spielen mehr. Das ist das, was mich an diesem Medium interessiert. Nicht übersetzen zu müssen für die 22. Reihe, mal nicht vergrößern wie auf der Bühne. Im Grunde sehe ich keinen großen Unterschied zwischen Theaterspielen und Filmen. Nur: die Gefühle müssen echt sein. Wenn jemand wütend ist, dann muss er Zorn in sich erzeugen. Denn die Folgen einer Zornesaufwallung sind, dass die Augen dunkel werden und der Teint sich verändert, die Haut sich rötet. Diese Veränderungen sieht man, und sie erzählen sehr viel. Das hat mich gereizt an der Fernseharbeit.

Viele Schauspieler versuchen sich auch hinter der Kamera. Haben Sie auch Regie-Ambitionen?

Nein. Das ist mir zwar öfter angeboten worden, auch am Theater, aber ich habe dazu keine Lust. Das Spielen ist für mich die Krone der Sache. Wenn ich Regie führen würde, würde ich sicher immer lieber selbst spielen. Wahrscheinlich könnte ich es, aber es interessiert mich nicht.

Haben Sie eine Traumrolle? Etwas, das Sie schon immer spielen wollten?

Ich hatte eigentlich nie eine Traumrolle. Ich gehöre nicht zu denen, die davon träumen, irgendwann etwas zu spielen. Ich habe nur eine Sache, die mich sehr interessiert - das wäre die moderne Version der Geschichte des Don Quichotte. Das ist eine unglaubliche Figur, das würde ich gerne spielen.

Was machen Sie denn als nächstes?

Einen Film in Baden-Baden für den Südwestfunk. Es ist die Geschichte eines Mädchens, 15 Jahre alt, das seine erste Liebe erlebt und am Schluß an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Ich spiele den Vater, einen Physiker, einen Rationalisten, der meint, er hätte alles im Griff. Das ist eine Geschichte mit einem traurigen und trotzdem nicht hoffnungslos lassenden Drehbuch.Der Film heißt "Nana".
Interview: Sabine Weiß