Ulrich Pleitgen: "KEIN FILM SOLLTE OHNE HOFFNUNG SEIN"

Er nennt sich einen "Melancholiker", weil er eine "milde Trauer über den Zustand der Welt" empfindet. Trotzdem: Den Spaß am Job hat TV-Star und Modelleisenbahn-Fan Ulrich Pleitgen nicht verloren. In dieser Woche ist er wieder als eigenwilliger Ermittler im ARD-Krimi "K3 - Kripo Hamburg" zu sehen. Mit FUNK UHR sprach Pleitgen über Gewalt im Fernsehen, den Erfolg von Familien-Serien und warum seine Frau Ann-Monika so wichtig für ihn ist.

Seit über 2o Jahren sind Sie schon im TV-Geschäft. War früher alles besser, wie viele Ihrer Kollegen meinen?

So ein Quatsch. Das Fernsehen von heute ist eine bunte Wundertüte, in der jeder das Passende für sich finden kann. Das war früher nicht so.

Sie beobachten also keinen Niveau- und Werteverfall im Fernsehen?

In Ansätzen schon. Bei den "Reality Shows" etwa, in denen die Kandidaten Maden essen oder für 5o Euro Rolltreppen ablecken, hört für mich der Spaß auf. Das halte ich für absolut menschenverachtend!

Und wo fängt für Sie der Spaß an?

Ich mag Quiz-Sendungen unheimlich gern. Das ist für mich tolle, entspannende Fernseh-Unterhaltung.

Der "Tatort" sorgte in letzter Zeit wegen allzu brutaler Szenen für Aufregung. Was halten Sie von der Diskussion?

Manchmal sind brutale Szenen nötig, um ein gewisses Handeln moralisch bewerten zu können. Wenn allerdings, wie in vielen US-Filmen, Gewalt verherrlicht oder in verkitschter Form daherkommt, schalte ich ab.

Sind solche Filme eine Gefahr für junge Zuschauer?

Natürlich! Früher hieß es immer: Gewalt im Fernsehen entlaste die Psyche der jungen Menschen. Der Brutalo-Streifen als Aggressions-Ventil. Totaler Blödsinn! Das Fernsehen trägt eine Mitschuld an der Jugendgewalt. Deshalb bin ich auch dafür, harte Filme erst am späten Abend zu zeigen.

Ihre größten Erfolge feierten Sie nicht mit Krimis, sondern mit Serie wie "Nicht von schlechten Eltern" und "Familie Dr. Kleist". Womit erklären Sie sich die Beliebtheit solcher Serien?

Die Familie ist das Herz unseres Lebens, hier spielen sich die wahren Tragödien ab: Ehen zerbrechen, Verwandte sterben ... Im Unterschied zum wirklichen Leben aber gibt es bei der TV-Familie meist ein Happy End. Und dafür sind die Zuschauer dankbar. Das ist also kein Kitsch, sondern ein Fünkchen Hoffnung. Und ohne die sollte kein Film gemacht werden.

Sie sind seit 1975 mit Ihrer Frau zusammen. Wie viel Kraft schöpfen Sie aus Ihrer Ehe?

Sehr viel! Ich liebe Ann-Monika nicht nur, weil sie ungemein weiblich ist - sie ist auch unglaublich selbstbewußt und ein Riesenorganisationstalent. Deshalb ist sie nicht nur meine Ehefrau, sondern auch meine Managerin. Sie behält den Überblick und achtet auf mich. Ohne sie wäre ich ziemlich aufgeschmissen ...
Quelle: FUNK UHR / 2004