"Mir kommen die besten Ideen, wenn ich gehe", sagt Ulrich Pleitgen. "Im Gehen lerne ich auch immer meine Texte". Was schon zu Irritationen führte: Einmal, Pleitgen hatte eine seiner ersten Filmrollen bekommen, wurde er um Haaresbreite von einem Polizisten in Gewahrsam genommen, als er auf dem Spaziergang laut vor sich hin sprach. "Ich war im Berliner Tiergarten, da kam so ein Schupo auf mich zu und sagte: Entschuldigen Sie, sind Sie eine hilflose Person? Ich erklärte es ihm, er sagte: Dann nischt für unjut und ging weiter. Das passiert heute kaum noch. Die Leute wissen, wer ich bin. Ich werde also nicht mehr für einen Irren gehalten", schmunzelt Pleitgen. Rollen, mit denen er sich im Gehen auseinandersetzen kann, hat er längst zur Genüge, auch solche, die ihm richtig liegen. Wie zum Beispiel in "Amokfahrt zum Pazifik", der in Kanada für die ARD gedreht wird. Er spielt einen Lokomotivführer, der mit einer Inuit verheiratet ist und ein Kind hat. Während einer Fahrt stellt sich heraus, daß das Kind nicht von ihm ist, und er dreht durch. "Ich liebe Lokomotiven. Es ist nicht so leidenschaftlich, wie es klingt, aber ich kenne mich sehr gut mit Dampfloks aus und sammle Spur-Eins-Modelle.
Quelle: Randnotizen/ Stern / Juni 1999