VON ENGELN UND ANDEREM GEFLÜGEL - Ulrich Pleitgen las Engelsgeschichten in der Gläsernen Manufaktur

Engel sind vielschichtig. Sie beflügeln die Werke von Malern und Dichtern seit vielen Jahrhunderten. Geflügeltes in der Literatur namhafter Dichter stellte Schauspieler Ulrich Pleitgen im Vortragsraum der gläsernen Fabrik vor. Hanna Weber, Musikstudentin aus Hamburg, begleitete auf ihrem Cello. Ein bisschen himmlisch fühlen konnten sich die Zuhörer schon, umgeben von viel Glas und berühmten Dichterworten. Pleitgen las ein Gedicht des Malers und Lyrikers William Blake,der darin "von Engeln der Liebe" sprach. Selbst Heinrich Heine fühlte sich im "Buch der Lieder" von den geflügelten Wesen als Dichter inspiriert. Wer wüchse nicht gern mit einem Engel auf, fragt Sarah Kirsch.
Einige Engelsbilder aus den "Duineser Elegien" von Rainer Maria Rilke beschreiben wohl eher die dunklen Seiten: "Jeder Engel ist schrecklich."
Zum Glück erfährt der Zuschauer nicht nur von Racheengeln und solchen, die Angst und Unbehagen verbreiten. Von behütenden Begleitern, über Sendboten von Liebenden, aber auch als Bote von Kriegern und Gefallenen reichen ihre Zuständigkeiten. In den Texten von Erich Fried ist von "würgenden Engeln" die Rede.
Hanna Weber setzt beim Cellospiel bewusst Akzente. So wird der erste Flug von Schriftstellerin Simone de Beauvoir auch für die Hörer musikalisch erlebbar. Die Französin hat ihn sehr plastisch in ihrem Tagebuch, Eintrag vom 25. Januar 1947, festgehalten: "8 Uhr in Paris und 2 Uhr in New York ..., Zeit und Raum schweben. Der Motor klingt so eigenartig. Endlich berühren die Räder die Rollbahn."
Der Schriftsteller James Joyce schreibt an seine Frau Nora nach Dublin: "Du, die mich wie einen Kiesel in der Hand hält, mein Engel ..." Claire Goll schreibt an ihren Mann Iwan: "Wo bist du, mein Erzengel?" Die Rolle der Engel als Mittler zwischen Himmel und Erde sind, nicht nur für Liebende, fast unerschöpflich. "Wo sind Ihre Flügel?" fragt dagegen ein jüdischer Schneider verwundert seinen Schutzengel. Sein Engel ist dazu noch von schwarzer Hautfarbe und wohnt, wenig romantisch, in einem Pappkarton. Wen wundert da des Schneiders Misstrauen?
Für Pleitgen, der das erste Mal in Dresden gelesen hat, sind Lesungen tiefes Bedürfnis und ergänzen seine Arbeit beim Hörspiel, Theater, bei Film und Fernsehen. Das Publikum dankte mit engelsgleichem Applaus.
 
Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten / Angelika Gütter

 

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