Wo immer die Frage nach dem "Buch des Jahres 2oo2" gestellt wurde, und wer sie auch gestellt hat: Immer landet der Roman "Korrekturen" des amerikanischen Autors Jonathan Franzen (43) auf dem ersten Platz - in den USA ebenso wie in Großbritannien, Deutschland und fast allen anderen Ländern Europas. Die berühmte Zeitschrift "The New Yorker" hat Franzen unter die "Twenty Writers for the 21th Cenury" gewählt.
Aus diesem Roman las Ulrich Pleitgen, der als Schauspieler eine seinerseits beispielhafte Karriere vorzuweisen hat, in der Reihe "Kultur im Tortenstück". Nach Engagements am Berliner Schillertheater, den Schauspielhäusern in Basel, Frankfurt und Bochum, dem Staatstheater Stuttgart und bis 1985 am Hamburger Thalia-Theater war er in ungezählten TV-Filmen und -Serien zu sehen. Über seinen Wechsel von der Bühne zum Fernsehen sagte Pleitgen: "Mich reizt beim Filmen, dass keiner die Rollen spielt, die ich spiele, vor mir gespielt hat. Jede Rolle ist meine Rolle. Und auch nach mir wird sie keiner spielen."
Franzen erzählt in seinem Roman "Die Korrekturen" eine Familiengeschichte aus dem heutigen Amerika, knüpft dabei jedoch an die Erzähltradition des 19. Jahrhunderts an: Entstanden ist ein Panorama der Welt im Umbruch, gleichermaßen hochkomisch und brutal, sarkastisch und zart.
In die Familiengeschichte eingeflochten sind Themen unserer Tage: Gentechnik und Aktienboom, Internetrevolution und die Tyrannei der Political Correctness.
Quelle: Kultur im Tortenstück
Martin Krumbholz schrieb in der "Frankfurter Rundschau" über Franzen und sein Buch:
"Dieser Roman erprobt seine erfinderische Kraft im Individuellen. Nichts macht den Leser ungeduldig. Es sind fünf Lebensgeschichten, die nicht bzw. allzu gut zueinander passen; fünf Kapitulationen vor einer üppig instrumentierten Wirklichkeit."
Quelle: Frankfurter Rundschau
Ulrich Pleitgen las Korrekturen
Bei BÜCHER KÖNDGEN in Wuppertal Elberfeld las Ulrich Pleitgen aus dem viel gerühmten Roman und internationalen Bestseller KORREKTUREN von Jonathan Franzen und stellte damit das gleichnamige Hörbuch aus dem Heyne Verlag vor.
Ulrich Pleitgen, vielen als Schauspieler in zahlreichen Fernsehproduktionen ("Künstlerpech", "Nana", "Nicht von schlechten Eltern" u.v.a.) bekannt, hat seit einiger Zeit das Sprechen von Hörbüchern für sich entdeckt.
Seine neueste Hörbuch-Produktion ist "Korrekturen". Mit "Korrekturen" hat der Autor Jonathan Franzen sein erstes großes Prosawerk vorgelegt und gleich einen Welterfolg damit erzielt.
"Korrekturen" gehört zu den erfolgreichsten neuen Büchern junger amerikanischer Autoren.
Hörbücher genießen wachsende Beliebtheit auch bei Leseratten. Denn es ist kein Zeichen von Faulheit, sich ein Buch lieber anzuhören. Wer freut sich nicht daran, sich vorlesen zu lassen. Aber sicher liegt auch ein Teil des Erfolges an der knapp bemessenen Lesezeit, die man im Alltag aufbringen kann. Da ist ein Hörbuch im Auto oder in der Bahn eine willkommene Abwechslung.
Quelle: Rathausgalerie Elberfeld/2002
DIE FEHLER DER ELTERN POTENZIEREN SICH BEI DEN KINDERN
Ulrich Pleitgen las "Die Korrekturen" von Jonathan Franzen und zeichnet das Bild einer "normalen" amerikanischen Familie
Man kann ein Diktat korrigieren, eine Klausur, einen Text. Ein Leben?
