Im Landglück

Tief atmet Ulrich Pleitgen die laue Frühlingsluft ein und blickt dabei über den riesigen Garten, den er und seine Frau Ann-Monika seit 1997 ihr eigen nennen. Weit draußen vor den Toren Hamburgs, inmitten einer Wald- und Heidelandschaft, hat sich das Ehepaar einen Traum erfüllt und ein wunderschönes Reetdachhaus auf einem traumhaften Grundstück erworben. Fast ein Jahr lang wurde gewerkelt und gebaut, bis alles renoviert war und ihren Vorstellungen und Wünschen entsprach. Mit viel Liebe und Sorgfalt richteten die beiden ihr neues Heim ein und fühlen sich sehr wohl dort. "Dies ist unser Refugium", schwärmt der TV-Star, "wir lieben beide die Natur und genießen die herrliche Umgebung." Besonders freut sich das Paar über den netten Kontakt zu den Nachbarn, die allerdings in einiger Entfernung wohnen, vielen Dorfbewohnern und dem Revierförster, der auf seinem Rundgang gern mal bei Pleitgens vorbeischaut.
"Unsere Wohnung in Hamburg und dieses Häuschen hier sind zwei Pole, zwischen denen wir hin- und herpendeln. Sind wir in der Großstadt, sehnen wir uns nach der Ruhe in der Natur und wenn wir einige Tage auf dem Land verbracht haben, freuen wir uns schon wieder auf den Betrieb in der Stadt." Eines weiß der Schauspieler inzwischen aber ganz genau: "Hier draußen vereinfacht sich das Leben. Man bekommt einen mikroskopischen Blick für die Natur. Man beobachtet jedes kleine Tierchen, lauscht einzelnen Geräuschen. Vor ein paar Nächten haben wir einen Fuchs bellen gehört. Nachts kommen Rehe und Wildschweine auf unser Grundstück, das übergangslos - ohne Abzäunung - in Wald übergeht." Ulrich und Ann-Monika haben sich zu wahren Naturkennern gemausert. Schon aus einiger Entfernung erkennen sie, ob der am Himmel kreisende Greifvogel ein Falke oder ein Bussard ist.
"In der Stadt gibt es ja auch viel Grün, schöne Parkanlagen, aber da sieht man alles als Ganzes. Im eigenen Garten beobachtet man das Wachstum jeder einzelnen Pflanze." Mit großer Leidenschaft gibt sich der Künstler, der einer Sägewerksfamilie entstammt, der Gartenarbeit hin.
"Ulrich hat den Garten ganz allein vom sperrigen Unterholz befreit", lobt Ann-Monika ihren Mann.
"Wenn ich körperlich hart arbeite, merke ich, wie der Kopf frei wird. Das ganze Denken vereinfacht sich. Viele Dinge sieht man plötzlich von einer ganz anderen Warte aus", erzählt Ulrich. - Sogar die Rollen lassen sich in der frischen Luft gut lernen. Zwischen Birken und hochstämmigen Rosen wird kurzerhand ein Notenpult mit Drehbuch platziert. Während Ulrich Pleitgen dann mit Spaten, Harke und Säge der Waldgartenarbeit nachgeht, rezitiert er seinen Text und hat die Textvorlage immer in greifbarer Nähe. "Die praktische Arbeit ist ein schöner Ausgleich zum Beruf", betont der vielbeschäftigte Mime. "In dem Mehrteiler "Kap der Guten Hoffnung" habe ich als Gegenspieler von Christian Wolff in der Rolle des "Parker" endlich mal wieder so einen richtig fiesen Typen darstellen dürfen, einen Abenteurer, Betrüger, ein Schlitzohr.
Gebrochene Charaktere wie z. B "Parker" sind schauspielerische Herausforderungen. Außenseiter sind hochinteressante Figuren; die spiele ich sehr gern."
Nach seiner Paraderolle als Kapitän Schefer in der ARD-Vorabendserie "Nicht von schlechten Eltern" ist der Star keineswegs serienmüde geworden. Zurzeit allerdings ist Ulrich Pleitgens Terminkalender randvoll, so dass er sogar das Angebot, den Berliner "Jedermann" zu spielen, aus Zeitgründen ablehnen mußte.
Bei längeren Dreharbeiten ist seine Frau Ann-Monika immer dabei. "Natürlich nicht direkt am Drehort, nicht am Set, aber immer in der Nähe. Es ist ein wunderbares Gefühl, wenn man nach der Arbeit ins Hotel zurückkehrt und Ann-Monika auf mich wartet. Dann fühle ich mich zu Hause, egal ob in Südafrika oder Singapur. Und sie ist eine Frau, die sich nie langweilt. Sie schreibt und liest sehr viel, ist immer beschäftigt. "Der lesende Mensch langweilt sich nicht." sagt sie."
Die beiden sind immer noch so verliebt wie am allerersten Tag. "Ich möchte nicht ohne meine Frau sein", bekennt er und nimmt sie zärtlich in den Arm. Er hat grenzenloses Vertrauen in sie. Er weiß, er kann sich auf sie verlassen.
"Als ich bei der Notarin den Kaufvertrag für dieses Haus unterschrieben habe, hatte ich es noch nicht ein einziges Mal gesehen", lacht er. "Sie hat es ganz alleine besichtigt und ausgesucht. Ich habe ihr blind vertraut. Die gesamte Einrichtung hatte sie auch schon! Über Jahre gesammelt und in einem kleinen Lager untergestellt. "Ich hab´ was für´s Landhäuschen gefunden, das wir uns später mal kaufen und hab´ das schon mal in meinem "Heimlichen Lager" untergestellt." sagte sie öfter mal zu mir. Und als sie das Häuschen dann nach überraschend kurzer Suche gefunden hat, da passte die gesamte Einrichtung - von den Sesseln und Schränken und Tischen und Betten bis zur sogenannten Küchen"zeile" - hinein, als hätte sie die Räumlichkeiten des Hauses seit Sammlerbeginn ( fünf Jahre zuvor! ) gekannt."
Und im Nachhinein hat sich Ann-Monikas Entscheidung als goldrichtig erwiesen, denn vom ersten Blick an war er verliebt in das Häuschen, in die Eichen und lichten Birken, in die knorrigen Kiefern und in den weiten Blick über die Wiesen und Felder.
"Ich bin glücklich und zufrieden mit dem, was das Leben mir geschenkt hat", sagt Ulrich Pleitgen. "Ich komme aus wirtschaftlich schwierigen Verhältnissen, das vergesse ich nie. Darum kümmere ich mich um Menschen, die es nicht so gut haben wie ich."

 

Einen Schreck bekamen Ulrich Pleitgen und seine Ehefrau Ann-Monika, als sie nach einem Auslandsaufenthalt in ihrem Landhaus bei Hamburg nach dem Rechten sehen wollten: Mäuse hatten sich über Polstermöbel, Kleidungsstücke und Lebensmittel hergemacht und alles angenagt. Mit Dichtungsmasse und Fallen konnte das Paar dem tierischen Treiben ein Ende setzen.
Quelle: Neue Welt / 2001