DAS FRIEDENSFEST 1974

By: Berliner Schloßpark-Theater

Das Berliner Schloßpark-Theater, das zum Berliner Schiller-Theater gehörte wie dessen Werkstatt, brachte im Mai 1974 "Das Friedensfest" von Gerhard Hauptmann heraus. Regie führte Harald Clemen. Ulrich Pleitgen spielte Wilhelm Scholz.

Vor unseren Augen passiert - so der Untertitel - "eine Familientragödie". Schauplatz ist ein Landhaus bei Berlin an einem Weihnachtsabend: man erwartet die Rückkehr eines verlorenen Sohnes. Wilhelm Scholz hat vor Jahren nach einem Streit mit seinem Vater das Haus verlassen, wie übrigens auch der Doktor Scholz selbst. Dass der junge Mann jetzt Mutter, Schwester und Bruder besucht, geschieht auf das Betreiben einer Frau Buchner, mit deren Tochter Ida er verlobt ist. Noch vor Wilhelms Eintreffen kehrt unerwartet der Vater zurück, ein Greis, den ein Verfolgungswahn durch halb Europa getrieben hat. Als der Sohn erscheint, regt ihn der Eintritt in das verhaßte Elternhaus, den Ort einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Vater, sehr auf, und als er den Alten kniefällig um Verzeihung bittet, fällt er gar in Ohnmacht. Schon sieht es so aus, als habe man endlich allerseits Frieden geschlossen - die Damen Buchner singen gerade "Ihr Kinderlein kommet", da löst eine ironische Bemerkung von Wilhelms Bruder einen neuen Streit aus, der sich zu solcher Heftigkeit steigert, dass Vater Scholz droht, das Haus wieder zu verlassen, und, von Wilhelm daran gehindert, nun seinerseits in Ohnmacht fällt. Am Ende hat ihn die Aufregung getötet.

Die einzig interessanten Figuren von Stück und Aufführung sind Wilhelm Scholz und sein Bruder, Ulrich Pleitgen und Holger Madin; Madin strahlt einen miesen, fiesen, sehr plausiblen Zynismus aus, während Pleitgen dieser Glätte eine Vielzahl von Varianten der Nervosität und Hektik entgegensetzt. Und doch - selbst mit dieser reichabgestuften Palette kann er nicht verhindern, dass der Gesamteindruck monochrom ausfällt.
Quelle: Ausschnitt aus dem Berliner Tagesspiegel Günther Grack 10.Mai 1974

Ausschnitt aus der Frankfurter Rundschau zu Gerhart Hauptmanns "Friedensfest" im Schloßfest-Theater:

Dass Wilhelm und seine Ida doch noch Hand in Hand ins Sterbezimmer des Alten schreiten, kann man als Trotzreaktion gegen Vererbungs-und Milieu-Theorien des jungen Hauptmann (das Stück entstand 1889, der Dramatiker war also gerade siebenundzwanzig Jahre alt) deuten und als resignierten Hinweis, darauf, dass sie sich schon auch noch an die Zanktradition gewöhnen werden.

Die heikle Rolle des Wilhelm spielte Ulrich Pleitgen genau auf dem Grat zwischen Lächerlichkeit und tiefem Gefühl, auf dem am schwersten zu belancieren ist.
Quelle: Frankfurter Rundschau Roland H. Wiegenstein 1974