SCHWIERIGKEITEN MIT DER REVOLUTION - DER REGISSEUR HANS HOLLMANN INSZENIERTE "DIE AUFGEREGTEN VON GOETHE" IM SCHLOSSPARK -THEATER 1971

By: SCHLOSSPARK -THEATER Berlin

Der Zürcher Adolf Muschg, Jahrgang 1934 und an der heimischen Universität tätig, hat ein Stück aus der Versenkung geholt und es in intelligenter und köstlicher Zubereitung "theaterfähig" gemacht. Autor der fragmentarischen Vorlage ist unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe, der in seinen "Aufgeregten", geschrieben 1793, die Französische Revolution zum Vorfall nahm und ihre möglichen Auswirkungen auf Deutschland sozusagen dramatisch ausprobierte.
 
Er kam nicht zu Rande, sein politisches Drama in fünf Aufzügen blieb unfertig, versank in der Vergessenheit, was nicht weiter schlimm gewesen wäre. Muschg nun hat diesen abgebrochenen Versuch in Sachen Revolution aufgenommen, bearbeitet, ergänzt.
 
Das Stück spielt in einem kleinen deutschen Ländle. Die Revolution strahlt, wenn auch milde, vom Nachbarn herüber. Bauern fordern Erfüllung von ihrer Gräfin gegebener Versprechungen.
Der Barbier und Chirurgus des Ortes (Thomas Holtzmann) wird für die ungelenken Aufmüpfigen zum Anwalt. Die Gräfin (Eva Katharina Schultz), gerade aus Paris heimgekehrt, berauscht von den Ereignissen - theoretisch natürlich - gibt sich leutselig, lädt die Aufrührer aufs Schloß, preist die Revolution  als wundervolles Erlebnis, zeigt sich aber harthörig, sobald die Gäste schüchtern an ihre eigenen Belange erinnern. Erst nach langen Rankünen erhalten die bäuerlichen Untertanen ihr verbrieftes Recht. Und schon ziehen sie selig ab.
 
An die Macht, die ihnen durch einen massierten Aufstand zugefallen wäre, wagen sie nicht einmal zu denken.Die Revolution findet nicht statt.
 
(Ausschnitt aus: DER ABEND Ingeborg Keller/ 1971)
 
Ulrich Pleitgen war in "Die Aufgeregten von Goethe" ein junger revolutionärer Hitzkopf.

Ingeborg Keller schrieb über ihn:
Ulrich Pleitgen spielte sehr eindrucksvoll den Revolution erfolglos predigenden Magister.