Ulrich und Ehefrau Ann im Heidehaus

Er ist der "Mann der vielen Charaktere": Ulrich Pleitgen schlüpft als Schauspieler in die unterschiedlichsten Rollen - vom "guten Geist der "Familie Dr. Kleist" bis hin zum undurchsichtigen Kommissar Sander in "K3 - Kripo Hamburg" - beherrscht er die komplette Bandbreite. Privat steht er mit beiden Beinen fest auf der Erde. Er ist ein offener, gerader Mann.

"Es gibt Unmengen von "Fernsehstars"", meint Ulrich Pleitgen. "Dieser Begriff wird so inflationär verwendet, dass ich mich wirklich nicht darüber freuen kann, wenn man mich als "Star" bezeichnet. Natürlich freut man sich als Schauspieler, wenn man vom Publikum erkannt wird! Das ist der beste Beweis für den eigenen Erfolg. Aber deswegen würde ich niemals die Nase hoch tragen! Schauspiel ist Talent und Handwerk, das man erlernt hat. Also so gesehen, ein Beruf wie jeder andere auch."

Und dieser Beruf macht Ulrich Pleitgen unheimlich Freude. Seit  35 Jahren ist er im Geschäft und absolut glücklich!  Er hat durch seinen Beruf schon die ganze Welt gesehen und es vergeht kaum eine Woche, in der Ulrich Pleitgen nicht vor irgendeiner Kamera steht oder zumindest eine Lesung auf dem Terminplan hat. Augenblicklich dreht er die 3. Staffel "Familie Dr. Kleist".

"Ich spiele einen extrovertierten Apotheker", beschreibt Ulrich Pleitgen seine Rolle. "Einen Eisenacher Hausbesitzer, der als guter Geist einer Patchworkfamilie fungiert. Diese Rolle ist ein wunderbarer Ausgleich zum introvertierten Kommissar Sander in "K3-Kripo Hamburg". Genau dieser Rollenwechsel begeistert mich. Ich steige total in die Charaktere ein und versuche, sie vor der Kamera zu leben. Das ist eine psychisch und  physisch anstrengende Arbeit."

Mittlerweile ist Ulrich Pleitgen 58. Wie schafft er diese körperliche Belastung?

"Holzhacken, regelmäßig Sport mit dem Expander und viel in der frischen Luft." lautet sein Rezept. "Ansonsten interessiert mich das Alter nicht. "Alter" findet im Kopf statt. Manche sind schon mit 3o alt. Was interessiert mich die Zahl, solange es mir gut geht und ich voll einsatzfähig bin? Da gibt es andere Themen, über die ich nachdenke: Zum Beispiel die augenblickliche Lebenssituation der Menschen in Deutschland. Die Wertvorstellungen gehen den Bach runter. Alle denken nur noch an sich selbst. Aufrichtigkeit und soziales Denken finden kaum noch statt. Politik und Wirtschaft fühlen sich nicht verantwortlich. Die Menschen geraten in Arbeitslosigkeit und verlieren das Vertrauen in die Demokratie, wenn sie auch noch zusehen müssen, wie man sich in manchen "oberen Etagen" skrupellos bereichert."

Ob im Gespräch mit Politikern, seinen Fernsehbossen oder den Nachbarn, Ulrich Pleitgen sagt in jeder Situation, was er denkt. Aber natürlich achtet er darauf, nicht taktlos und verletzend zu sein. Er will sich nicht verbiegen lassen, er hängt sein Fähnchen nicht nach dem Wind, er möchte unbestechlich sein. Dafür schätzen ihn die Zuschauer, das strahlt er aus in seinen Rollen. Er hält seine Werte hoch, auch wenn es erschreckt, wieviele von ihnen in dieser Gesellschaft auf der Strecke bleiben. Die Scheidungsrate steigt in der Republik - doch Ulli Pleitgen lebt vor, dass es auch anders geht: Seit 1975 ist er mit seiner Ann-Monika zusammen, seit 1981 mit ihr glücklich verheiratet. Sohn (llja aus Ann-Monikas erster Ehe mit dem Schauspieler Folker Bohnet, ist 37 Jahre alt und promovierter Physiker bei DESY in Hamburg. Wie führt man bei diesem unsteten Schauspielerleben eine gute Ehe?
 
"Treue, Verantwortung und Zuverlässigkeit sind die wichtigen privaten Dinge, wenn man einen so windigen Job ausübt", meint er. "Ich denke auch, dass man als Schauspieler gerade einen großen Hang zur privaten Sicherheit hat, weil man chronisch die beruflich unsichere Zukunft sieht. Abgesehen davon muss aber in erster Linie die Mischung stimmen. Auch wenn viele Menschen sagen "Gegensätze ziehen sich an", glaube ich an diese These nicht. Das ist zwar anfänglich sehr aufregend und interessant, aber später stellt man fest, dass in einer erfolgreichen Ehe mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze notwendig sind!"

Ein von vielen Gemeinsamkeiten ist für die Pleitgens ihr Häuschen in der Heide. Als Stadtmenschen leben sie gern in der Hamburger City, doch ohne Landluft kommen sie auch nicht aus. Vor sieben Jahren fand das Ehepaar ein niedliches kleines Reetdachhaus und machte sich den Traum wahr. Mit viel Liebe ließ man renovieren, ausbauen und Ulrich Pleitgen bewies, dass er auch ein guter Gärtner ist!"

"Ich fege regelmäßig den Wald", schmunzelt er und blickt stolz auf  einen Hektar gepflegtes Unterholz. "Das ist viel Arbeit und viel Erfahrung! Ich musste zum Beispiel bitter lernen, dass ich nur hochstämmige Rosen anpflanzen kann, die anderen fressen die Rehe alle weg!"

Wenn Ulrich Pleitgen und seine Frau morgens vor die Tür treten, dann sehen sie das Wild wechseln und die Hasen flitzen. Ausgleich zum Stadtleben und Rückzug vom Showbiz?

(Ulrich im Landhäuschen mit einer BLEREOT. Das Modell hat vor Jahren Sohn Ilja gebaut.)

"Ohne Stadt könnten wir nicht und nach einer Woche auf dem Land müssen wir auch wieder zurück", erklärt Ulrich Pleitgen. "Aber vermutlich hat man als Großstadtmensch einen besondere Bezug zur Natur. Sie wird zum Anziehungspunkt, die echte Natur ist eben kein Stadtpark! Und so ein bisschen bin ich von der Familie mütterlicherseits vorbelastet - ursprünglich wollte ich ja einmal Förster werden!

Hat glücklicherweise nicht geklappt, sonst müsste der Zuschauer auf einen der besten Künstler verzichten, die das Deutsche Fernsehen zur Zeit zu bieten hat! Aber es gibt ja glücklicherweise "Försterrollen". Wie sieht's aus Herr Pleitgen? Wird die nächste Serie im Forstwald gedreht?

"Nö!", winkt Ulrich Pleitgen lachend ab, schnappt sich Kettensäge und Beil, um damit im Gehölz zu verschwinden. Christian Pantel