EIN SOMMERNACHTSTRAUM VON WILLIAM SHAKESPEARE / 1977 REGIE: WILFRIED MINKS SCHAUSPIELHAUS FRANKFURT

By: SCHAUSPIELHAUS FRANKFURT

Fotos: Mara Eggert

Theaterkritiken (Ausschnitte) zu Shakespeares >Mittsommernachtstraum< - inszeniert von Wilfried Minks am >Schauspiel Frankfurt<.

Vierzehn Minuten rauschender Beifall im Schauspiel Frankfurt! Wilfried Minks, der Gastregisseur, erstmals in Frankfurt, hat´s fertiggebracht mit seiner Inszenierung von Shakespeares >Mittsommernachtstraum< in der neuen Übersetzung von Johannes Fein. Der Jubel kündigte sich schon während der Vorstellung an, die immerhin dreieinhalb Stunden dauert: in der gesammelten Aufmerksamkeit, im bereitwilligen, doch keineswegs überbordenden Szenengelächter.
Die Aufführung zielt ins Publikum und trifft. Ein Theater, das derart gefeiert wird, darf seine Arbeit mit Selbstvertrauen fortsetzen.
Quelle: NEUE PRESSE / Rainer Hartmann / 5. Dezember 1977

Ulrich Pleitgen spielt sowohl Theseus, den Herzog von Athen, als auch Oberon, den König der Elfen, und Marlen Diekhoff die Amazone Hippolyta und im Elfenreich die Titania. Minks versucht da eine Spiegelung: Die Wiederkehr des Herrscherpaares in der phantastischen Welt der Waldgeister. Die ungewöhnliche Doppelung ist ein Einfall, der hinsichtlich der Handlungsebenen integrierend wirkt und einen zusätzlichen Spielreiz schafft, indem er die beiden Schauspieler in drastische Verwandlungen zwingt. Wie die Diekhoff aus einer wilden, schwarzen Amazone zu einer rothaarigen, ordinären,prallen Titania wird und wie Pleitgen sich aus einem attischen Jüngling in einen hüpfenden Waldschrat verwandelt - das entschädigt dann doch einigermaßen für den natürlich unvermeidlich geringeren Kontrast zwischen der Welt bei Hof und dem Wald (in dem Minks die Geister eher zurückhält).
Quelle: FRANKFURTER RUNDSCHAU / Peter Iden / 5. Dezember 1977

Wie Peter Brooks in seiner legendären englischen Inszenierung legt Regisseur Minks die Rollen von Theseus und Oberon (Ulrich Pleitgen) und Hippolyta und Titania (Marlen Diekhoff) zusammen. Das Vorspiel am Athener Hof bringt dafür logische Begründungen: In eine Decke verpackt und an einem langen Strick gefesselt, verharrt Hippolyta kauernd am Boden. Theseus hat dieselben Besitz- und Machtansprüche wie Oberon. Sein Raub der Amazonenkönigin, deren Liebe er sich in einem hier sichtbar gemachten Kampf erzwingt, verstört die (gesellschaftliche) Ordnung ebenso wie der Streit Oberon - Titania die Ordnung in der Natur.Beide Vorgänge korrespondieren nicht nur miteinander, sondern sind auch deckungsgleich in ihren Auswirkungen. Man kann auch sagen: Oberon und Titania spiegeln die unbewußten Empfindungen und Handlungen von Theseus und Hippolyta.
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung / Gerhard Rohde / 5. Dezember 1977