Grossensee - 13. Kulturwinter eröffnet - ULRICH PLEITGEN LAS THOMAS MANN. Der Schauspieler fesselte die Gäste im ausverkauften Corbek-Restaurant

Lust auf Literatur weckt der Schauspieler Ulrich Pleitgen. Mit seiner Lesung aus Texten von Thomas Mann begeisterte er jetzt seine Zuhörer im Großenseer Restaurant Zur Corbek.
"Sie können sich frei bewegen, während ich lese", ermuntert er seine Zuhörer zu Beginn. Doch die etwa 70 Gäste im ausverkauften Saal verspüren dazu gar keine Lust. Sie hängen fasziniert an den Lippen des Schauspielers.
Zum Auftakt liest er die anrührende und tragische Geschichte vom "Kleinen Herrn Friedemann". Nach einer frühen Enttäuschung hatte dieser Bucklige beschlossen, nie wieder einer Frau sein Herz zu schenken. Doch die Natur macht diesen Vorsatz zunichte. Er scheitert schließlich an seiner unglücklichen Liebe zu einer verheirateten Frau.
Schon hier werden Manns Beobachtungsgabe, sein Einfühlen in die Seele des Menschen und seine Ironie deutlich.
"Im Alter von nur 22 Jahren hat Mann diese melancholische Geschichte geschrieben", sagt Ulrich Pleitgen, "er beweist damit eine Menschenkenntnis, wie sie sonst nur ein 60-Jähriger besitzt."
Danach folgen die eher heiteren Geschichten "Das Wunderkind" und "Das Eisenbahnunglück". Pleitgen liest sie mit einer manchmal ausladenden Gestik, er setzt seine Pausen kunstvoll und macht mit seiner leicht rauchigen Stimme die wörtliche Rede in der Handlung lebendig.
Warum gerade Thomas Mann? "Er weiß, was die Menschen im Innersten zusammenhält", sagt Pleitgen. So wie einst Goethe und heute Günter Grass sei Mann deshalb einer der größten Schriftsteller. Pleitgen schätzt Manns herzhaften Zugriff auf die menschlichen Seelen, im Guten wie auch im Leid. "Er wäre nicht so groß, wenn er am Leben nicht selbst so viel gelitten hätte", findet er. Auch die stilsichere Sprache begeistert ihn: "Er trifft den Ton genau, ob das Biedermeierdeutsch in "Lotte in Weimar" oder das Alttestamentarische im Roman "Joseph und seine Brüder"."
Mit der Mann-Lesung ist Brigitte Thumann ein guter Auftakt ihres 13. Kulturwinters in Großensee geglückt.
Quelle: Jens Peter Meier / HAMBURGER ABENDBLATT  7. 11. 2007

Ulrich Pleitgen eröffnete 13. Großensee´er Kulturwinter
ER NIMMT SEINE ZUHÖRER MIT IN DIE GESCHICHTEN

 
Großensee (mp). Den 13. Großenseer Kulturwinter im Restaurant "Zur Corbek" eröffnete der Schauspieler Ulrich Pleitgen, der für seine packenden Lesungen bekannt ist und mit zahlreichen Preisen für seine Hörbücher ausgezeichnet wurde.
Und auch hier überzeugte er das Publikum in dem seit vielen Wochen ausverkauften Saal.
 
"Lesen ist nur interessant, wenn Bilder entstehen", sagte Ulrich Pleitgen und hat bei seiner Lesung in der "Corbek" das Publikum in seinen Bann gezogen.
 
Thomas Mann stand auf dem Programm, und er begann "mit der einen Seite des Lebens", wie er bemerkte, "es ist das Tragische und Nachdenkliche im "Kleinen Herrn Friedemann". Es folgten zwei lustige Geschichten mit großem Humor, "damit Sie nicht traurig nach Hause gehen", fügte er an und ließ wissen, "ich suche immer die Titel aus, die ich liebe, ich würde nie etwas anderes lesen." Gerhard Hauptmann und Günter Grass gehören zu seinen Favoriten: "Die Blechtrommel ist ganz große Dichtung", bemerkte er, "an Thomas Mann bewundere ich, dass er ein absolut stilsicherer Schriftsteller ist. Er konnte alles, und ich habe den Eindruck, dass er seine Menschenkenntnis mit auf die Welt gebracht hat."
Als Pleitgen zu lesen begann, ließ sich das Publikum durch seine äußerst wandlungsfähige Stimme mitnehmen in die ergreifende, traurige Liebesgeschichte "Der kleine Herr Friedemann". Mal laut und eindringlich, mal sanft und leise war seine einfühlsame Rollengestaltung, die in Mimik, Gestik, Betonung und bildhafte Sprache das Publikum fesselte. Auch der unendlichen Tragik unerwiderter Liebe dieses Mannes mit der "spitzen Brust und dem ausladenden Rücken" konnte man sich dank der Lebendigkeit und Dynamik des glänzenden Vortrags nicht entziehen.
 
