Seine Großmutter ist an allem schuld. Sagt Ulrich Pleitgen. Dass jetzt was aus ihm geworden ist, ein neuer Fernsehstar. "Sie hat mir gezeigt, dass es noch mehr gibt als Handball."
Während seine Kumpels draußen herumtobten, saß er als Kind bei Oma und hörte zu. Wenn sie aus Büchern vorlas, die sie aus den Bombentrümmern gerettet hatte, Beethovens Neunte drehte sich dazu auf ihrem klapprigen Grammophon.
Er mag die alten Leute. "Ich bewundere sie. Sie haben gelebt und geschuftet. Und wenn sie dann am Ende auf zittrigen Beinen an der Ampel stehen, weil sie nicht schnell genug über die Straße kommen, hab´ ich wahnsinnig Mitleid." Pleitgen bringt sie rüber. Macho mit Herz.
Im "Haus am See" als Senioren-Heimleiter Günter Diefenbach zeigt Ulrich Pleitgen, was ihn auch privat bewegt. "Ich bin emotional", sagt er.Bis zum Jähzorn. "Cool sein, als Lebensphilosophie, finde ich einfach grauenhaft."
Der blonde Shooting-Star aus Hamburg mit dem zerknautschten Gesicht kann aber auch anders. So ist er in der Satire "Negerküsse" ein rechtes SChlitzohr. Und im "Tatort" ein linker Wachmann.
Das TV-Publikum kennt ihn erst drei Jahre. Im Theater dagegen zählt er schon seit 1970 zur ersten Schauspieler-Garnitur. Er begann für 750 Mark monatlich am Berliner Schillertheater, war Goethes "Clavigo" am Schauspielhaus Basel und "Marquis von Keith" im hanseatischen Thalia.
"Eines Tages hatte ich einfach keinen Bock mehr: Da stehst du dauernd im Feuilleton, trotzdem kennt dich keiner." Er wollte auch endlich berühmt sein. Also Fernsehen. "Weil das heutzutage so ungeheuer wichtig ist. Ohne Glotze läuft hier doch gar nichts mehr. Ob Politik, Sport oder Kultur."
Seit 1975 lebt er mit Ehefrau Ann-Monika zusammen. Stiefsohn Ilja Bohnet studiert Physik.
Mit WDR-Chefredakteur Fritz Pleitgen ist er tatsächlich verwandt. "Unsere Großväter waren Brüder."
Angst vorm Alter hat er nicht. Mit 90 Jahren möchte er noch auf der Bühne stehen.
Quelle: BILD und FUNK/ Jörn Kluth