Dieser Frage geht Jonathan Franzen in seinem Roman "Die Korrekturen" nach. Und es wird von Anfang an deutlich, wie die Antwort auf diese Frage lautet: Gary, Chip und Denise können die Lebensläufe ihrer Eltern nicht "korrigieren"; die Fehler, die die Eltern gemacht haben, potenzieren sich bei den Kindern.
Ulrich Pleitgen las im Harenberg City-Center aus dem 780 Seiten starken Erfolgsroman des US-amerikanischen Autors. Wo Franzen ein treffendes Porträt einer "normalen" amerikanischen Familie zeichnet, wo er jedem Familienmitglied individuelle Züge verleiht, da zeichnet Pleitgen mit schauspielerischen Mitteln ein farbiges, ein äußerst lebendiges Bild nach. Es ist eigentlich mehr als ein Nachzeichnen, Pleitgen gibt den Figuren neue Dimensionen, haucht ihnen Leben ein. Manchmal realistischer, als man es sich wünschte: Wenn Alfred in der Wohnung seines Sohnes versucht, sich ein von der Tochter (Besitzerin eines Feinschmeckerlokals) liebevoll zubereitetes Aperitifhäppchen in den Mund zu schieben, sich dabei verzweifelt über die Auswirkungen seiner Parkinson-Erkrankung hinwegsetzend, fühlt sich der Hörer fast unangenehm berührt.
DIE HOFFNUNG MACHT DAS BUCH INTERESSANT
Doch es sei vor allem die Hoffnung, die den Personen noch innewohnt, die das Buch für ihn interessant machten, so berichtet der Schauspieler nach der Lesung.Im Gegensatz zu deutschen Autoren habe hier die Hoffnung noch breiten Raum. Und der Roman vermittle ein etwas anderes Bild der amerikanischen Gesellschaft, abseits von Profitgier und Machtbewusstsein. Ein Bild, das gerade in den heutigen Tagen sehr wichtig sei.
Quelle: WAZ - Westdt. Allgemeine / MLG / 19. Februar 2003
Ulrich Pleitgen liest aus "Die Korrekturen"
BESUCH AUS DEM MITTLEREN WESTEN IN NY
Den "Allesspieler" hat der "Tagesspiegel" den Bühnen-, Film- und Fernsehkünstler Ulrich Pleitgen mal genannt. Das Publikum der Reihe "Kultur im Tortenstück", veranstaltet von WR, Bücher Krüger und Harenberg City-Center, erlebte Pleitgen jetzt als den "Allessprecher".
Pleitgen las aus jenem Werk, das aus dem Vorjahr als "Buch des Jahres 2002" hervorgegangen ist: aus Jonathan Franzens "Die Korrekturen". Den 780 Seiten-Text, den so mancher am liebsten nie mehr aus der Hand legen wollte, also ein Buch mit Sog- und Saugwirkung, müsste der Schauspieler fast auswendig kennen - Pleitgen hat eine Zehn-CD-Version "eingelesen". Eine mit vielen Rollen, vielen Sprachen.
Pleitgen also in der Rolle gleich einer ganzen
amerikanischen Familie!
Hier ist es jene Szene aus dem ersten Teil, in der die Lamberts, Enid und Alfred aus dem mittleren Westen, auf dem New Yorker Flughafen La Guardia eintreffen, um ihren Sohn Chip zu besuchen, ehe sie auf Kreuzfahrt gehen.
Doch Alfred leidet an der Parkinsonschen Krankheit, ist geh-,sitz- und sprachgehindert. Enid befleißigt sich einer dominanten Form der Mütterlichkeit - benutzt Wendungen wie "Hattest du nicht gesagt, Al?" Und Chip, dem dieser Besuch höchst ungelegen kommt, hat eine ganze Menge Probleme. Die Freundin zieht aus, und die Mutter hat überall verbreitet, ihr Junge arbeite beim "Wall Street Journal", was einfach ein Hörfehler war, den Chip nicht korrigieren (!) mag. Kommt noch Denise, die Lambert-Tochter, hinzu, die mitleidlos ausspricht, was Chip verbergen möchte.
