Ulrich Pleitgen las am 16. Mai 2009 in Erfurt - Geschichten von EDGAR ALLAN POE. Unter anderem...
Die Grube und Das Pendel
Die Maske des roten Todes
Der Rabe
Die Lesung fand statt in der Pfarrkirche St. Nikolai und Jacobi (Schottenkirche) in der Erfurter Altstadt. Beginn: 20.00 Uhr
Eintrittskarten: E 7,50 (erm. E 5,00), erhältlich bei der Buchhandlung Peterknecht (Anger 28), dem Altstadt Antiquariat (Benediktsplatz 2), an der Abendkasse oder vorbestellbar unter info@erfurter-literaturverein.de
"KEIN SCHÖNER ABEND"
Mit einem sündhaften Trinker auf den Spuren der Angst und des unausweichlichen Grauens
Der Erfurter Literaturverein
lud am Samstag in die
Schottenkirche zu einer
weiteren ungewöhnlichen
Lesung, ganz nach dem
Motto: ... das Wort sucht
sich den Ort. Es las Schau-
spieler Ulrich Pleitgen
von Doreen Zander
ALTSTADT.
Schauspieler Ulrich Pleitgen warnt die voll besetzte Schottenkirche. "Das wird kein schöner Abend. Es geht ins Schattendasein der menschlichen Existenz, auf die dunkle und unwegsame Seite des Lebens." Er liest Geschichten von Edgar Allan Poe, >dem Autor der Angst< und ein sündhafter Trinker seiner Zeit.
Schon die erste Geschichte schnürt einem die Kehle zu. Gebannt verfolgen die Anwesenden die energischen Schilderungen eines Folterszenarios aus der Inquisitionszeit. Immer dramatischer werden die Qualen des Gefolterten, immer unmenschlicher wirken seine Folterer: Mönche, die im Namen des Herrn handeln. Die scheinbare Rettung wird zur perfiden Falle. Verzweiflung wechselt mit Wahnsinn. Hoffnung wird durch die unerträgliche Furcht verdrängt. >Grube und Pendel< geht sowohl für den Erzähler als auch beim Publikum unter die Haut. Pause.
Die Zuhörer atmen auf. "Heute gehe ich nicht allein zum Auto", scherzt eine Dame.
Die zweite Story leitet Pleitgen, der ein Poe-Liebhaber ist und ihn schon auf 35 Cds gesprochen hat, mit den Worten "Diese Geschichte ist ein Abbild unserer Gesellschaft" ein. >Die Maske des Todes< oder wie man sein Geld nach Liechtenstein bringt, kommentiert er. Ein "weiser", furchtloser Fürst zieht sich mit seinem dekadenten Gefolge auf sein Schloss zurück, um sich vor der Pest im Land zu schützen. Sie verbarrikadieren sich mit ihrem Prunk, feiern monatelang und wähnen sich sicher, während vor den Toren das Land unter der Pest erstickt. Auf einem Maskenball tritt plötzlich der rote Tod unter den Gästen auf. Einen nach dem anderen rafft er mit scharlachroten Flecken im Gesicht dahin. Die Pest herrscht mit der Finsternis, der Fäulnis und als roter Tod auf dem Schloss. In blutbefleckten Leichengewändern und mit der Maske eines Toten. "Nimmermehr", krächzt der Rabe in der dritten Geschichte. Bei den ersten drei leise geraunten "Nimmermehr" schmunzelt das Publikum noch. Eindringlich und mit rauer Stimme spuckt Pleitgen heiser immer wieder dieses Wort in den Raum. Zunehmend wird klar, dass dieses Gedicht nicht zum Lachen einlädt. Die Geliebte Lenore ist weg und jede Hoffnung, sie im Reich der Engel wiederzusehen, wird vom unbarmherzigen Eindringling auf der Pallas-Büste mit nur einem Wort zerschlagen. "Nimmermehr". So bleibt der Leidende allein zurück mit seiner Verzweiflung und dem Raben.
Quelle: ERFURTER ALLGEMEINE/ 18. Mai 2009