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"Ich möchte lieber im Schatten sitzen!" Immerhin ist er gerade siebeneinhalb Kilometer um die Hamburger Außenalster gelaufen, zum Text lernen. Und es ist heiß heute. Das Drehbuch: eine neue Folge der ARD-Serie "K3 - Kripo Hamburg", in der Ulrich Pleitgen den Kommissar Sander spielt. Er holt ein Plastikei aus der Tasche, mit Magneten gefüllt, und lässt es wie ein kleines Tier auf dem Tisch springen. Hat ihm gerade ein Kind geschenkt. So lebendig und manchmal überraschend in seinen Richtungswechseln wie das Spielzeug ist auch unser Gespräch. FÜR SIE: Lernen Sie Ihre Texte immer draußen? Ulrich Pleitgen: Ja, ich gehe gern dabei; sonst müßte ich ja vor der Wand zuhause sitzen. Früher hat mich mal ein Polizist angesprochen: "Sind Sie eine hilflose Person?" Inzwischen bin ich für die Busreisegruppen an der Alster schon eine Attraktion, die angekündigt wird. Und dann winken wir uns zu ... Krimis spielen eine wichtige Rolle in Ihrer Arbeit, jetzt erscheint ein Mankell-Hörbuch von Ihnen. Was reizt Sie an diesem Stoff? Ein Krimi st immer ein Anlass für eine gute Geschichte. Mich interessiert an Geschichten das Menschliche, beim Krimi die Frage: Wie kam es zu dieser Tat? Menschen werden nicht böse geboren - was also haben sie erlebt, das sie krank gemacht hat? Dahinter stecken oft soziale Schrecklichkeiten. Hörbücher werden immer beliebter - warum? Es wird immer weniger gelesen. Ich nehme gern Hörbücher auf, weil ich Literatur liebe, sie ist für mich ein Lebens-Mittel. Ich lese etwas und merke, das habe ich immer schon gedacht, hätte es aber nie so formulieren können. Plötzlich gehört es zu meinem Erlebnisschatz. Literatur macht das Leben leichter - und spannender. Welches Buch würden Sie am liebsten Kindern vorlesen, und welches Menschen, die nie lesen? Kindern: "Lauf, Junge, lauf" von Uri Orlev. Nicht-Lesern: "Blut und Rauch" von Stephen King. Beide habe ich schon aufgenommen. Wie erzeugen Sie beim Lesen Spannung? Ich spiele dabei, als ob es ein Theaterstück wäre, verändere meine Stimme je nach Person. Ich habe wohl eine Stimme, die etwas bei Menschen auslöst - ich selbst höre mir nicht zu beim Lesen. 35 Jahre Schauspielerei - haben Sie Routine? Nein, es bleibt das Gefühl, immer wieder von vorne anzufangen. Ich bin mir selbst gegenüber nicht kritiklos, bin nicht verliebt in mich. Routine ist in diesem Beruf tödlich. Mit den unterschiedlichen Rollen entdeckt man, wie viele Möglichkeiten in einem wohnen. Wie wenig definierbar ein Mensch ist, wie abhängig von Situationen. Wie halten Sie die Liebe aufregend? Ihre Frau ist seit über 2o Jahren auch Ihre Managerin ... ... und wir verfallen nach einem Tag ohne einander in Sehnsucht. Dieses Gerede vom Lebensabschnittpartner ist Quatsch, der ewige Wechsel garantiert kein Lebensglück. Technisch ist der Ablauf jeder Beziehung gleich: Sie läuft wie eine Sinuskurve, da ist mal mehr Spannung, mal weniger. Akzeptiert man das, kann man zusammen leben. (Quelle: Zeitschrift FÜR SIE Annette Schroeder 2oo5)
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