Ein ganzes Gesellschaftsdrama, das sich da abzeichnet; tragisch mit komischen Zügen; oder komisch mit tragischem Untergrund. Auf jeden Fall für einen sprachgewandten Schauspieler wie Pleitgen ein gefundenes Fressen.
"Oh ja", sagt er im anschließenden Gespräch, "oh ja, ich lese schauspielerisch", was so klingt wie : "Wie sollte ich auch anders?"
Seine Rolle als Vorleser reflektiert er sehr wohl. Es gibt Leute, weiß er, die unbedingt selbst lesen wollen; und solche, die gerne zuhören: "Sonst wären Sie ja gar nicht hier", sagt er zu seinem Publikum.
Aber was heißt "schauspielerisch lesen"? Nicht nur, die Stimmlagen zu wechseln; Pleitgen greift auch dem Text voraus, fasst sich ans Ohr, noch ehe Mutter Enid den Sohn Chip fragt, was er mit seinem (verletzten) Ohr gemacht hat. Er phrasiert und setzt Zäsuren, die nur über seine Präsenz funktionieren. Und im Gespräch danach, das er lieber stehend absolviert, macht er auch mal den typischen Amerikaner: den Cowboy, der Hi! sagt. Schauspielerisch.
Quelle: WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU / Rainer Wanzelius / 18. Februar 2003
KOSMETIK FÜR DIE
MACKEN DER SEELE
Ulrich Pleitgen las aus "Die Korrekturen"
Wie Harry Potter hat der dritte Roman des US-Autors Jonathan Franzen die Literaturfreunde in den USA und Europa verzaubert. Die große Sogwirkung von "Die Korrekturen" hat die erfrischend untypisch amerikanische Familiensaga im Nu zum Buch des Jahres 2002 gemacht.
"Dieser Roman gehört zum Humorvollsten, Empfindsamsten und Klügsten, was ich in den letzten drei, vier Jahren gelesen habe", freute sich Ulrich Pleitgen am Sonntag bei seiner Lesung aus dem Kultbuch im Harenberg-Haus. Aus dem Mund des Schauspielers, der dabei ist, zum "Vorleser der Nation" zu werden und betont "Ich lese gern. Und ich lese gerne vor", ist das ein besonderes Lob.
Kaum einen Schauspieler könnte man sich besser vorstellen, Franzens fünf so grundverschiedenen Familienmitgliedern die Stimme zu leihen als den Schauspieler Pleitgen. Man nimmt ihm vor der Fernsehkamera sowohl den treusorgenden Familienvater als auch den zynischen Halunken ab.
Pleitgen liebt seine Figuren, mit all ihren Schwächen und kleinen Schönheitsfehlern in den Lebenskonzepten, an denen sie 780 Buchseiten lang "Die Korrekturen" vornehmen müssen. Den parkinsonkranken Vater Alfred ebenso wie die resolute Mutter Enid, die gerne ein wenig auf die feine Gesellschaft schielt, und die drei erwachsenen Kinder: Banker Gary, den fantasievollen Chip, hinter dem sich der Autor versteckt, und Tochter Denise, die Spitzenköchin.
Mitgefühl klang in Pleitgens Stimme mit, lächerlich machte er die Figuren nie, höchstens überspitzte er die Charaktere ein bisschen, besserte die kleinen Fehler in den Seelen aber sofort mit liebevollem Ton wieder aus.
Mit den Fingern der rechten Hand fuhr Ulrich Pleitgen die Zeilen seines Manuskriptes ab, mit der linken Hand betonte er die Worte mit Gesten. Die vielen Zwischentöne, die Franzens fantasievolle Sprache so lebendig machen, fand Pleitgen zwischen den Zeilen, in den Herzen der Figuren.
Viel mehr als theatralisches Kammerspiel als Lesung war die Stunde mit dem Schauspieler, der immer wieder den Blickkontakt suchte - auch mit seiner Mimik so intensiv spielte, wären zwischen den Sitzreihen lauter Fernsehkameras versteckt.
Quelle: RUHR NACHRICHTEN / JG / 18. Februar 2003