Klingt der Titel "Das Eisenbahnunglück" erst ebenso tragisch, so gab Pleitgen mit Blick auf die beabsichtigte Zielrichtung aber Entwarnung. In ebenso sprachlicher Malerei beschreibt Mann die Aufregung einer Reisevorbereitung und Erlebnisse während einer Zugfahrt von München nach Dresden, und in der Novelle "Das Wunderkind" geht es um einen achtjährigen Klaviervirtuosen. Schmunzelnd und lachend vergnügte sich das Publikum bei den beiden Kurzgeschichten, unter ihnen auch das Ehepaar Astrid und Jochen Fischenich, das als Pleitgen-Verehrer aus Köln angereist war, "er nimmt uns mit in die Geschichten", loben sie seinen Vortragsstil. Anerkennend sagte Ann-Monika Pleitgen, die ihren Mann immer bei den Lesungen begleitet: "Es geht ihnen um das literarische Erlebnis, es ist schön, solchen kulturbegeisterten Menschen zu begegnen."
"Es ist hier sehr angenehm, man ist dicht dran, und es ist eine Gemeinschaft zwischen dem Lesenden und dem Zuhörer", sagte Ulrich Pleitgen zu dem kleinen Rahmen in der "Corbek" und ergänzt: "Es ist ein großes Vergnügen, die Augen des Publikums zu sehen. Im Theater ist da die Distanz zu groß."
Das begeisterte Publikum dankte mit viel Beifall für die mitreißende und lebendige Rezitation.
Quelle: TRITTAUER MARKT / 7. 11. 2007

Am 29. Oktober 2oo7 gab Ulrich Pleitgen eine Thomas-Mann-Lesung in Großensee:
"Zur Corbek"
www.corbek.de
Brigitte Thumann
Tel.: 04154 - 60606
info@corbeck.de
Beginn: 2o Uhr
"Grossenseer Kultur-Winter"
22946 Grossensee.

Ulrich Pleitgen sagt über sich, dass das Lesen ihn immer interessiert habe und eine unglaubliche Bereicherung seines Lebens sei. Die Lust an der Literatur möchte er nun mit einem Thomas-Mann-Programm vermitteln. Es ist die Menschenkenntnis und das "Warmherzige", wie Pleitgen selber sagt, das ihn an Manns Geschichten fesselt.
 
Er liest drei Erzählungen des jungen Thomas Mann. Die erste - DER KLEINE HERR FRIEDEMANN - hat der Autor mit 21 Jahren geschrieben. Es ist der Auftakt seiner Kunst, wie er einem Freund brieflich verrät. Johannes Friedemann ist ein zarter, verwachsener Mensch, der sein Leben jenseits aller (erotischen) Leidenschaften stabil hält - bis eine junge Frau ihn aus der Bahn wirft, woran er schließlich zugrunde geht.
 
In DAS EISENBAHNUNGLÜCK lässt Pleitgen die vielstimmige Reisegesellschaft zu Wort kommen, die bei einem Gleisunglück des Nachtzuges nach Dresden mit dem Schrecken davon kommt. Eine Prosa-Miniatur, die voller Humor mit dem Abgrund spielt.
 
Mit der Kurzgeschichte DAS WUNDERKIND, in der ein Knirps am Flügel eigene Kompositionen vorträgt und Thomas Mann die innere Stimme des Kindes mit den verschiedensten inneren Stimmen des Publikums konfrontiert, zieht der Schauspieler alle Register seiner Vortragskunst.
 
Presse-Info/Cuxhaven

 

powered by

www.perfect4all.de
www.perfectphoto.de/